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Görlitzer Grüne zweifeln am Kaufhaus

Stöckers Pläne seien zu groß für den Innenstadthandel. Dafür greifen sie auf ein städtisches Konzept zurück. Doch da steht etwas ganz anderes drin.

Die Pläne für das Görlitzer Kaufhaus sind bei den Grünen umstritten.
Die Pläne für das Görlitzer Kaufhaus sind bei den Grünen umstritten. © Vorlage: Winfried Stöcker

Die Görlitzer Grünen zweifeln an Sinn und Funktion des geplanten Kaufhauses in der Görlitzer Stadtmitte und schlagen als Option vor, das Jugendstilkaufhaus eher in "ein Gründerzentrum für Nachhaltigkeit in Handel und Wirtschaft" zu verwandeln. Das erklärt die grüne Ko-Vorsitzende Janet Conrad nach einer Sitzung des grünen Stadtvorstandes. "Wir würden nicht der Spirale der Kurzlebigkeit nachjagen, sondern bei der Bevölkerung dafür werben, so gut es geht, die bestehenden Einzelhandelsstandorte zu unterstützen und damit sehr viele liebevoll sanierte Denkmale mit Leben zu füllen und zu erhalten", heißt es in einer Erklärung von Frau Conrad.

Für die Grünen steht fest: Die Revitalisierung des Kaufhauses mit der geplanten Erweiterung um das City-Center zusammen mit dem Parkhaus und weiteren Läden wird zu groß werden gegenüber anderen Einzelhandelsstandorten. So fürchten die Grünen, dass das Kaufhaus zu Lasten von Läden auf der Berliner Straße geht. Sie begründen das mit Verkaufsflächen, wie sie der neue Entwurf des Einzelhandelskonzeptes der Stadt enthält. Demnach habe die Innenstadt rund 27.600 Quadratmeter Verkaufsfläche, davon entfallen knapp 7.000 auf das City-Center.

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Durch das Kaufhaus und dessen Erweiterung würden 20.000 Quadratmeter Verkaufsfläche hinzukommen, 47 Prozent der gesamten innerstädtischen Verkaufsfläche. Deswegen fordern sie beim Genehmigungsverfahren eine sorgfältige Prüfung, ob das Projekt der innerstädtischen Entwicklung eher schaden wird.

Zugleich könnten die Grünen im Stadtrat damit vor einer neuen Zerreißprobe stehen, denn der grüne Stadtrat Joachim Schulze, der der Fraktion Bürger für Görlitz angehört, hat sich hinter die Pläne Stöckers gestellt und sich sicher gezeigt, dass ein geeigneter Kompromiss gefunden wird. Die beiden grünen Stadträte in der Fraktion "Motor Görlitz/Grüne" haben sich zu dem Vorhaben noch gar nicht geäußert. Jana Krauß beklagte vor dem Stadtrat zuletzt, dass nur Mutmaßungen bekannt seien, aber keine verlässlichen Details.

Ist vom neuen Kaufhaus in Görlitz nicht überzeugt: die Görlitzer Ko-Vorsitzende der Grünen, Janet Conrad.
Ist vom neuen Kaufhaus in Görlitz nicht überzeugt: die Görlitzer Ko-Vorsitzende der Grünen, Janet Conrad. © Nikolai Schmidt

Andererseits ist aus dem Einzelhandelskonzept der Stadt, das die Grünen zitieren, keine Absage an das Kaufhaus herauszulesen. Im Gegenteil, darin heißt es wörtlich: "Die Revitalisierung des historischen Kaufhauses ist im Sinne der Stärkung der Görlitzer Innenstadt zu begrüßen, wobei das geplante Konzept eine Ergänzung und Abrundung des Angebotes darstellen kann. Mit der Wiederbelebung erhält Görlitz ein regional und überregional wirkendes ,Zugpferd' zurück, welches auch Einkäufer von außerhalb des primären Einzugsgebietes des Görlitzer Einzelhandels ansprechen kann." Den Verfassern des Einzelhandelskonzeptes waren die Pläne von Stöcker weitgehend bekannt. Zuletzt hatte sich auch die Chefin der Görlitzer Wirtschaftsförderung, Andrea Behr, zu dem Kaufhausprojekt bekannt.

Die Autoren des Konzeptes kommen zu dem Schluss, dass der Görlitzer Handel nur unterdurchschnittlich mit Geschäften für Bekleidung, Schuhe und Sport ausgestattet sei und in diesen Segmenten in der Innenstadt Nachholbedarf bestehe, um letztlich auch mehr Kaufkraft aus dem Umland nach Görlitz zu holen. Dafür sei das Kaufhaus gut geeignet. Das Konzept gibt die Verkaufsfläche des Handels in der gesamten Stadt Görlitz mit 138.725 Quadratmetern an.

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