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Gegenwind für Görlitzer Kaufhaus-Investor

Der gewünschte Abriss zweier Denkmalvillen für ein größeres Parkhaus ist heiß umstritten. Das Landesdenkmalamt hofft auf eine Gesamtlösung.

Kaufhaus-Investor Winfried Stöcker trifft mit seinen neuesten Plänen in Görlitz auf Widerspruch - aber auch Zustimmung.
Kaufhaus-Investor Winfried Stöcker trifft mit seinen neuesten Plänen in Görlitz auf Widerspruch - aber auch Zustimmung. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Die Pläne von Kaufhaus-Investor Winfried Stöcker, zwei Stadtvillen am Görlitzer Postplatz abzureißen, um dafür das Parkhaus erweitern und die An- und Belieferung des Einkaufskomplexes abzusichern, stößt auf ein geteiltes Echo in Görlitz. 

Um diese beiden Stadtvillen, teilweise in ruinösem Zustand, geht es.
Um diese beiden Stadtvillen, teilweise in ruinösem Zustand, geht es. © Sebastian Beutler

Ronny Otto: Stöckers Engagement ist bewunderungswürdig

Der Görlitzer Immobilienentwickler Ronny Otto erinnert daran, dass es die Stadt teilweise selber ist, die keine Konzepte für eigene Gebäude auf der Denkmalliste hat, geschweige denn Sicherungsmaßnahmen durchführte. Er nennt beispielhaft die Zittauer Straße 64 und die Schützenstraße 9. "Bei beiden Häusern hat nicht nur die Stadt versagt, sondern auch der Denkmalschutz", findet Otto. Ganz ähnlich hätten die Behörden beim Abriss der Karl-Eichler-Straße 40/42 versagt, obwohl er selbst ein Kaufangebot unterbreitet habe. Deswegen sollte die Stadt jetzt den Bemühungen von Kaufhaus-Investor Stöcker keine Steine in den Weg legen. Otto findet das Engagement Stöckers bewunderungswürdig und empfiehlt den Denkmalschutzbehörden in Görlitz und Dresden, dessen Pläne zur Sanierung des Görlitzer Kaufhauses und Vitalisierung der Görlitzer Stadtmitte zu unterstützen.

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Katrin Treffkorn: Keine Lex Stöcker zulassen

Zu einer ganz gegenteiligen Auffassung ist die SPD-Vorsitzende von Görlitz, Katrin Treffkorn, gekommen. In einer Reaktion im sozialen Netzwerk Facebook macht sie Stöcker schwere Vorwürfe. Er habe über einen Strohmann die Villen gekauft und dabei die früheren Eigentümer über seine Pläne im Dunkeln gelassen. "Um sie abreißen zu lassen, hätten die vorherigen Eigentümer ihre denkmalgeschützten Gründerzeithäuser in zentraler Lage nicht verkauft", ist sie sich sicher. Angesichts des vermeintlichen Vorgehens von Stöcker stellt Frau Treffkorn die Frage, ob er noch ein "vertrauenswürdiger Partner für die Stadt" sein könne. Frau Treffkorn wiederum appelliert an den Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu, keine "Lex Stöcker zu schaffen".

Ursu hatte in einer Stellungnahme zu dem Streit davon gesprochen, dass er persönlich dem Wunsch von Winfried Stöcker entsprechen würde, die Genehmigung für den Abriss der beiden Villen zu erteilen.

Landesdenkmalamt: Keine Entscheidung bislang getroffen

Allerdings ist die vermutlich nicht ohne die Entscheidung des Landesamtes für Denkmalschutz zu erhalten. Eine Sprecherin verwies am Freitag gegenüber der SZ und säschsische.de, dass es bislang nur Vorgespräche gibt. "Deswegen kann nicht von einer Versagung der Abrissgenehmigung gesprochen werden", erklärt die Sprecherin. Allerdings favorisiert das Landesamt offensichtlich eine zweite Variante des Kaufhaus-Investors, die zwar auch den Neubau einer Anlieferzone und des Parkhauses vorsieht, aber unter Erhalt der Gebäude Postplatz 5 und 6.   Das Landesamt favorisiert jedenfalls eine "Gesamtlösung mit dem Investor, die seine Entwicklungsabsichten in Übereinstimmung mit den denkmalpflegerischen Aspekten bringt".

Winfried Stöcker hatte die beiden Villen nach eigener Darstellung gegenüber SZ und sächsische.de erworben, um sie abzureißen. Stattdessen soll das Parkhaus vergrößert werden, indem es an die Straßenflucht nach vorn gerückt, aufgestockt und auch mit zwei neuen Geschäftsflächen zum Postplatz versehen wird. Er begründet das mit der Größe des Einkaufskomplexes, der Schaffung weiterer Parkplätze in der Innenstadt und der großzügigen Lösung für die Belieferung des Einkaufskomplexes. Er habe die beiden Villen nicht für viel Geld erstanden, um sie saniert der Stadt zu schenken, sondern die Fläche für eine sinnvolle Gestaltung seines Einkaufskomplexes zu nutzen. 

Widerspruch von Kaufhaus-Enthusiast

Doch damit stößt er auch auf Widerspruch. Ralf Thies, ebenfalls SPD-Politiker aus Berlin und Görlitz und einige Jahre aktiv bei der Wiederbelebung des Kaufhauses, erklärt im sozialen Netzwerk Facebook, dass das Kaufhaus zwar extrem wichtig für die Stadt sei, "aber deshalb den Abriss dieser zwei Häuser zur Bedingung für die Investition zu machen, kann und darf nicht der Weg sein". Andere sehen in Stöcker eine Art "Mini-Trump" und empfehlen ihm, die Häuser Schützenstraße 3 und 4 zu kaufen, sie abzureißen und darüber die Erschließung des Einkaufskomplexes vorzunehmen. Allerdings ist dem Anliegen Stöckers damit nicht gedient, weil ja das Parkhaus an seinem jetzigen Standort erweitert werden soll.  

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