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Genug Masken für alle?

Ab Donnerstag müssen vielerorts medizinische Masken getragen werden. Ob es ausreichend gibt, wie viel sie kosten - die SZ hat in Görlitz und Niesky nachgefragt.

Einen Lieferengpass befürchtet Anne-Kathrin Rausch in der Paracelsus-Apotheke in Görlitz nicht.
Einen Lieferengpass befürchtet Anne-Kathrin Rausch in der Paracelsus-Apotheke in Görlitz nicht. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Aus bunt wird hellblau. Oder weiß oder hellrosa. Bis heute war die Pflicht, an bestimmten Orten des öffentlichen Lebens eine medizinische Maske zu tragen noch gar nicht in Kraft in Sachsen. Viele haben es in den vergangenen Tagen trotzdem schon getan.

Das kann Christoph Schulze, stellvertretender Leiter der dm-Filiale auf der Berliner Straße nur bestätigen. Auch hier am Mittwochmittag: Viele Kunden, bald die meisten tragen die hellblauen, manchmal rosafarbenen OP-Masken, einige die FFP2-Maske. Schulze vermutet, das könnte damit zu tun haben, dass die Regelungen dazu breits seit Längerem im Gespräch sind.

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Wo die neue Maskenpflicht gilt

Um Veränderungen bei der Maskenpflicht ging es bereits vor einer Woche bei der Ministerpräsidentenkonferenz. Mit den Beschlüssen des Corona-Gipfels des Bundes waren aber noch nicht die Verordnungen der einzelnen Länder in Kraft. Viele, könnte sich Christoph Schulze vorstellen, haben es vielleicht trotzdem schon so wahrgenommen.

In Sachsen gilt jedenfalls ab Donnerstag: Besser schützende Masken sind in Bussen und Bahnen, ebenso in Bahnhöfen und Taxis Pflicht, in Geschäften sowie auf den Parkplätzen und Eingangsbereichen, in Kirchen und Gesundheitseinrichtungen wie etwa beim Arzt, im Krankenhaus, in Reha-Einrichtungen. Es geht um medizinische Masken - das können die sogenannten OP-Masken oder Masken nach Schutzstandard FFP2 sein.

Mittwochmittag: Juliane und ihre kleine Tochter Frieda gehen mit dem Hund spazieren in Görlitz. Juliane trägt bereits FFP2-Maske. Schon lange, erzählt sie. Mehrere Familienmitglieder gehören zur Risikogruppe. "Meine Mutter hat schon vor langer Zeit angefangen, FFP2-Masken zu kaufen." Die Sorge um die Familie ist groß - umso mehr, weil sie wissen, was das Coronavirus anrichten kann.

Julianes Oma war an Corona erkrankt und hat den Kampf verloren. Die Trauer hält an. Derzeit sinkt die Zahl der aktuellen Corona-Infektionen spürbar im Kreis Görlitz. Auf einem relativ hohen Niveau liegen aber noch immer die Sterbezahlen. Wenn Juliane Leuten begegnet, die sich nicht an die Maskenpflicht halten, dann versuche sie sie darauf anzusprechen, auch wenn das mittlerweile sehr an den Nerven zehre.

Ältere Menschen erhalten Coupons

Viele, das habe sie auch im Bekanntenkreis beobachtet, würden in letzter Zeit aber doch bewusster auf Sicherheit achten, ist Anne-Kathrin Rauschs Eindruck. Vermutlich, weil viele mittlerweile Menschen in ihrem Umfeld kennen, die von Corona betroffen waren, "oder noch immer an den Folgen leiden". Anne Kathrin Rausch ist die Inhaberin der Paracelsus-Apotheke auf der Bismarckstraße. Eine kleine Warteschlange davor. Drinnen reicht die nächste Kundin ein Schreiben über den Tresen: die Coupons für FFP2-Masken.

Um die Versorgung älterer und vorerkrankter Menschen sicherzustellen, verschicken die Krankenkassen per Post Berechtigungsscheine für insgesamt zweimal sechs FFP2-Masken, für diese ist ein Eigenanteil von insgesamt vier Euro zu zahlen, den Rest übernehmen die Krankenkassen - bei denen derzeit teils die Telefone heiß laufen: Die Verteilung verzögert sich, hatte Hannelore Strobel, Sprecherin der AOK Plus, kürzlich gegenüber sächsische.de erklärt. Der Krankenkasse erhält die Coupons wiederum von der Bundesdruckerei: „Uns fehlen immer noch rund 500.000 Gutscheine bei insgesamt 1,3 Millionen Anspruchsberechtigten in Sachsen und Thüringen.“ Seit Montag laufe der Versand der zweiten Coupon-Lieferung.

Wie ist es mit finanziell Schwachen?

