merken
PLUS Görlitz

Eine Million Kilowatt Strom vom Kuhstall

Auf Dächern des früheren Rinderhofes Girbigsdorf wird Solarenergie erzeugt. Es ist das i-Tüpfelchen zur Wiederbelebung einer Brache.

Symbolbild
Symbolbild © dpa

Bernd Spengler hat schon in Asien Solaranlagen gebaut, in Frankreich, in Polen „und auf fast allen Kontinenten.“ Seine Firma Neue Energien GmbH & Co KG aus Baden-Württemberg investierte auch im Schöpstal. In der ehemaligen Rindermastanlage in Girbigsdorf wird nun Strom aus Sonnenlicht erzeugt. Auf drei alten Ställen hat sein Unternehmen auf einer Fläche von 6.200 Quadratmetern Dachflächen Solarmodule angebracht. Nach Angaben von Bernd Spengler produzieren diese etwa eine Million Kilowatt Strom. „Rund 250 Haushalte können damit rein rechnerisch versorgt werden“, sagt der Geschäftsführer. Der Strom wird über eine eigene Trafostation ins Netz der Enso eingespeist.

Küchenzentrum Dresden
Küchen-Profis aus Leidenschaft
Küchen-Profis aus Leidenschaft

Das Team des Küchenzentrums Dresden vereint Kompetenz, Erfahrung und Dienstleistung – und punktet mit besonderen Highlights.

Die Anlagen der erneuerbaren Energie sind schrittweise in Betrieb genommen worden – die beiden ersten Anlagen bereits 2019. „Der letzte Teil – das sind zehn Prozent – soll noch in diesem Monat ans Netz“, erklärt Bernd Spengler. Das sei auch ein Beitrag für die Gesellschaft. Der Unternehmer sieht im Solarstrom „unglaubliches Potenzial.“ Sein Ziel sei, die Stromkosten durch solche erneuerbaren Energien zu senken. Bernd Spengler kann sich vorstellen, „dass irgendwann einmal Strom unvorstellbar günstig“ werde.

Kontakte zur Gemeinde suchte das Unternehmen aus dem Schwarzwald zuvor eigenständig. „Wir sind seit 30 Jahren am Markt und haben unter anderem vor einem Jahr auch auf dem Bauhof Särichen eine Solaranlage gebaut“, sagt er. Die Gemeinden seien für diese Projekte offen gewesen. Die Firma habe im Laufe der drei Jahrzehnte deutschlandweit und im Ausland etwa 70 bis 80 solcher Projekte und für Investoren etwa 1.000 verwirklicht.

Die Gemeinde Schöpstal selbst verdient nicht mit an dem Strom. Allerdings profitierte die Kommune anderweitig, wie Bürgermeister Bernd Kalkbrenner sagt. „Wir erhielten im Gegenzug komplett neue Dächer auf den Hallen und der Investor entsorgte auf seine Kosten das Altmaterial und Asbest“, erklärt er. Damit sparte Schöpstal viel Geld.

Die Gemeinde erwarb das 60.000 Quadratmeter große Areal 2013 im Rahmen einer Zwangsversteigerung. Der alte Rinderhof, in dem zu DDR-Zeiten Bullen gezüchtet und verkauft wurden und der eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) war, wurde nach der Wende abgewickelt. Ein holländischer Investor unterhielt zwar auf dem Gelände eine Weile einen Secondhand-Handel. Die anderen Gebäude verfielen jedoch, das Areal wurde zur illegalen Müllkippe, mehrfach brannte es. Da Abwasserbeträge nicht gezahlt wurden und es offene Verbindlichkeiten gegenüber der Kommune gab, kam das Terrain in die Zwangsversteigerung und die Gemeinde griff zu.

Der Kauf hat sich offenbar gelohnt. „Die ehemalige ruinöse landwirtschaftliche Brache wird einer neuen Nutzung zugeführt“, sagt Bernd Kalkbrenner. Gleichzeitig bekam der kommunale Bauhof da seinen neuen Standort. „Eine Halle ist vermietet, weitere folgen“, blickt der Bürgermeister optimistisch in die Zukunft.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz