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Kreis Görlitz bleibt im Rennen für Atommüll-Lager

Rund um Löbau sind die geologischen Voraussetzungen gegeben. Aber der Widerstand gegen ein Endlager im Kreis ist groß.

Die Lausitz ist aus geologischer Sicht geeignet für ein Atommüll-Endlager.
Die Lausitz ist aus geologischer Sicht geeignet für ein Atommüll-Endlager. © dpa-Zentralbild

Müssen sich die Menschen im Landkreis Görlitz sorgen, dass hier künftig hochradioaktiver Abfall im Boden versenkt wird? Aus geologischer Sicht wäre es zumindest denkbar, dass ein Standort in einem weiten Areal um Löbau herum künftig Endlagerstätte sein könnte.

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Das sagt das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfLUG). Es prüfte den Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) zu den Teilgebieten in Sachsen, die für eine Endlagerstätte für hochradioaktive Abfälle infrage kämen. Der Geologische Dienst des Landesamtes kam zu dem Schluss, dass die Region um Löbau eine geologisch günstige Gesamtsituation bietet. Sie sei plausibel. Damit bleibt das Gebiet wegen des vorherrschenden Granitbodens weiter im Rennen bei der Suche nach einem geeigneten Territorium. Etwas südlich von Löbau wurden einige Gebiete von der BGE aufgrund aktiver Störungszonen ausgeschlossen.

Kommen Touristen in wenigen Jahrzehnten noch in die schöne Oberlausitz, wenn unter ihren Füßen atomarer Müll strahlt? Die Frage lässt sich heute nicht beantworten, aber das Gebiet um Löbau ist aus geologischer Sicht für ein Endlager geeignet.
Kommen Touristen in wenigen Jahrzehnten noch in die schöne Oberlausitz, wenn unter ihren Füßen atomarer Müll strahlt? Die Frage lässt sich heute nicht beantworten, aber das Gebiet um Löbau ist aus geologischer Sicht für ein Endlager geeignet. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Jetzt geht es nur um die geologische Beschaffenheit

Geplant ist, ein atomares Endlager für Deutschland im Jahr 2050 in Betrieb zu nehmen. Wo, ist völlig offen. Erst 2031 sollen Bundestag und Bundesrat über einen Standort in Deutschland abstimmen. Bis dahin werden mögliche Standorte erfasst und geprüft. Auf dem langen Weg bis zur Entscheidung werden die Standorte sowohl über Tage als auch unter Tage untersucht.

Zunächst geht es um die geologische Beschaffenheit der Standorte. Die Oberlausitz mit ihren umfangreichen Granitvorkommen wird dabei als mögliche Endlagerstätte gesehen. Das gab die Bundesgesellschaft für Endlagerung im vergangenen September bekannt. Jetzt prüfte der Freistaat Sachsen, ob die damals von der BGE ausgewiesenen Teilgebiete mit einer Gesamtfläche von 11.526 Quadratkilometern tatsächlich geeignet sind. Die fachliche Prüfung durch den Staatlichen Geologischen Dienst des LfULG ergab, dass 6.155 Quadratkilometer dieser Gesamtfläche nicht die erforderlichen Kriterien nach dem Standortauswahlgesetz erfüllen. In diesen ausgewiesenen sächsischen Arealen kommen die Wirtsgesteine Steinsalz, Tongestein und Kristallingestein, darunter Granit, nicht vor. Aber gerade die seien für die Lagerung von hochradioaktiven Abfällen geeignet.

Damit reduziert sich die geeignete Fläche im Freistaat Sachsen von 62 auf 29 Prozent, wenn die Prüfung durch das Landesamt berücksichtigt würde.

Prüfergebnis.
Prüfergebnis. © Landesamt für Geologie

Den Landkreis Görlitz nicht überfordern

Auch wenn die Oberlausitz für ein atomares Endlager geologisch geeignet sei, heißt das noch lange nicht, dass es tatsächlich hier eingerichtet wird. Denn künftig werden auch andere Aspekte in der Prüfung eine Rolle spielen, darunter die Besiedelung. Aber noch steht die Geologie im Vordergrund.

