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Filmbranche: Wahlergebnis in Görliwood macht die Runde

Hanno Lentz wurde mit der Lola für den "Fabian"-Film ausgezeichnet. Auf der bundesweit übertragenen Gala sprach er den "Sieg der Nationalisten" in Görlitz an.

Hanno Lentz wurde für die beste Kamera ausgezeichnet. Seine Dankesrede hatte auch kritische Töne.
Hanno Lentz wurde für die beste Kamera ausgezeichnet. Seine Dankesrede hatte auch kritische Töne. © Screenshot ZDF

Der Film „Fabian oder der Gang vor die Hunde“ wurde im Sommer 2019 zu großen Teilen in Görlitz gedreht. Am Freitag war der Film in zehn Kategorien beim Deutschen Filmpreis nominiert. Drei Lolas konnte das Filmteam mit nach Hause nehmen, unter anderem für die beste Kamera.

Die führte beim "Fabian"-Dreh Hanno Lentz. In seiner Rede auf der Bühne im Berliner Palais am Funkturm dankte er "Fabian"-Regisseur Dominik Graf, der ihm vor 24 Jahren die "Eintrittskarte" in die Filmbranche gegeben habe. Dank ging auch an die Filmakademie, „dass sie einen solch rauen und wilden und doch auch zarten Film würdigt.“

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Görlitz bei Lola Thema - aber nicht als bester Drehort

Lentz ging dabei auch auf die Wahlergebnisse in Görlitz ein, wo die AfD 29,6 Prozent der Stimmen erhalten hatte, AfD-Direktkandidat Tino Chrupalla 33 Prozent. So dankte er der Filmakademie, „dass ihr diese ästhetische und erzählerische Freiheit mitgeht, gerade in Zeiten, wo in Görlitz, unserem wichtigsten Drehort, die Nationalisten die aktuelle Wahl gewonnen haben“, so Lentz.

Produzent war Felix von Boehm, Regie führte Dominik Graf. Vor der Kamera – unter anderem am Viadukt, in der Louis-Braille-Straße, vorm Jugendstilkaufhaus – standen Tom Schilling, Saskia Rosendahl, Albrecht Schuch. "Vielen Dank, dass ihr mich eingeladen habt, mit der Kamera mit euch zu tanzen." Der Film war unter anderem auch für das beste Szenenbild nominiert, der Preis ging aber an "Tides".

Zur Drehzeit war AfD bereits Thema

Auch zur Drehzeit war die AfD bereits Thema. Kurz bevor das "Fabian"-Team nach Görlitz kam, fand die Oberbürgermeister-Wahl statt. Filmschaffende hatten zuvor an die Görlitzer appellierten und im Grunde vor der AfD gewarnt. Kurz nach der Wahl, die knapp für CDU-Kandidat Octavian Ursu ausging, hatte die SZ Produzent Felix von Boehm auf die politische Lage angesprochen: "Das Bizarre ist: Ich frage mich, wo eigentlich all diese AfD-Wähler sind", sagt von Boehm. "Ich bin, habe ich das Gefühl, noch wenigen begegnet."

Was ihn aber traurig mache sei der unübersehbare Leerstand. "Und dadurch eine Verbindung herzustellen zu Menschen, die sich vielleicht ausgeschlossen oder abgehängt fühlen von einer urbanen Gesellschaft, wie man oft sagt, ob in Görlitz oder anderswo. Auf eine Art ist das Wahlergebnis im Stadtbild gespiegelt sichtbar." Insofern sei er froh, "in den einen oder anderen Leerstand ein bisschen Leben hauchen zu können, zumindest für kurze Zeit".

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