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„Es ist richtig, die Alten zuerst zu impfen“

Der Görlitzer katholische Bischof Wolfgang Ipolt wendet sich erstmals an alle Einwohner in seinem Bistum.

Bischof Wolfgang Ipolt segnet die Sozialstation St. Hedwig in Görlitz.
Bischof Wolfgang Ipolt segnet die Sozialstation St. Hedwig in Görlitz. © Raphael Schmidt

Der katholische Bischof von Görlitz, Wolfgang Ipolt, hat die Entscheidung verteidigt, zuerst alte und pflegebedürftige Menschen gegen das Coronavirus zu impfen. „Damit stellen wir die Schwächsten und Gefährdetsten wirklich in die erste Reihe unserer Gesellschaft und zeigen zugleich, was uns die ältere Generation wert ist“, schreibt er in einem Wort zum neuen Jahr und bezieht sich auf die Priorisierungen durch die Ständige Impfkommission.

Ipolt wendet sich mit dem vierseitigen Schreiben in erster Linie nicht an Christen, sondern an „nichtchristliche und interessierte“ Einwohner in seinem Bistum Görlitz. Es soll auch Ersatz für seine Botschaft sein, die er traditionell bei seinem Neujahrsempfang in Görlitz veröffentlicht. Doch coronabedingt musste Bischof Wolfgang Ipolt auf den Empfang in diesem Jahr verzichten.

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Sein Wort zum neuen Jahr steht ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. So dankt er auch allen Mitarbeitern der Sozialstationen und in den Pflegeheimen. „Bei aller professionellen Arbeit, die ihnen abverlangt wird, sind sie derzeit für viele ältere Leute manchmal die einzige Kontaktperson, die täglich vorbeikommt“, schreibt Ipolt. „Ich danke ihnen ganz besonders für jedes gute und tröstende Wort, das sie bei ihrer Arbeit den alten Menschen sagen und für alle Geduld, die sie aufbringen.“ Nur wenige Tage nach dem Schreiben spendete Ipolt am Dreikönigstag der Caritas-Sozialstation St. Hedwig in Görlitz den Jahressegen der Sternsinger.

„Mit meinem Besuch bei einer Sozialstation unseres Bistums möchte ich die Bedeutung dieses Dienstes in der gegenwärtigen Lage unterstreichen. Pflegekräfte und Ärzte begeben sich selbst in die Gefahr der Ansteckung, um kranken und pflegebedürftigen Menschen beizustehen. Sie haben darum unsere Hochachtung und Solidarität verdient“, erklärte Ipolt anschließend. „Wir alle merken durch die Pandemie, dass wir nicht Herren dieser Welt und des Lebens sind. Wir sehen, dass sich niemand allein retten kann, sondern dass wir alle eine große Menschheitsfamilie sind. Wir spüren wohl auch deutlicher, dass wir auf Gott verwiesen sind, der uns auch jetzt nicht allein lässt.“

"Gott kann auch auf krummen Zeilen gerade schreiben"

In seinem Wort zum neuen Jahr ruft Bischof Wolfgang Ipolt zugleich die Menschen auf, Senioren anzurufen und sie so ihrem Alleinsein zu entreißen. Ohnehin verspricht sich der katholische Bischof viel davon, Mitmenschen gerade in der Pandemie Zuversicht zuzusprechen. „Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie sich gegenseitig immer wieder mit Hoffnung anstecken und so mancher Verunsicherung und auch panischer Angst Einhalt gebieten.“

Ipolt nimmt auch indirekt Stellung zu der Frage, wie Gott eine solche Pandemie zulassen kann. Der Görlitzer Bischof zitiert dazu das Sprichwort: Gott kann auch auf krummen Zeilen gerade schreiben. Das bedeute so viel wie, schreibt Ipolt weiter: „Gott kann auch durch Schwierigkeiten, Unwegsamkeiten – und in unserem Fall – durch eine Pandemie uns Gutes zeigen und dazu ermutigen.“ Als Christ werde er dadurch auch an Wahrheiten erinnert, die allzu leicht vergessen werden: „Diese Welt ist endlich, sie ist zerbrechlich und wir sind und bleiben sterbliche Menschen.“ Deswegen würden Christen auch in einer solchen Zeit, das Gebet und den Gottesdienst nicht unterbrechen. Stattdessen würden Christen alle Menschen der Fürsorge Gottes anvertrauen – „das ist unsere Form gläubiger Solidarität“. Leben stehe dabei für mehr als Gesundheit, sondern für das ewige Leben, das Gott allein schenken kann. „Darum sind wir als Kirche jetzt vielleicht nicht ,systemrelevant’, aber wir sind sehr wohl ,lebensrelevant’ – Hilfe zum Bestehen dieser Zeit in einer Haltung der Hoffnung.“

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