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„Wir fordern den Erhalt des Hauses Postplatz 6“

Im Internet findet sich eine Petition von soziokulturellen Gruppen zum Erhalt einer der beiden Villen am Postplatz. Wir dokumentieren sie im Wortlaut.

Diese Villa stammt aus der Mitte des 19. Jarhundert. Sie soll für ein größeres Parkhaus im Görlitzer Stadtzentrum weichen. Dagegen gibt es Protest.
Diese Villa stammt aus der Mitte des 19. Jarhundert. Sie soll für ein größeres Parkhaus im Görlitzer Stadtzentrum weichen. Dagegen gibt es Protest. © Nikolai Schmidt

Der Investor W. Stöcker plant, im Herzen der Görlitzer Innenstadt, zwei denkmalgeschützte Gründerzeitvillen für die Erweiterung eines Parkhauses abzureißen. Wir teilen den Wunsch nach einer Neubelebung des Jugendstilkaufhauses.

Angesichts der bisherigen Erfahrungen mit innerstädtischen Verkaufsflächen und dem erklärten Ziel einer klimaneutralen Stadt 2030 erscheinen aber der Abriss historischer Bausubstanz und eine Versiegelung umliegender Grünflächen zum Bau neuer Parkplätze im Stadtzentrum weder aus denkmalpflegerischer noch aus stadtentwicklungspolitischer oder ökologischer Perspektive sinnvoll und zeitgemäß.

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Die Bürger sollen mitentscheiden

Wir fordern den Erhalt des denkmalgeschützten Hauses Postplatz 6, die Prüfung alternativer Konzepte zum Abriss und einen öffentlichen Diskurs darüber mit den hiesigen Bürgern. Wir wollen in einer Stadt leben, die ihre Bürger – unabhängig finanzieller Ressourcen – gleichberechtigt in Entscheidungen zur Stadtentwicklung dieser Tragweite einbezieht.

Die geplante Erweiterung des Parkhauses ginge zu Lasten der denkmalgeschützten Gebäude. Inwiefern das Mehr an Parkraum im Stadtzentrum tatsächlich zu einer (erfolgreichen) Wiederbelebung des Kaufhauses führen würde, kann nicht mit Sicherheit festgestellt werden, da die bereits vorhandenen Parkhausstellplätze nicht ausgelastet sind. Des Weiteren muss das geplante Kaufhauskonzept des Investors und die damit verbundene Umgestaltung des Areals am Postplatz zu Parkplätzen und Anlieferungszone vor dem Hintergrund des in Erarbeitung befindlichen Einzelhandelskonzeptes für die Görlitzer Innenstadt bewertet werden.

Nicht mehr Verkehr in die Innenstadt locken

Fragwürdig ist das geplante Bauvorhaben auch im Hinblick auf die Mobilität der Zukunft in Görlitz. Mittelfristig muss der motorisierte Individualverkehr aus den zentralen städtischen Lagen auf einen ausgebauten ÖPNV umgelenkt werden. Denn das erklärte Ziel der Stadt Görlitz, bis 2030 CO2-neutral werden zu wollen, lässt sich mit weiteren großräumigen Abstellflächen für Fahrzeuge in der Innenstadt, und deren wirtschaftlichem Betrieb als Konkurrenz zum städtischen ÖPNV, nicht erreichen. Das Vorhaben des Investors muss sich daher in das geplante gesamtstädtische Mobilitätskonzept eingliedern.

Ein mit dem Vorhaben forciertes stärkeres Verkehrsaufkommen rund um den zentralen Postplatz würde in den Anrainerstraßen (insbesondere Schützenstraße, Konsulstraße, James-von-Moltke-Straße und Bismarckstraße), für höhere Lärmbelastung, schlechtere Luftqualität und insgesamt verringerte Lebens- und Wohnqualität sorgen. Bereits jetzt stellt das hohe Verkehrsaufkommen in diesem Stadtgebiet ein Problem dar und führt zu Vermietungsproblemen und Einnahmeverlusten der dortigen Hauseigentümer.

Grünflächen sind wichtig

Statt versiegelter Flächen und engerer Straßenfluchten sollten die bestehenden Grünflächen vor und hinter den Gebäuden Postplatz 5 und 6 erhalten und aufgewertet werden. Denn Grünflächen tragen vor allem in den heißer werdenden Sommermonaten zu einem gesünderen Stadtklima bei und machen die Innenstadt lebenswerter. Das geplante Bauvorhaben muss daher auch Maßnahmen zur Klimaanpassung berücksichtigen.

Seine historische Bausubstanz als größtes zusammenhängendes Flächendenkmal Deutschlands und architektonisches Geschichtsbuch zum Erleben machen Görlitz besonders und einmalig. Dieses Erbe verpflichtet. Bestehende Regelungen zum Schutz und Erhalt der Denkmale müssen für alle Bauherren gleichermaßen gelten. Einmal mehr, da sich der Abriss des Caféhauses am Postplatz sowie des Wilhelmstheaters gegenüber der Frauenkirche vor 20 Jahren (für den Neubau von City-Center und Parkhaus) als schwerwiegende Fehlentscheidungen und Verlustgeschäfte erwiesen haben.

Wächterhäuser haben Stadtentwicklung mitgeprägt

Wächterhäuser haben die jüngere Görlitzer Stadtentwicklung nachhaltig mit geprägt. In ihnen haben zahlreiche, heute wie selbstverständlich zur bunten Stadtgesellschaft gehörende Vereine, Initiativen und Ideen ihren Anfang genommen. Seit mehr als 30 Jahren war der Postplatz 6 Anlaufstelle, Treffpunkt und Ausgangspunkt für vielfältiges, kreatives, weltoffenes und grenzüberschreitendes Leben und Schaffen in der Europastadt.

Wir wollen, dass auch künftig Wächterhäuser als Zwischennutzungen zum Erhalt historischer Bausubstanz beitragen und Freiräume in Görlitz bieten. Wir fordern, dass sich die gewählten Stadtvertreter für eine alternative Lösung und den Erhalt des Hauses Postplatz 6 sowie eine attraktive Innenstadt zum Wohnen und Erleben für alle einsetzen. Deshalb rufen wir alle Görlitzer dazu auf, diese Petition zu unterstützen, damit der geplante Abriss gestoppt werden kann.

Verantwortlich für die Petition: Hannes Weinhold, Görlitz

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