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Mieter kehren in ihre Wohnungen zurück

Nach einem Feuer ist ein Mehrfamilienhaus in Niesky evakuiert worden. Beim vermutlichen Brandverursacher waren offenbar Drogen im Spiel.

Die Flammen schlugen aus dem Fenster, die betroffene Wohnung war komplett verrußt.
Die Flammen schlugen aus dem Fenster, die betroffene Wohnung war komplett verrußt. © Lausitznews/Toni Lehder

So eine Nacht haben die Mieter in dem Mehrfamilienhaus Am Markt in Niesky noch nicht erlebt. Kurz nach 1 Uhr des noch frühen Donnerstag stehen Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei vor dem Wohnhaus. In der vierten Etage ist in einem Zimmer ein Brand ausgebrochen, Rauch quillt durch das offene Fenster.

Dass es über ihm angefangen hat zu brennen, hat Reinhard Skorka nicht mitbekommen. Er schlief fest. "Erst als ein Feuerwehrmann an meine Fensterscheibe klopfte und mich aufforderte, die Wohnung zu verlassen, roch ich, dass es irgendwo brennt", erzählt der Nieskyer. Er wohnt genau unter der Brandwohnung. Wie der 69-Jährige mussten alle Mieter der zwölf Wohnungen das Haus verlassen. Bald darauf trafen die Stadtwerke Niesky ein und organisierten mit der Feuerwehr die Evakuierung der Bewohner. Ein Reisebus wurde geordert, in dem die Wohnungslosen für das Erste unterkamen.

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Hotel bereitet Zimmer vor

Parallel sind zu dieser Nachtzeit im Hotel Bürgerhaus die Zimmer für die Mieter vom Markt hergerichtet worden. Wer keine private Unterkunft bei Bekannten oder Verwandten hatte, dem blieb, die Nacht im Hotel zu verbringen. Das geschah schnell und unkompliziert, denn der Hausvermieter ist auch Eigentümer des Hotels - die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft. Den Brandopfern gewährte der Vermieter nicht nur Betten und ein Dach über dem Kopf, sondern auch Frühstück und Mittagessen.

Reinhard Skorka war einer der ersten Mieter, die Donnerstagvormittag wieder in ihre Wohnungen durften. "Zum Mittagessen wäre ich gern noch geblieben, aber meine Wohnung ist mir doch wichtiger", sagt er im Gespräch mit der SZ. Denn seine vier Wände haben am meisten unter dem Brand gelitten. Zum Glück hat es nur die Zimmerdecke im Schlafzimmer erwischt - durch den Wassereinsatz oben drüber. "Da habe ich noch mal Glück gehabt, es hätte mich auch weitaus schlimmer treffen können", ist der Rentner überzeugt. Seit 16 Jahren wohnt er in diesem Aufgang.

Dass das Feuer keinen Großschaden verursacht hat, haben die Mieter den Polizisten auf Streife zu verdanken. Sie bemerkten gegen 1 Uhr das Feuer im vierten Geschoss. Sie haben sofort die Rettungsleitstelle Hoyerswerda informiert und sie alarmierte neben der Freiwilligen Feuerwehr Niesky auch die Ortswehren in Ödernitz, See und Stannewisch. Dazu Notarzt und Rettungswagen.

Brandursache wird noch geklärt

Aus bisher ungeklärter Ursache war es zum Brand in einem Zimmer der Wohnung gekommen. Die Flammen breiteten sich rasch aus. Dadurch wurde die Brandwohnung komplett verrußt und ist laut Polizei unbewohnbar. Angaben zur Höhe des Sachschadens können derzeit nicht gemacht werden. Der Vermieter rechnet mit mehreren 10.000 Euro. Personen wurden nicht verletzt.