Im Kaufland etwa waren die OP-Masken am Wochenende sogar verbilligt, zehn Stück für rund drei Euro. Dennoch, für bedürftige Menschen kann auch das im Geldbeutel spürbar sein, argumentieren Sozialverbände. Ob Menschen, die auf Hartz-IV-Unterstützung angewiesen sind, einen Zuschuss erhalten sollen, wird diskutiert. Die sächsische Linke fordert, dass der Freistaat, "besonders gefährdete Gruppen und Empfänger von Arbeitslosengeld und Sozialleistungen kostenlos mit den notwendigen medizinischen Schutzprodukten, insbesondere den FFP2-Masken" ausstattet.

Eine ältere Dame in der Paracelsus-Apotheke nimmt zu ihren sechs FFP2-Masken noch einen Schwung der sogenannten OP-Masken dazu. Das würden viele so halten, erzählt Anne-Kathrin Rausch. "Doch, das Bewusstsein ist höher." Lieferengpässe wie im Frühjahr befürchtet sie aber nicht. "Wir haben seit Jahreswechsel genug Masken im Depot". Bei ihr kostet eine FFP2-Maske ohne Coupon 2,50 Euro, eine OP-Maske 75 Cent, bei größerer Zahl weniger.

Heißt aber auch: Die Konkurrenz gerade zwischen den kleineren Apotheken und den Groß- oder Online-Apotheken wachse. Letztere können genauso die Coupons einlösen und die Masken an Kunden liefern, die sie aber wegen der Mengen häufig zu besseren Konditionen bestellen können. Über viel zu tun dieser Tage will sich Anne-Kathrin Rausch deshalb nicht beschweren. Wem der Weg zur Apotheke schwer fällt, der könne auch anrufen und die Masken werden nach Hause geliefert.

Wenn man sich für einen Online-Kauf entscheidet, solle man darauf achten, dass man ein sicheres Portal wählt, hatte Sten Wagner von der Verbraucherzentrale Sachsen gegenüber sächsische.de geraten. Und dass man vor allem auch einen Blick auf Qualitätsangaben wie das CE-Zeichen wirft. Neben den FFP2-Masken und den OP-Masken gibt es auch die KN95-Masken.

Trotz höherem Schutz: Hygiene bleibt wichtig

Dabei handelt es sich um ein asiatisches Produkt, auch die KN95-Masken sind zugelassen. Heiko Neumann, Inhaber der Zinzendorf-Apotheke in Niesky, setzt dennoch lieber auf die FFP2-Masken, "ihr CE-Standard soll etwas höher sein", erklärt er. Hier kosten zehn OP-Masken knapp fünf Euro, eine FFP2-Maske 2,95 Euro, ab vier Stück 2,50 Euro.

Im Frühjahr kaum zu kriegen: Heiko Neumann mit einer der sogenannten OP-Masken.
Im Frühjahr kaum zu kriegen: Heiko Neumann mit einer der sogenannten OP-Masken. © Archiv: andré schulze

Dennoch, trotz höherer Schutzstandards appelliert Neumann, Hygiene nicht aus dem Blick zu verlieren. OP-Masken sind Einmal-Produkte. Die Frage, ob sie gewaschen werden können, habe er schon manchmal gehört, "können sie aber nicht." Bei den FFP2-Masken sei wichtig, dass sie personalisiert sind, also keinesfalls mehrere Familienmitglieder dieselbe nutzen. "Es ist auch keine gute Idee, sie den ganzen Tag zu tragen." Sie sollten regelmäßig desinfiziert und möglichst an der frischen Luft getrocknet werden. Insgesamt, ist eine Maske durchnässt, bringe sie nicht mehr viel.

Die "Notmaske" an der Kasse

Auch er hat in den vergangenen Tagen schon viele mit FFP2- oder OP-Maske gesehen. Zum einen sicherlich, weil ältere Bürger die Coupons erhalten haben. Aber auch viele Jüngere, vermutet auch Neumann, waren nach dem Corona-Gipfel des Bundes schon sensibilisiert. Einen Engpass sieht er aber nicht kommen, "es herrscht derzeit kein Mangel an Masken".

Christoph Schulze wiegt den Kopf. "Wir bekommen Bevorratungen." Je nach Lieferpartner habe es in den vergangenen Tagen aber doch immer mal wieder kurze Engpässe gegeben: OP-Masken sind jedenfalls am Mittwoch im Regal zu finden, zehn Stück zwischen knapp fünf und knapp sechs Euro, je nach Hersteller. FFP2-Masken? Sind nächste Woche wieder in größerer Menge da, nimmt Christoph Schulze an. Für Notfälle aber gibt es an der Kasse FFP2-Einzelmasken für einen Euro oder eine einzelne OP-Maske für 50 Cent.

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