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So sieht es beim Filmdreh im Bahnhof aus

In Görlitz wird der Historienfilm "3 1/2 Stunden" gedreht. Es geht um einen ganz besonderen Zug.

Zeitgenössische Züge stehen im Görlitzer Bahnhof - der für den Film aber zum Bamberger Bahnhof wurde.
Zeitgenössische Züge stehen im Görlitzer Bahnhof - der für den Film aber zum Bamberger Bahnhof wurde. © Markus van Appeldorn

Schon bevor man den Görlitzer Bahnhof betritt, sieht man, das etwas anders ist. Viele, weiße Leih-Lkw stehen vor dem Eingang, gefüllt offenbar mit Drehtechnik. Die Räume vom Gleis 1, hat man den Bahnhof betreten, sind umfunktioniert zum Aufenthaltsraum für die Komparsen. Durch die Glasfenster sieht man außerdem gut gefüllte Kleiderständer. Die Sachen müssten in die Zeit Ende der 50er- oder Anfang der 60er-Jahre passen. 

"Bahnhof Görlitz" steht dran. Drinnen aber ist gerade Zeitreise. Und Ortswechsel: Für einen Film wird Görlitz zu mehreren anderen Städten.
"Bahnhof Görlitz" steht dran. Drinnen aber ist gerade Zeitreise. Und Ortswechsel: Für einen Film wird Görlitz zu mehreren anderen Städten. ©  privat

Der letzte Zug vorm Mauerbau

In Görlitz wird derzeit der Film "3 1/2 Stunden" gedreht, bestätigt Barbara Schmidt von der Presseagentur Schmidt Schumacher. Der Film spielt 1961 - ganz kurz vorm Mauerbau. Und es geht um einen besonderen Zug. Am morgigen Donnerstag wird der letzte Drehtag in Görlitz sein. Kommende Woche zieht das Filmteam dann weiter nach Bayern, erzählt Barbara Schmidt. 

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Laut dem Film-Fernseh-Fonds Bayern ist es eine Produktion von Amalia Film und ARD Degeto. Das Drehbuch ist von Richard Krause und Beate Fraunholz, Regie führt laut dem FFF Bayern Ed Herzog. Ihn kennt man von mehreren "Tatorten", so führte er etwa bei dem Weimar-Tatort "Der wüste Gobi" Regie. Ebenso bei den Verfilmungen der Krimi-Romane von Rita Falk, zuletzt bei "Leberkäsjunkie".   Wer die Schauspieler sind - noch unbekannt. Von Anfang an war wenig zu erfahren über die neuen Dreharbeiten in Görlitz. Als Komparsen gesucht wurden, war lediglich von einem "Historienfilm" die Rede.

Komparsen in einer Drehpause.
Komparsen in einer Drehpause. © privat

Görlitz wird zu mehreren Bahnhöfen

An einem der Aufgänge zu den Bahnsteigen steht Sicherheitspersonal. Und daneben, hinter Metallabsperrungen, Tische voller Materialien wie Werkzeuge. Auf anderen Tischen ist ein Hinweis angebracht, dass sie für Requisiten bereitstehen. Ein Aufgang weiter: Der Zug in Richtung Zgorzelec fährt ab. Und gibt, ein Gleis weiter, den Blick frei auf das Set. 

Dort steht eine zeitgenössische, dunkelrote Diesellokomotive. Waggons in Schlammgrün sind angehängt. Auf einem weiteren Gleis steht, ebenfalls dunkelrot, ein Mitropa-Buffetwagen, gezogen von einer V-200-Diesellok. Wie Bahnmitarbeiter vor Ort sagen, soll Görlitz der Drehort für mehrere Bahnhöfe im Film sein, darunter Bamberg und Nürnberg. Über den Gleisen verdecken weiße Bühnenbild-Auskunftsschilder die elektronischen Anzeigetafeln. Am Mittwochvormittag steht dort "Berlin" und "Garmisch-Partenkirchen". Vielleicht ist der Görlitzer Bahnhof zum Münchener geworden?  

Der Bahnhof Görlitz ist aktuell Filmkulisse für den ARD-Fernsehfilm "3 1/2 Stunden" - im Bild Schauspieler Moritz Katzmair.
Der Bahnhof Görlitz ist aktuell Filmkulisse für den ARD-Fernsehfilm "3 1/2 Stunden" - im Bild Schauspieler Moritz Katzmair. © Matthias Wehnert Photos

Entscheidung ihres Lebens für ostdeutsche Passagiere

Auf einem der Gleise stehen ein paar Männer im Kostüm: Schiebermütze, Hosenträger. Ein Bahnhofsangestellter in Uniform steht an einem Metallkorbwagen, der bis oben hin gefüllt ist mit Paketen und Päckchen. Auf Leiterwagen liegen Koffer. Dass im Bahnhof gedreht wird, machte auch schnell in den sozialen Netzwerken die Runde. So finden sich etwa auf der Facebookseite Görlitzer Stadtgeflüster Fotos aus  anderer Perspektive: Auf den großen Plakatwänden an den Bahnsteigen wird jetzt für Juno-Zigaretten geworben und dafür, mit der Deutschen Bahn zu fahren. Es gibt Bahnsteigkioske - einem Schild im Hintergrund nach gehören die vielleicht zum Bamberger Bahnhof. 

Laut FFF Bayern ist "3 1/2 Stunden" ein Fernsehfilm, zumindest taucht er in der Förder-Vergabeentscheidung in dieser Rubrik auf. Dort findet sich auch eine kurze Inhaltsangabe: Es geht um die Fahrt des Interzonenzuges D-Zug 151 von München-Ostberlin bis nach Ludwigstadt, dem letzten bundesdeutschen Bahnhof vor der innerdeutschen Grenze. Es ist der 13. August 1961. Kurz nach der Abfahrt in München machen Gerüchte die Runde, dass die DDR eine Mauer baut und damit die Grenze dicht machen wird. Dreieinhalb Stunden - so lange dauert die Fahrt - haben die ostdeutschen Passagiere Zeit, die Entscheidung ihres Lebens zu fällen: Bleiben sie  im Zug und fahren zurück, oder steigen sie vor der Grenze aus, lassen alles hinter sich und bleiben  im Westen? Von der FFF Bayern wird die Produktion mit 600.000 Euro gefördert.

Das ist der Filmzug.
Das ist der Filmzug. © privat

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Am Mittwoch wurde für den Film auch an der Emmerichstraße gedreht. Zuvor war das Filmteam beispielsweise in Roßwein, für den Film die deutsch-deutsche Grenze: Ein Gebäude am Roßweiner Bahnhof wurde zum Arbeitsplatz des letzten Postens, ehe der Zug das Gebiet der DDR verlässt. Zu sehen ist der Fernsehfilm dann am 13. August 2021 - dem 60. Jahrestag des Mauerbaus. 

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