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Görlitz bekommt 950 Jubiläums-Bäume

Der Görlitzer Enno Deege musste viele Nadelbäume auf seinem Grundstück fällen - Borkenkäferalarm. Jetzt pflanzt er neue. Einen davon fürs Stadtjubiläum.

Sascha Röhricht und Enno Deeges Sohn Lukas beim Baumpflanzen. Für Lukas Deege war es auch ein Geburtstagsbäumchen.
Sascha Röhricht und Enno Deeges Sohn Lukas beim Baumpflanzen. Für Lukas Deege war es auch ein Geburtstagsbäumchen. © Martin Schneider

Die Gute Graue – das ist keine ältere Dame. Das ist eine historische Birnensorte. Eine alte Obstsorte wollte er gerne, erzählt Enrico Deege. Welche, das entschied er am Dienstagmittag bei der Baumschule Rißmann im Schöpstal. Wenig später stand der Baum auf seinem Grundstück auf der Rothenburger Straße in Görlitz.

Die Gute Graue, sie gehört zu den ersten von 950 Jubiläumsbäumen. Für das Görlitzer Stadtjubiläum dieses Jahr konnten Vereine ebenso wie Privatpersonen Vorschläge einreichen. Einer kam vom BUND. „Wir hatten mehrere Ideen“, erzählt der Görlitzer Ortsgruppenchef Jörg Müller. Solange es möglich war, trafen sich die Mitglieder einmal pro Woche persönlich, jetzt digital. „Bei einem der Treffen war der Künstler Sascha Röhricht dabei, er hatte die beste Idee“, die mit den 950 Bäumen für Görlitz.

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Grundstück mit Umgestaltungs-Bedarf

Sich beteiligen kann jeder, der Platz für einen Baum auf seinem Grundstück hat. Wer zwar den Platz, aber kein Geld für einen Baum hat, kann auch nur den Platz anbieten. Etwa für diejenigen, die einen Baum kaufen möchten, aber keinen Platz haben. Das dann zusammenzubringen, ist gerade die Koordinationsaufgabe für den BUND. Eine weitere Möglichkeit ist eine Spende für das Vorhaben. Mit drei Baumschulen hat der BUND eine Kooperation vereinbart, bei der die ersten hundert Baum-Käufer einen Rabatt erhalten.

Enrico Deege hat die vergangenen Monate ohnehin viel Zeit mit Bäumen verbracht. Das Grundstück, das er übernommen hat, hatte viele Nadelbäume. Zu viele, „sie standen teils viel zu eng“. Mehrere Bäume waren vom Borkenkäfer angegriffen, die Kiefern, die Lärchen. Das barg auch die Gefahr, dass sie nicht mehr ewig stehen würden. Wäre eines Tages einer der Bäume auf die Rothenburger Straße gestürzt, „das wäre der schlimmste Fall.“ Deshalb wurden mehrere Bäume gefällt. Vor zwei Wochen nun grub Deege mit einem Minibagger die letzten Wurzeln aus. Damit neue Bäume wachsen können. Die ersten hat er gepflanzt, Laubbäume, die Hitze besser vertragen. Und auch noch mehr Obstbäume sollen kommen, am liebsten alte Sorten. Den Auftakt dafür hat er mit der Guten Grauen gemacht, seinem Jubiläumsbaum.

Welche Bäume besonders helfen

Enrico Deege ist Mitglied im Kreistag für die Grünen. „Man kennt in der Stadt natürlich die Initiativen, die sich für ähnliche Belange einsetzen“, sagt er. So und durch die Medien erfuhr er von der Baumpflanzaktion. „Mir ist das ein Anliegen.“ Der allererste von 950 Bäumen ist die Birne aber nicht. Die Stadt Görlitz hatte schon vorgelegt, und auch einige Privatpersonen. Um den Überblick zu behalten, bittet der BUND zwar um eine Rückmeldung, wenn Bäume für die Aktion gepflanzt werden, „aber jeder kann natürlich auch von sich aus einen Baum pflanzen“, erklärt Ideengeber Sascha Röhricht.

Andererseits bietet der BUND auch Beratung an: Welche Bäume eignen sich für welchen Standort, verkraften sie veränderte klimatische Bedingungen, bieten der Tierwelt Vorteile? Nicht gern gesehen sind dagegen beispielsweise sogenannte invasive Arten. Was zu beachten ist, hat der BUND auch auf seiner Internetseite veröffentlicht.

Aktion für Görlitzer Zukunft

Um die Jubiläumsfeier derweil gibt es Streit um die Finanzierung. Das Stadtjubiläum soll rund 164.000 Euro kosten, etwa 80.000 Euro mehr als ursprünglich vorgesehen. Ende 2019, als Corona und die Unsicherheiten bei vielen Planungen noch nicht absehbar waren, fand im Bahnhof die Auftaktveranstaltung der Planungen zur 950-Jahr-Feier statt. Sascha Röhricht war mit dabei. Sein Gedanke: eine Aktion, die nicht nur auf Geschichte blickt, sondern auch auf die Zukunft. Bäume bieten beides, oft eine lange Geschichte, „wirken aber natürlich auch in die Zukunft der Stadt hinein“, sagt Röhricht. „Bäume sind immer, ob ihres Wachstums, etwas für kommende Generationen. Zum anderen dachten wir, dass die Bepflanzung einer Stadt auch ein Thema ist, das die Menschen auch im Jetzt umtreibt.“

Gesehen hat man das auch an der Aktion von Janet Conrad von den Görlitzer Grünen. Mit Wärmebildkamera hatte sie im Sommer Aufnahmen gemacht, die zeigen, wie stark etwa der Obermarkt sich aufheizen kann – was eine Debatte aufbrachte, wie man das ändern könnte.

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