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Warum man jetzt Geschenke kaufen soll

Görlitzer Geschäfte sind trotz Lockdowns geöffnet. Es gibt strenge Hygiene-Regeln. Es kommen weniger Kunden. Doch der Handel hofft.

Storemanagerin Sylvia Scheunert (rechts) und Verkäuferin Carola Pätzold beraten die Kunden zwar mit Mund-Nasen-Schutz, aber deswegen nicht weniger kompetent und freundlich.
Storemanagerin Sylvia Scheunert (rechts) und Verkäuferin Carola Pätzold beraten die Kunden zwar mit Mund-Nasen-Schutz, aber deswegen nicht weniger kompetent und freundlich. © Nikolai Schmidt

Montagvormittag in der Görlitzer Innenstadt. Wenige Menschen sind bei Nieselregen mit Schirm unterwegs. In den Bankfilialen herrscht reger Betrieb: Renten und staatliche Leistungen sind überwiesen. Der 2. November 2020 ist der erste Tag vom Lockdown light.

Sämtliche Gaststätten sind geschlossen, nahezu alle Geschäfte geöffnet. Unter strengen Hygienebedingungen laden sie zum Einkauf ein. Wie wird sich das Kundenverhalten entwickeln? 

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Der Kundenstrom ist abgeebbt

Bei Anika Schuhe auf der Berliner Straße ist der Kundenstrom etwas abgeebbt. "Wir merken, dass Touristen abgereist sind", sagt Filialleiterin Sylvia Scheunert. Weniger Kunden als sonst sind da, der Regen mag dabei eine Rolle spielen. Wer jetzt zum Einkauf kommt, macht meist keinen spontanen Abstecher, sondern betritt zielgerichtet das Schuhgeschäft, sagt die Filialleiterin. 

Die Kunden überlegen, ob sie in die Stadt gehen und shoppen. Viele empfinden das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes als belastend und bedauern das Verkaufspersonal, das den ganzen Tag mit diesem Schutz verkaufen muss. Letztlich haben aber die meisten  Verständnis - auf beiden Seiten, sagt Frau Scheunert. 

Trotz Nieselwetters war am Montage gegen Mittag die Berliner Straße in Görlitz recht belebt. Die meisten Menschen hielten sich an die Pflicht, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.
Trotz Nieselwetters war am Montage gegen Mittag die Berliner Straße in Görlitz recht belebt. Die meisten Menschen hielten sich an die Pflicht, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. © Nikolai Schmidt

Keinen Kaffee, aber Lebensmittel

Ein Stückchen die Straße abwärts, Richtung Postplatz, wartet Doreen Schmuck auf Kundschaft. Für einen Kaffeeplausch dürfen sich die Görlitzer jetzt im Daily Fein nicht treffen, aber Lebensmittel sind weiter erhältlich. "Viele waren vorige Woche nochmal da wegen der Kaffeespezialitäten", erklärt Frau Schmuck. 

Sie ist froh, dass die Geschäfte überhaupt öffnen dürfen. Im Frühjahr war das Daily Fein einer der wenigen geöffneten Läden, damals noch auf der Elisabethstraße, weil Lebensmittel verkauft werden. Rings herum die Läden waren zu. "Ich hoffe, dass auch künftig Läden nicht schließen müssen", sagt die Inhaberin, "das wäre fatal für das Weihnachtsgeschäft." 

Das sieht auch Petra Kriegel so. Sie ist die Filialleiterin der Buchhandlung Thalia. "Wir haben normal geöffnet und sind in das Weihnachtsgeschäft gestartet", erklärt sie.  Auch hier sind die Hygieneregeln streng. Ohne Mund-Nasen-Bedeckung kommt keiner rein. Das Personal achtet darauf, dass nur die erlaubte Anzahl Kunden gleichzeitig den Verkaufsraum betritt. Speziell für kontaktloses Einkaufen und Bezahlen entwickelte der Buchhändler eine App. Mit der können Kunden vor Ort einkaufen, ohne an der Kasse anzustehen. Das nutzen vor allem jüngere Einkäufer.