Allerdings: Es regt sich bereits jetzt erheblicher Widerstand. Bei den Bürgern und in der Politik. Landrat Bernd Lange sprach sich schon im Vorjahr gegen die Lagerung von Atommüll im Landkreis Görlitz aus. Es dürften nicht nur geologische Aspekte für die Auswahl der Lagerstätte eine Rolle spielen, sondern auch soziologische.

Die Menschen in der Oberlausitz tragen seit mehr als 100 Jahren die Lasten des Kohleabbaus. Der Strukturwandel ist im Gange. Der Landrat sieht das als eine nationale Aufgabe an, die den Kreis vor große Herausforderungen stellt. Eine zweite nationale Aufgabe – das Atommüllendlager – könne der Kreis nicht bewältigen, hatte Landrat Lange gesagt. Läuft die Diskussion um das Endlager auf die Lausitz hinaus, sei es schwer, die Menschen in der Region zu halten.

Aber nicht nur Landrat Lange spricht sich gegen ein Endlager im Kreis aus. Auch sein Bautzener Amtskollege Michael Harig will in der Oberlausitz keinen radioaktiven Abfall. Erste Kommunen in den Landkreisen fordern ihre Einwohner auf den Internetseiten der Gemeinden zu einer breiten, aber faktenbasierten Diskussion auf.

Die farbig markierten Flächen zeigen an, wo die ein Endlager möglich wäre.
Die farbig markierten Flächen zeigen an, wo die ein Endlager möglich wäre. © SZ Grafik

Experte sagt: Oberlausitz ist nicht die erste Wahl

Und auch aus der Sicht von Experten ist der Landkreis Görlitz nicht die erste Wahl für eine Lagerstätte für radioaktiven Abfall. Der Diplom-Geologe Dr. Bernd Delakowitz lehrte an der Hochschule Zittau/Görlitz Umweltrecht. Jetzt ist der 67-Jährige im Ruhestand. Er sagt: „Kristallines Gestein wie Granit ist von seiner Struktur her meist recht zerklüftet. Es besitzt eine gewisse Bergfeuchte. Wasser ist aber der größte Feind für eine dauerhafte Endlagerung.“

Der Lausitzer Granit ist ein sehr altes Gesteinsmassiv, etwa 350 Millionen Jahre oder älter. Seine flächenmäßige Ausdehnung reicht nördlich von Löbau bis nach Hoyerswerda und weiter südwestlich von Dresden bis ins Erzgebirge. Zwar ist seine Mächtigkeit noch nicht genau erforscht, es dürften aber einige hundert bis 1.000 Meter sein. Zieht man allerdings den Dreiervergleich zurate, dann sind kristalline Wirtsgesteine wie Granit nach Salz und Ton nach der Meinung des Zittauer Wissenschaftlers nur die drittbeste Wahl für ein Endlager.

Der Zittauer Hochschullehrer und Geologe Bernd Delakowitz sieht die Lausitz mit ihrem Granit-Untergrund nicht als erste Wahl für ein Atommüllendlager.
Der Zittauer Hochschullehrer und Geologe Bernd Delakowitz sieht die Lausitz mit ihrem Granit-Untergrund nicht als erste Wahl für ein Atommüllendlager. © Hochschule Zittau-Görlitz

Es wird weiter geprüft - und gesucht

Bei der Suche nach einem geeigneten Standort gibt es Anfang Februar eine Fachkonferenz, bei der es um die Teilgebiete geht. Dabei werden auch die Prüfungen aus den Landesämtern für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie diskutiert. Wegen der Corona-Pandemie findet die Fachkonferenz digital statt.

Ein Behälter für "Restmüll" ist vor dem Atomkraftwerk in Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) zu sehen. Wo die radioaktiven Abfälle aus Atomkraftwerken künftig sicher gelagert werden, ist unklar. Ein Standort wird gesucht.
Ein Behälter für "Restmüll" ist vor dem Atomkraftwerk in Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) zu sehen. Wo die radioaktiven Abfälle aus Atomkraftwerken künftig sicher gelagert werden, ist unklar. Ein Standort wird gesucht. © dpa

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