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Endlich Geld im Schultresor

Die Evangelische Oberschule zieht an die Elisabethstraße in Görlitz. Das Jahr endet gut für die Schule - das zeichnete sich lange Zeit nicht ab.

Cornelia Maiwald-Immer und Ministerpräsident Michael Kretschmer könnten den Tresorraum jetzt wieder befüllen. Aber das Fördergeld wird bald gebraucht.
Cornelia Maiwald-Immer und Ministerpräsident Michael Kretschmer könnten den Tresorraum jetzt wieder befüllen. Aber das Fördergeld wird bald gebraucht. © Martin Schneider

Der Tresorraum sieht fast aus wie eine Filmkulisse. Gemauert aus dunkelrotem Backstein. An den Wänden ziehen sich alte, große Holzregale, extra gesichert durch eine Gittertür. Den kompletten Raum verschließt eine sehr dicke, sehr schwere Metalltür. Hier lagerten einst Geld und Gold der Königlichen Bank. Als solche wurde das Eckhaus zwischen Elisabeth- und Jakob-Böhme-Straße in Görlitz Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut. Besser bekannt ist das Haus als die ehemalige AOK. Und künftig ist es das neue Domizil der Evangelischen Oberschule. Wenn der Schulvorstand wöllte, könnte er jetzt auch wieder Geld in den Tresor legen. Er hat eine Förderzusage bekommen.

Neu: Anbau für zwei Klassenräume

Ein helles Haus, nicht nur wegen der großen Fenster: Einige Räume sind als Lichthöfe, also mit Glasdecke, angelegt. Sehr dankbar sei sie, dass es geklappt hat mit der Förderung, sagt Cornelia Maiwald-Immer, Vorstandsvorsitzende des Schulvereins. Die Oberschule ist zwar eine evangelisch geprägte Schule, sie soll aber für alle Kinder offen sein. Eine Menge Baupläne hat sie dabei, auf denen schon abzulesen ist, was wo in den drei Etagen entstehen wird - wo die Mensa eingerichtet wird, wo Klassenzimmer sind, wo Wände weichen müssen. Und wie der neu geplante Anbau für zwei Klassenzimmer aussehen wird.

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Die Evangelische Schule Görlitz hatte das Gebäude voriges Jahr im Sommer vom Freistaat gekauft. Und kam damit der Staatsanwaltschaft zuvor, die auch Interesse angemeldet hatte. Um das Haus zu sanieren und umzubauen, hatte sich die Schule um eine SAB-Förderung beim Freistaat beworben. Beim ersten Versuch ging sie leer aus, in der zweiten Runde im Herbst nun hat es geklappt. 4,2 Millionen Euro sind es, eine 60-Prozent Förderung. Die weiteren 40 Prozent muss die Schule aufbringen. Voriges Jahr hatte Ministerpräsident Michael Kretschmer den Schlüssel für das neue, historische Schulhaus gebracht, jetzt brachte er den Scheck.

Im alten Schulhaus wird es eng

"Es ist echt beeindruckend, was Sie in den vergangenen Jahren geschaffen haben", sagte Kretschmer zum Schulvorstand. Die Scheckübergabe - für ihn auch ein schönes Zeichen in einer schwierigen Zeit. Inzwischen lernen laut Schulleiter Christian Haupt rund hundert Schüler an der Evangelischen Oberschule. "Die Zahl schwankt, aber die Tendenz geht nach oben." Jede Klasse ist noch nicht voll ausgereizt, darüber ist Haupt im Moment aber nicht unglücklich - wegen der Platzkapazitäten im alten Domizil. Das ist bislang in der Nähe des Klinikums an der Girbigsdorfer Straße, eigentlich ein Firmengebäude.

Dort lernen Isabell und Lukas Deege, siebente und neunte Klasse. Ob sie den Umzug in die Innenstadt noch als Schüler miterleben werden? "Ich sicherlich nicht", sagt Lukas Deege, aber vielleicht seine Schwester. "Das hatten viele Schüler gehofft", erzählt Stephan Nedo vom Schulvorstand. Viele würden sich auf den Umzug freuen. Aber ganz so rasch wie erhofft, geht es nicht. Wenn alles gut läuft, dann könnte der Umzug 2023 stattfinden, hofft Nedo. Auch das ist sportlich.

Bauplanung umgeworfen

Die Evangelische Oberschule hat mit dem Kauf, den Planungen, ersten Arbeiten im Außenbereich schon viel an der Elisabethstraße investiert. Im Frühjahr, erzählt Cornelia Maiwald-Immer wurden auf dem Gelände hinter dem Haus Bäume auf Standfestigkeit geprüft. Einige mussten weichen, ebenso eine Laube, die dort noch stand. Die Schüler haben schon für Baum-Nachfolger gesorgt und Jungpflanzen eingetopft, die kommendes Jahr im Garten, oder besser dem künftigen Schulhof, ihren Platz finden sollen. Die Töpfe stehen schon ganz in der Nähe - in einem der Räume.

Die Evangelische Oberschule hätte mit den Arbeiten noch fortfahren können, ohne, dass es förderschädlich gewesen wäre. Aber das Risiko war dem Vorstand zu hoch - ohne Förderzusage. Deshalb gab es dieses Jahr eine Pause. Etwas Verzug war auch entstanden, weil die Bauplanung stark verändert werden musste. Hauptgrund: Geplant waren Klassenzimmer im Kellergeschoss, Bodenuntersuchungen hatten aber ergeben, dass das nicht gehen wird.

Tresor bleibt

"Wir hatten verschiedene Varianten durchgespielt", erzählt Cornelia Maiwald-Immer. Eine Idee: den Dachboden auszubauen, um Raum zu gewinnen. Die Entscheidung fiel letztlich auf einen Anbau. Der wird auf Stelzen stehen und eingeschossig sich direkt an die erste Etage anschließen. Sie wird also Richtung Garten um zwei Klassenräume erweitert. Unten bleibt Platz für den Schulhof. "Ich finde das eine ganz charmante Lösung". sagt Cornelia Maiwald-Immer.

Als Erstes jetzt steht aber der Darlehens-Antrag auf der Liste. Dann müssen die Arbeiten ausgeschrieben werden. Zu den ersten Schritten voraussichtlich kommendes Jahr gehört, das Gebäude zu entkernen, Geschossdecken, das Dachtragwerk zu sichern, die Dachdeckung zu erneuern. Ganz unten dagegen, im Tresorraum, soll es nicht so viele Veränderungen geben. Den Tresor will die Freie Evangelische Oberschule erhalten. Vielleicht als Platz für die Besitztümer der Schüler - als Garderobe.

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