Nur mit Mund-Nasen-Schutz gibt's Einlass

Bei engbers, dem Spezialisten für Herrenbekleidung, nutzt dem Kunden auch ein ärztliches Attest nichts. "Ohne Mund-Nasen-Bedeckung gibt es bei uns keinen Einkauf", erklärt Filialleiterin Doreen Schulz. Der Kunde verpasst dann die aktuelle Herbst-Winter-Kollektion, sagt sie. Der Herrenausstatter hat sich wie die anderen Händler auf die Corona-Situation eingestellt und in Hygienekonzepte investiert.  "Es wäre sehr schade für den stationären Handel, wenn die Kunden ausbleiben", betont die Filialleiterin. Sie ermuntert die Menschen, trotz der schwierigen Situation auch mal rauszugehen und zu shoppen. 

Die Filialleiterinnen geben zu bedenken, dass heute noch keiner weiß, wie sich die Corona-Pandemie in Görlitz und dem Landkreis entwickelt. Wer jetzt schon an Weihnachten und Geschenke denkt, sei bestimmt auf der sicheren Seite, sind sich die drei Frauen einig. 

Gut gefüllt ist der Parkplatz im Neißepark Görlitz. Man muss schauen, eine Lücke zu finden. Lediglich die zahlreichen Parkplätze für Menschen mit Handicap sind meist frei.
Gut gefüllt ist der Parkplatz im Neißepark Görlitz. Man muss schauen, eine Lücke zu finden. Lediglich die zahlreichen Parkplätze für Menschen mit Handicap sind meist frei. ©  Foto: Gabriela Lachnit

Trubel im Neißepark

Im Neißepark in Königshufen muss man an diesem Montag kurz vor dem Mittag schon schauen, wo der nächste freie Parkplatz ist. Autos mit Görlitzer Kennzeichen, wenige aus Niesky und Zittau, kaum welche aus weiteren Gefilden, sorgen für gut gefüllte Parkflächen, sowohl in Marktkauf-Nähe als auch vor dem Aldi. Die meisten Menschen wollen offensichtlich Lebensmittel einkaufen. Ob der Feiertag am vergangenen Sonnabend dafür eine Rolle spielt, lässt sich nur spekulieren. Aber auch im Elektronik-Markt und im Bekleidungshaus Adler wird eingekauft. 

Vor kleineren Geschäften bilden sich kurze Warteschlangen, weil nur eine begrenzte Zahl an Kunden ins Geschäft hinein darf. Das war schon auf der Berliner Straße zu beobachten. Die Anzahl der eingelassenen Kunden hängt von der Größe der Verkaufsfläche ab. 

Die Stimmung ist gedrückt

Nach dem Mittag blinzelt die Sonne hinter den Wolken hervor. Die Görlitzer Innenstadt belebt sich. In der Mittagszeit sind fast jeden Tag viele Menschen unterwegs, erledigen in der Pause schnell einen Einkauf oder holen sich etwas zum Mittagessen an einem der  Imbiss-Stände. Jetzt könnte man meinen, es ist wie immer. Nur die Touristen fehlen - zum zweiten Mal in diesem Jahr. 

Die Stimmung ist jedoch gedrückt, unbewusst vielleicht. Die Corona-Situation belastet viele, so wie Kerstin Hoffmann. Die 58-jährige Görlitzerin ist im Neißepark unterwegs. "Ich bin krank geschrieben, nicht wegen Corona, ich muss einfach mal raus an die Luft", erklärt sie und ist froh, dass wenigstens die Geschäfte geöffnet sind. "Ich schaue dann einfach mal rein: Da find ich immer mal etwas, was ich schon lange suchte", erklärt sie. Auf solche Kunden und jene, die zielgerichtet einkaufen kommen, hoffen nicht nur Petra Kriegel, Doreen Schulz und Doreen Schmuck, sondern auch andere Görlitzer Händler.

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