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Görlitzer Wirtschaftsförderin zieht die Reißleine

Ab Februar 2022 wird sie sich neuen Aufgaben widmen. Die Stadt Görlitz will ihre Stelle bald ausschreiben.

Andrea Behr ist seit Anfang 2017 Geschäftsführerin der Europastadt Görlitz/Zgorzelec GmbH (EGZ). Im Februar 2022 hört sie auf.
Andrea Behr ist seit Anfang 2017 Geschäftsführerin der Europastadt Görlitz/Zgorzelec GmbH (EGZ). Im Februar 2022 hört sie auf. ©  SZ-Archiv / Nikolai Schmidt

Dienstag, 11.20 Uhr, verschickte das Görlitzer Rathaus einen Paukenschlag per E-Mail: „Andrea Friederike Behr verlängert Geschäftsführungstätigkeit nicht“, hieß es da. Noch bis zum Februar kommenden Jahres werde sie ihren Vertrag als Geschäftsführerin der Görlitzer Europastadt GmbH erfüllen, anschließend gehe sie neue Wege. Görlitz muss schneller als gedacht wieder einen Chef-Wirtschaftsförderer oder eine Wirtschaftsförderin suchen. Am Montag hatte Oberbürgermeister Octavian Ursu den Aufsichtsrat der Europastadt GmbH (EGZ) über die Personalie unterrichtet, Frau Behr wiederum zog ihre Mannschaft am Dienstagmorgen ins Vertrauen.

Was nach außen überraschend wirkt, zeichnete sich im Hintergrund als Möglichkeit seit geraumer Zeit ab. Immer wieder wurde gestreut, dass Andrea Behr und Oberbürgermeister Octavian Ursu keinen gemeinsamen Draht fänden. Da stießen zwei sehr unterschiedliche Naturells aufeinander: Hier der bedächtige Ursu, der gelegentlich ein Loblied auf die Langsamkeit von demokratischen Prozessen singt, und da die natürliche Ungeduld und das Drängen auf schnelle Entscheidungen von Andrea Behr, wie sie erfolgreiche Verkäufer benötigen. Und Verkäufer des Standortes Görlitz soll ja der Chef der Europastadt Görlitz/Zgorzelec sein.

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Man tritt beiden Seiten nicht zu nahe, dass die Chemie nicht stimmte, wohl auch die politischen Ansichten auseinanderstrebten. Hinzu kommt, dass Ursu ein anderes Verhältnis zu städtischen Tochterunternehmen pflegt. Er nutzt deren geistiges und finanzielles Kapital stärker für die Stadt, schließlich gehören sie zum städtischen Vermögen. Das erlebten auch andere wie Kommwohnen, die zur Finanzierung des Kita-Neubaus an der Fichtestraße die städtischen Kleingärten kaufen oder eine Sonderausschüttung für die Vorbereitung der Stadthallensanierung zur Verfügung stellen musste.

Schließlich sind die Möglichkeiten der Stadt gerade sehr begrenzt, auch finanziell in die Wirtschaftsförderung zu investieren. Dass CDU und Bürger für Görlitz den Zuschuss an die EGZ sogar verringern wollten – allerdings für die Seebeauftragte, deren Position ohnehin verwaist ist und deren Aufgaben in dieser Konstellation auch nicht zu erfüllen sind –, nahm Frau Behr auch als ein Zeichen für ein verändertes politisches Klima wahr. Andrea Behr hatte im Februar 2017 das Amt angetreten. Als gebürtige Görlitzerin war es für sie eine Heimkehr in ihre Heimatstadt, nachdem sie an der Universität Leipzig studiert und anschließend bei Marketing Leipzig GmbH und bei Veolia Deutschland im Marketing tätig gewesen war.

Sie will in der Region tätig bleiben

Wie sie gegenüber der SZ am Dienstag bestätigte, wolle sie auch nach ihrem Ausscheiden bei der Europastadt Görlitz/Zgorzelec GmbH in der Region tätig bleiben. Mit ihr verbunden sind beispielsweise eine verstärkte Tourismus- und Görliwood-Werbung nach innen wie außen, die Brexit-Kampagne in Großbritannien, Ansiedlungen in Hagenwerder und Schlauroth. Vielen Unternehmern half sie unbürokratisch, damit ihre Anliegen möglichst rasch von den Behörden verwirklicht wurden.

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Ab Februar 2017 wird Andrea Friederike Behr in dieser Funktion tätig sein. Sie bringt mehrjährige Führungs-, Marketing- und Auslandserfahrung ins Team ein.

Doch bis zum Wechsel auf der Chefposition sind jetzt auch noch sieben Monate Zeit, die sie zusammen mit ihren Mitarbeitern nutzen möchte, um die Aufmerksamkeit auf den Wirtschaftsstandort Görlitz zu lenken. Das Umwerben von Fachkräften, um sie nach Görlitz zu holen, ist so ein Thema; die Vernetzung von Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft ebenso eines. Die Stammtische, beispielsweise für die IT-Branche, werden wieder aktiviert. Neuansiedlungen könnten noch abgeschlossen werden, andere Investitionen bereiten sich auf die Eröffnung vor. Und schließlich hofft sie auf Gelder aus dem Kohleausstieg. Zusammen mit den Tourismuszentralen von Weißwasser und Zittau hat sie sich um Mittel beworben für die Neugestaltung der Görlitz-Information. Frischer, moderner soll sie anschließend die Touristen empfangen.

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