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Entlaufener Affe aus Löbau jetzt in Görlitz unterwegs

Seit Donnerstag wurde das in Löbau entwischte Tier immer wieder gesehen. Einfangen ist schwierig. Die Menschen sind gebeten, den Affen anzulocken.

Ein Rhesusaffe wird seit drei Wochen gesucht. Jetzt ist er in Görlitz aufgetaucht, aber immer noch "flüchtig".
Ein Rhesusaffe wird seit drei Wochen gesucht. Jetzt ist er in Görlitz aufgetaucht, aber immer noch "flüchtig". © Klaus-Dieter Brühl

In den vergangenen Tagen wurde der in Oppeln bei Löbau entlaufene Rhesusaffe "Curry" mehrfach in Görlitz und Zgorzelec gesehen. "Wir bekommen im Zehn-Minuten-Takt Anrufe und SMS von Leuten in Görlitz und Zgorzelec, die ihn beobachtet haben", sagt der Görlitzer Tierparkdirektor Sven Hammer.

Auf einer polnischen Schule sei er gesehen worden, auch auf Häusern und Bäumen in Görlitz, mal auf dieser, mal auf jener Seite der Neiße, seit vorigem Donnerstag. "Aber diese Mitteilungen nutzen nur wenig", sagt Hammer, "denn der Affe bewegt sich schnell von Ort zu Ort und lässt sich kaum einfangen, wenn wir ihn suchen." Auch habe das Tier längst mitbekommen, dass man hinter ihm her ist.

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Polizei und Tierarzt auf Affensuche

Erst am Sonntag wurde das im Karree Bergstraße, Uferstraße, Johannes-Wüsten-Straße deutlich. Bewohner und Passanten hatten das zweieinhalb Jahre alte Affenweibchen an verschiedenen Stellen in Ufernähe gesehen. Gegen Mittag war der Vierkirchener Tierarzt Thomas Bauz zusammen mit der Polizei vor Ort, um das Tier zu betäuben und einzufangen.

Einer der beiden entlaufenen Affen konnte eine Woche nach seiner Flucht in Georgewitz eingefangen werden.
Einer der beiden entlaufenen Affen konnte eine Woche nach seiner Flucht in Georgewitz eingefangen werden. © privat

"Aber es ist uns nicht gelungen", sagt Bauz. "Der Affe saß hoch oben in einem Baum, es waren viele Menschen unterwegs, da schießt man nicht mit einem Narkosegewehr." Wenn man das Tier betäuben wolle, müsse man das möglichst aus der Nähe tun.

Etwa zwei Stunden lang war der Suchtrupp unterwegs, doch das Affenmädchen wartete ab, bis die Polizei weg war, und floh dann an einer Fassade der Johannes-Wüsten-Straße hinauf über die Dächer. Durch ein offenstehendes Fenster stahl "Curry" noch einen Apfel, sprang von Fensterbrett zu Fensterbrett und kletterte mühelos an einem Regenrohr hinauf. Über das Dach gelangte sie entweder in den großen Garten zwischen Wüstenstraße und Lindenweg oder lief von Haus zu Haus weiter in Richtung Stadtpark.

Rhesusaffen sind Kälte gewöhnt

"Ein Rhesusaffe kommt in dieser Jahreszeit gut klar", sagt Catrin Hammer vom Tierpark. "Die Gärten sind voller Obst, die herbstlichen Temperaturen angenehm." Die Art komme schließlich nicht aus den Tropen, sondern aus Gebieten in Asien, wo es auch mal kälter sei. "Bei zehn Grad Celsius fühlen sie sich immer noch wohl, und auch niedrigere Temperaturen machen ihnen nichts aus, wenn sie einen Unterschlupf finden."

Sven und Catrin Hammer raten nun dazu, das Affenweibchen – es ist nicht gefährlich – anzulocken, durchaus mit Bananen. Im Tierpark würden diese Früchte nicht gefüttert, weil die Affen dort schnell dick davon werden. Bei "Curry" sei das aber kein Problem. Wenn es jemandem gelinge, das Tier in ein Auto, eine Garage, einen Schuppen oder vergleichbaren Raum zu sperren, könne der Tierarzt es anschließend betäuben und in den Tierpark bringen, wo es zunächst in Quarantäne komme.

Auf genau diese Weise war es auch gelungen, den ersten Affen einzufangen, der gemeinsam mit "Curry" am 4. September aus der Werkstatt des Oppelner Wildtierhalters Klaus Frindt geflohen war. Anwohner aus Georgewitz hatten das Tier mit einer Banane in ihr Auto gelockt, sodass Thomas Bauz und Sven Hammer es abholen konnten. Dieser Affe befindet sich gerade in Quarantäne im Görlitzer Tierpark. Es gehe ihm gut, sagt Catrin Hammer, das Veterinäramt müsse jedoch darüber befinden, wie es weitergeht.

Von Sohland nach Görlitz

"Curry" war zuletzt im Sohländer Raum gesehen worden. Dort waren die beiden Affen zu zweit auf Maisfeldern und in Gärten unterwegs. Laut Catrin Hammer ist es nicht ungewöhnlich, dass sich das Weibchen bis nach Görlitz durchgeschlagen hat. "In der Stadt ist mehr los, Affen sind Kulturfolger und fühlen sich allein nicht wohl." Vermutlich suche das Weibchen seinen Gefährten und gehe deshalb so weite Wege.

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Ein Anzeichen dafür, wo der Affe sein könne, sind übrigens Krähen. Auch am Sonntag wurden über der Uferstraße aufgeregte Krähenschwärme gesehen. Catrin Hammer sagt, dieses Verhalten der Vögel nenne man "Hassen": Wenn Krähen in ihrem Lebensraum etwas beobachten, das sie nicht einordnen können, rotten sie sich zusammen und attackieren das Unbekannte. In diesem Fall das Rhesusäffchen "Curry", das wie Vögel gern auf Dächern oder Bäumen sitzt.

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