Die Evakuierung des gesamten Hauseingangs wurde notwendig, so Feuerwehreinsatzleiter Sebastian Noll, weil sämtliche Wohnungen der Mieter aufgrund des extremen Brandgeruches im Haus nicht mehr bewohnbar waren. Der 23-jährige Mieter, in dessen Wohnung das Feuer ausgebrochen ist, wurde von der Polizei festgenommen. Offenbar stand der junge Mann unter Drogeneinfluss. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Mieter bestätigen gegenüber SZ, dass es mit dem jungen Mitbewohner öfters Scherereien gab und er sehr verhaltensauffällig ist. Auch für GWG-Geschäftsführer Jörg Kalbas ist der junge Mann kein unbeschriebenes Blatt und "ein auffälliger Mieter". Mehrere Aussprachen hat es mit ihm schon gegeben, aber sie haben oft nur für kurze Zeit gefruchtet.

Die Polizei bestätigt am Donnerstag, dass der 23-jährige Hausbewohner im Verdacht steht, mit der Verursachung des Brandes in Verbindung zu stehen. Brandursachenermittler sind inzwischen zum Einsatz gekommen. Die Auswertung der Spuren und die damit verbundenen Ermittlungen zur Brandursache dauern an, informiert eine Polizeisprecherin. Der Tatverdächtige konnte zwischenzeitlich nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft wieder gehen.

Kurz nach ein Uhr ...
Kurz nach ein Uhr ... © André Schulze
... in der Nacht zum Donnerstag ...
... in der Nacht zum Donnerstag ... © André Schulze
... wurde die Feuerwehr ...
... wurde die Feuerwehr ... © André Schulze
... zu dem Wohnblock. ..
... zu dem Wohnblock. .. © André Schulze
... Am Markt in Niesky gerufen.
... Am Markt in Niesky gerufen. © André Schulze
Flammen schlugen ...
Flammen schlugen ... © André Schulze
... laut Alarmierung aus dem Fenster.
... laut Alarmierung aus dem Fenster. © André Schulze
Die Kameraden gelangten mit einer Drehleiter ...
Die Kameraden gelangten mit einer Drehleiter ... © André Schulze
... zu der Wohnung im dritten Stock.
... zu der Wohnung im dritten Stock. © André Schulze
Aus dem Fenster rauchte es gewaltig.
Aus dem Fenster rauchte es gewaltig. © André Schulze
Auch die Polizei war vor Ort.
Auch die Polizei war vor Ort. © André Schulze
Der Wohnungsinhaber wurde vorläufig festgenommen. Laut Polizei ...
Der Wohnungsinhaber wurde vorläufig festgenommen. Laut Polizei ... © André Schulze
... war der Mann wohl nicht mehr nüchtern.
... war der Mann wohl nicht mehr nüchtern. © André Schulze

Nur eine Wohnung ist unbrauchbar

Aus Sicht der Wohnungsbaugesellschaft sind bis auf die Brandwohnung alle anderen Einheiten wieder bewohnbar. Nun soll untersucht werden, ob das Haus durch den Brand Schaden genommen hat und wie groß er ist. Dieser soll schnell behoben und auch die Brandwohnung wieder hergerichtet werden. Der Geschäftsführer möchte den Mietern für ihr Verständnis danken, ebenso den Einsatzkräften bis hin zu der Polizeistreife. Durch sie alle konnte verhindert werden, dass noch mehr Wohnungen betroffen sind.

Darüber sind auch Gisela und Günter Tusche dankbar. Das Seniorenehepaar wohnt seit Jahrzehnten in dem Aufgang und musste ihn jetzt zum ersten Mal unfreiwillig verlassen. "Man hat sich sehr gut um uns gekümmert, wir sind mit dem Bus ins Hotel gefahren, wurden dort wunderbar betreut und sind froh, unsere Wohnung ohne Schäden wieder betreten zu dürfen", sagte Gisela Tusche nach ihrer Rückkehr. Der Brandgeruch wird den Mietern aber noch einige Tage in die Nase fahren und an die Nacht in Hotelbetten erinnern.

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