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Und plötzlich zückt der Dieb das Messer

Eine Einbruchsserie schreckt Kleingärtner in Görlitzer Grenznähe auf. Dabei waren ihre Lauben gesichert. Jetzt soll technisch aufgerüstet werden.

Ein Laubenbesitzer zeigt Schäden an der Tür. Hier hatten sich Einbrecher gewaltsam Zutritt zur Laube verschafft.
Ein Laubenbesitzer zeigt Schäden an der Tür. Hier hatten sich Einbrecher gewaltsam Zutritt zur Laube verschafft. © Daniel Schäfer

Der 74-Jährige wollte Anfang Januar einfach nach dem Rechten in seinem Garten schauen. Plötzlich traf er auf einen Mann in einer Sparte im Görlitzer Stadtteil Weinhübel. Der Senior kam noch dazu, ihn zu fragen, was er hier mache. Dann wurde er auch schon mit einem gezückten Messer bedroht. Glück im Unglück für den Gartenbesitzer: Der Eindringling machte sich aus dem Staub.

Solch dramatische Begegnungen sind zwar die Ausnahme, aber Einbrecher in Görlitzer Gartensparten eher Alltag in diesen Wintertagen. Die Spur einer regelrechten Einbruchsserie zieht sich zu Beginn dieses Jahres durch die Gartensparten am Wasserwerk, am Sonnenland und an der Paul-Mühsam-Straße in Weinhübel.

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Manchmal wenig Beute, meistens hoher Sachschaden

Zu diesem Vorfall und den Einbrüchen, darunter auch in eine Sparte in Hagenwerder, ermittelt die Polizei. Im Falle der Drohung mit einem Messer werde zudem wegen Bedrohung ermittelt, sagt ein Polizeisprecher. Bei den Einbrüchen wurde teilweise sehr hoher Sach- und Diebstahlschaden angerichtet, manchmal ist die Beute kurios. In einer Sparte an der Paul-Mühsam-Straße betrug allein der Sachschaden rund 6.000 Euro. Kleingärtnern fehlen nun Unterhaltungselektronik, Werkzeuge und Landschaftsbilder. Im Sonnenland richteten Einbrecher Sachschaden von rund 1.000 Euro an. Gestohlen wurde aber nur eine Jacke im Wert von 50 Euro.

In einem Fall ertappte die Polizei mit Hilfe eines Kleingärtners einen Einbrecher. Zunächst drang der Kriminelle in eine Gartenlaube ein und durchsuchte sie. Offenbar reichte es ihm nicht und er tat dergleichen im Nachbargarten. Ein Zeuge bemerkte das und versuchte, die Tür zuzuhalten, um den Täter in der Laube einzusperren. Dieser befreite sich jedoch, nahm sich einen Besenstiel, schlug damit den Zeugen und rannte weg. Bereits alarmierte Polizisten stellten den mutmaßlichen Räuber. Der 41-jährige Pole kam in Untersuchungshaft. Der Kriminaldienst prüft Zusammenhänge mit weiteren Laubeneinbrüchen.

Grenznähe und Beschaffungskriminalität

Einbrüche in Lauben und Bungalows sind in der Polizeidirektion Görlitz ein leidiges Thema. Allein in der Stadt Görlitz nahm die Polizei im Vorjahr rund 200 Einbrüche in Kleingartenanlagen und privaten Gärten auf. Für Niesky registrierte die Polizei 2020 dagegen "nur" fünf Einbrüche in Gartenlauben.

Das Thema beschäftigt auch Frank Reimann seit Langem. Er ist der Vorsitzende des Niederschlesischen Kleingartenverbandes. Ihm gehören 106 Kleingartenvereine in Görlitz, Niesky und dem nördlichen Kreisgebiet an. Von den Gärtnern dieser Vereine werden knapp 5.200 Parzellen auf insgesamt 188 Hektar Land bewirtschaftet. Reimann sieht die Grenznähe vieler Anlagen als Hauptgrund für die Einbrüche. Gestohlen werde, was sich noch vermarkten lässt. Ob es dabei auch um Beschaffungskriminalität - also um Verwertbares für den Drogenkonsum - geht, kann Reimann nicht sagen, er vermutet es. Es spiele auch keine Rolle, ob eine Anlage umzäunt und mittels Tor verschlossen ist oder das Tor offen steht - den Dieben sei das gleich.

Kommunikation mit der Polizei könnte besser sein

Reimann bedauert, dass die Polizei nur indirekt bereit sei, Auskunft über Einbrüche zu geben. "Wir müssten besser zusammenarbeiten", sagt Reimann. Die Polizei dagegen informiert, dass sie Gartenbesitzer jedes Jahr berät und Hinweise zu Sicherungsmöglichkeiten von Gärten und Lauben gibt, auch in den Medien. "Der Fachdienst Prävention sowie der Kriminaldienst des Polizeireviers Görlitz spricht mit Vorsitzenden der Kleingartenanlagen und verteilt Informationsmaterial", sagt Polizeisprecherin Anja Leuschner. Gesammelte Hinweise seien auch im Internet abrufbar.

Offenbar zeigt das Wirkung, denn die Polizei bestätigt, dass bei der Einbruchserie in Weinhübel gravierendes Fehlverhalten der Garteneigentümer nicht festgestellt wurde. Alle Gartenlauben waren normal gesichert, hielten den Einbruchwerkzeugen aber nicht stand. Reimann spricht sich dafür aus, dass Kleingärtner viel mehr technische Möglichkeiten wie Alarmanlagen oder Videoüberwachung nutzen sollten, um Täter abzuschrecken und zu filmen.

Kontrollgänge in den Anlagen

Naturgemäß seien im Winter viel weniger Schrebergärtner auf ihren Parzellen anzutreffen als im Sommer. Das wüssten auch die Diebe, sagt Reimann. Er empfiehlt den Kleingärtnern, sich in den Vereinen abzustimmen, dass regelmäßig, möglichst täglich, jemand in der Sparte kontrolliert, ob alles in Ordnung ist. "Manche Vereine tun das schon", erklärt Reimann. So wurden bereits mehrere Einbrüche entdeckt, bevor sie der Laubeneigentümer bemerkte.

Versicherung schützt nicht vor Einbruch, aber reguliert

Sehr unzufrieden ist Reimann, wie die im Verband vereinten Kleingärtner ihre Parzellen und Lauben versichern. Nur ein knappes Fünftel der Parzellenpächter nutze die vom Verband angebotene günstige Versicherung. "Eine 14 Quadratmeter große Laube ist im Jahr für 30 Euro gut versichert", erklärt Reimann. Individuelle Anpassungen seien möglich. Zwar wisse auch Reimann, dass eine Versicherung allein nicht vor Einbruch schützt, sie helfe aber, den Schaden zu regulieren. Denn werde tatsächlich mal ein Täter gefasst, ist von ihm meist nicht viel zu holen. Kleingärtner bleiben häufig auf dem Schaden sitzen.

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