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Neubau für evangelische Oberschule beginnt

Die fünfte staatliche Oberschule in Görlitz braucht noch Zeit. Der Evangelische Schulverein startet jetzt hingegen und rettet ein historisches Gebäude.

Das zukünftige Gebäude der Evangelischen Oberschule braucht noch einiges an Arbeit.
Das zukünftige Gebäude der Evangelischen Oberschule braucht noch einiges an Arbeit. © Nikolai Schmidt

Vor einigen Jahren wurde der Putz entfernt. Seither war es still um die ehemalige AOK am Ende der Elisabethstraße mitten in Görlitz. Zumindest nach außen hin. Innen war im zurückliegenden Jahr öfter Betrieb. „Wir haben viele Voruntersuchungen gemacht“, um Überraschungen in dem historischen Gebäude zu vermeiden, erzählt Falk Storm vom Evangelischen Schulverein Görlitz. Am Montag nun startet der Umbau der ehemaligen AOK zur Schule.

So soll die Evangelische Oberschule von der Jakob-Böhme-Straße aus aussehen. Linkerhand ist der Anbau.
So soll die Evangelische Oberschule von der Jakob-Böhme-Straße aus aussehen. Linkerhand ist der Anbau. © Evangelischer Schulverein

Die Evangelische Oberschule gibt es seit 2015, sie hat ihre Räume im Gewerbe-Center-Görlitz nahe dem Städtischen Klinikum. 2019 kaufte der Schulverein vom Freistaat schließlich das Gebäude zwischen Elisabethstraße und Jakob-Böhme-Straße in der Altstadt, nachdem sich ursprüngliche Pläne zur Einrichtung der Freien Oberschule im Kahlbaum-Gelände zerschlagen hatten.

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Obwohl der Freistaat wenig für das Gebäude der AOK tat und dafür in der SZ auch schon als Besitzer der tristesten Immobilie in Görlitz bezeichnet wurde, gab es mehrere Anwärter für das Gebäude. Am Ende machte der Schulverein das Rennen. Etwa eine halbe Million Euro gingen damals in den Kauf, Bauplanungen, Gutachten, erste Arbeiten für den neuen Standort. Vor einem reichlichen Jahr hieß es aber erst mal: Pause.

Pause, weil Fördermittel fehlten

Um die Sanierung der ehemaligen AOK und einen Anbau zu finanzieren, ist die Oberschule auf Fördermittel angewiesen und hatte sich beim Freistaat um Gelder aus der SAB-Schulbau-Förderung beworben - so wie viele andere sächsische Schulen auch.

Doch in der Vergabe-Runde der Schulförderung Anfang vorigen Jahres ging die Oberschule zunächst leer aus. Dabei waren die Pläne ehrgeizig. Bereits 2023, so der Plan, soll der Umbau der alten AOK zur Evangelischen Oberschule geschafft sein. Über sieben Millionen Euro wird die Sanierung kosten.

Im zweiten Anlauf aber war der Schulverein erfolgreich. Im Dezember brachte Michael Kretschmer einen Förderbescheid über etwa 4,3 Millionen Euro nach Görlitz. Das deckt rund 60 Prozent der Kosten, 40 Prozent muss die Schule selbst aufbringen.

Für Görlitz ist es der zweite Schulbau einer freien Schule innerhalb weniger Jahre. Erst im vergangenen Jahr zog die Waldorfschule in ihre neuen Räume im früheren Güterbahnhof im Brautwiesenbogen ein. Allein dieser Bau kostete rund neun Millionen Euro. Mit den eigenen kommunalen Projekten kommt die Stadt nicht ganz so schnell vorwärts: Für die neue staatliche Oberschule im Schlachthofgelände stehen zwar Gelder im Haushalt, sie sind aber noch nicht zugesagt. Die neue Evangelische Oberschule hat derzeit 103 Schüler, im neuen Standort wird für 150 Schüler Platz sein.

Finanzierung gesichert

Die Finanzierung sei inzwischen gesichert, sagt Schulleiter Christian Haupt, „sonst würden wir es nicht angehen.“ Über die vergangenen Jahre wurde Geld zurückgelegt, es gibt Privatdarlehen, den größten Eigenmittel-Anteil stemmt der Schulverein über einen Kredit, erklärt Falk Storm. Er ist Bauingenieur und Vorstandsmitglied des Evangelischen Schulvereins. Beruflich als Bauingenieur ist er nicht in die Sanierung involviert, sondern im Schulverein hat er den Hut auf für die Bau-AG.

Der erste Schritt ab Montag ist die Entkernung. „Zum Beispiel werden jetzt die Fußböden entfernt“, erklärt Falk Storm. Also, die Beläge aus früheren Zeiten, „häufig sind noch diverse andere Schichten darunter“, etwa Spanplatten. Als nächstes steht der Rohbau an. Vieles wird umgebaut, um Klassenräume zu schaffen. Größte Herausforderung: der Flügel Richtung Jakob-Böhme-Straße, der durch frühere Nutzungen heute sehr kleinteilig sei. „Wir brauchen aber größere Räume.“ Bei diesem Flügel wird in einem späteren Schritt auch eine Außenwand erneuert. „Die hofseitige Gebäudewand hat einen Knick“, erklärt Storm, „den wollen wir ausgleichen, auch, um Platz zu bekommen.“

Tresor bleibt - Anbau kommt

Erbaut wurde das Haus einst als Königlich-Preußische Bank - den Tresor im Keller gibt es noch, und er soll auch bleiben. Um Platz zu schaffen, waren im Keller früher auch zwei Klassenräume eingeplant. Das stellte sich aber als zu aufwändig heraus. Deshalb entschied sich die Schule für einen Anbau im Hof des Gebäudes. Er wird auf Stützen stehen, quasi einen Teil des Hofes überdachen und soll kommendes Jahr gebaut werden. Unter dem Anbau soll in Zukunft auch der Eingang zur Schule sein, also auf der Rückseite des Gebäudes.

Ob es bei den jetzigen Kosten bleibt - schwer einzuschätzen. Auf der eine nSeite habe die Schule sehr genau, detailliert geplant, „wir haben viele Voruntersuchungen gemacht“. Auf der anderen Seite: Die Arbeiten werden in mehreren Losen ausgeschrieben, und die Ergebnisse, die Angebote der Firmen, seien schwer abschätzbar. Gerade jetzt, sagt Storm, „die Preise für Holz und Stahl sind wirklich in utopische Höhen gestiegen.“ Er hofft darauf, dass sich die Lage wieder beruhigt.

Schulleiter Christian Haupt ist froh, dass es jetzt endlich mit den Bauarbeiten in der Altstadt losgeht. „Es wirkte nach außen immer, als würde nichts passieren.“ Dabei sei jetzt schon klar, wo sich wie viele Steckdosen befinden werden. „Es hat unheimlich viel Planung verlangt“, auch für die weitere Zukunft: Falls die jetzige Oberschule irgendwann zum Abitur führen sollte, soll der Anbau so gebaut werden, dass er aufgestockt werden kann. Ein anderes wichtiges Ziel dagegen hat die freie Oberschule inzwischen erreicht: die staatliche Anerkennung traf im Januar ein.

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