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Görlitz

Eine schöne Corona-Geschichte

Wie Conny Kahle die Mitarbeiter des Friedhofes motiviert hat und warum auch Westpakete kamen. Ein Gastbeitrag.

Conny Kahle hat den Engagement-Preis zu recht erhalten. Auch für die Mitarbeiter des Städtischen Friedhofes hatte sie zur richtigen Zeit, die richtigen Ideen.
Conny Kahle hat den Engagement-Preis zu recht erhalten. Auch für die Mitarbeiter des Städtischen Friedhofes hatte sie zur richtigen Zeit, die richtigen Ideen. ©  Nikolai Schmidt

Von Evelin Mühle

Begonnen hat alles im Dezember, als die Todeszahlen in Görlitz und im Landkreis enorm hoch waren, als im Krematorium nicht nur die Kühlhalle voll war, sondern Särge auch in allen Gängen übereinanderstanden, als die Mitarbeiter begannen, in Schichten zu arbeiten und es nötig wurde, an den Weihnachtsfeiertagen und an Wochenenden zu arbeiten…

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In der kleinen Stadt in der Oberlausitz gibt es ein Archiv, das weltweit seinesgleichen sucht und nun mithilfe der TU Dresden/TUD zugänglich wird.

Natürlich hat sich damals auch die Presse auf uns gestürzt, wir haben es zur besten Sendezeit in die Tagesschau geschafft und selbst japanische Nachrichtensender fragten nach den aktuellen Zahlen. Da begann die schöne Parallelgeschichte.

Conny Kahle vom Görlitz-Insider wollte helfen, helfen mit Motivation zum Durchhalten, zum Weitermachen… Und weil sie viele Menschen kennt (wir sind ja schließlich in Görlitz!), gab es plötzlich Spendenbüchsen im Presse- und Buchzentrum am Postplatz und bei Marktkauf. Und diese füllten sich.

Zeitgleich hatte Conny Kahle Ideen, wie sie uns motivieren kann: mit Orangen, Tee, Würstchen, Schokolade… Schon in der zweiten Woche haben wir die Schokolade abgewählt und in Mandarinen getauscht – wegen der besseren Linie. Andere Menschen haben auch motiviert: Eine Frau aus dem Westen mit einem echten Westpaket, der Oberbürgermeister mit einem Stollen und wieder jemand anderes mit 20 Tütchen Badezusatz (die hatten dann so Namen wie: „Tiefenentspannung“ und „Denk an Dich“). Einmal gab es Engelkarten für jeden und einmal eine Riesenplatte Tiramisu. Wahnsinn! Auch eine Physiotherapie war uns sehr wohlgesonnen und spendierte (Rücken-)Massage für alle; einige „Corona-Helden“ werden noch Gutscheine erhalten. Oft wurde ich gefragt, wie es uns geht, wie wir es schaffen mit so vielen Toten und so viel Traurigkeit?

Die Autorin: Evelin Mühle ist Leiterin des Eigenbetriebes Städtischer Friedhof in Görlitz.
Die Autorin: Evelin Mühle ist Leiterin des Eigenbetriebes Städtischer Friedhof in Görlitz. ©  Nikolai Schmidt

Conny Kahle, an jedem Mittwoch, acht Wochen lang, brachte viele Äpfel aus dem Stadtgut, einmal auch Nusstörtchen für die Schleckermäuler und Semmeln und Hackepeter für die Herzhaftesser. Der 10. Februar war die Krönung: Pizza für alle zum Mittagessen. Köstlich, köstlich…

Jetzt sind die Kassen leer und das ist gut so. Die Sterbezahlen sind noch nicht normal, aber das Pensum ist wieder zu bewältigen. Neben der Beratung Hinterbliebener für Grabstellen kann in der Verwaltung Liegengebliebenes aufgearbeitet werden.

Was uns passiert ist, ist keine Selbstverständlichkeit. Aber es war schön zu erleben. Es war schön, so große Anteilnahme zu spüren und Achtung für unsere Arbeit und ja, wir hatten in all diesem vielen Sterben und dieser großen Traurigkeit wirklich auch viel Licht. Das haben die bewirkt, die so gut an uns dachten und mit tollen Ideen von Woche zu Woche halfen, die Tage zu verschönern. Herzlichen Dank!! Es war gut, zu erleben, dass Gemeinschaft so funktionieren kann. Und es war wunderbar zu sehen, wir die, die geben, mit beschenkt werden. Danke!

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