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Fitnessstudio und Landkreis streiten über Öffnung

Bei FitInn in Görlitz können sechs Kunden pro Stunde trainieren. Der Landkreis will eine Schließung durchsetzen - wegen Corona.

Normalerweise müssen Fitnessstudios in Sachsen seit Anfang November geschlossen sein. Eine Görlitzer Einrichtung aber schert aus.
Normalerweise müssen Fitnessstudios in Sachsen seit Anfang November geschlossen sein. Eine Görlitzer Einrichtung aber schert aus. © dpa

Für das Fitnessstudio FitInn in Görlitz-Rauschwalde ist die Sache klar. „Gemäß aktuell gültiger Verordnung und Richtlinien zum Individualsport ist ein Training von maximal zwei Personen pro abgegrenztem Bereich möglich“, schreiben die Betreiber bei Facebook. Das Studio hat drei abgegrenzte Bereiche. Und dort dürfen seit 1. Dezember je zwei Personen gleichzeitig trainieren – also insgesamt sechs. Das gilt für je 50 Minuten, mit telefonischer Anmeldung. Termine sind immer zur vollen Stunde möglich, zwischen zwei Durchgängen bleiben immer zehn Minuten Luft.

Individualsport statt Fitnessstudio

Mit anderen Worten: Das FitInn deklariert sich aktuell nicht als Fitnessstudio, sondern als Ort für Individualsport. Damit glaubt es, legal öffnen zu können. Der Landkreis Görlitz sieht das anders. „Nach der Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung ist der Betrieb von Fitnessstudios untersagt“, erklärt Sprecherin Julia Bjar. Im vorliegenden Fall habe der Landkreis den Betreiber bereits aufgefordert, seine Einrichtung zu schließen. Bisher verweigere er das. „Im Rahmen der Umsetzung der Corona-Schutz-Verordnung wird die Schließung durch den Landkreis Görlitz herbeigeführt, sollte er das Studio nicht freiwillig schließen“, sagt Julia Bjar. Wie das gehen soll und wie lange der Kreis damit noch warten will, lässt Julia Bjar vorerst offen: Eine entsprechende Anfrage der SZ hat sie bis Dienstagabend nicht beantwortet.

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Das FitInn ist kein Görlitzer Unternehmen. Der Stammsitz ist in Frankfurt/Oder, daneben ist es noch in drei weiteren Städten vertreten. Geschäftsführer Andy Theuerkauf erklärte am Dienstag am Telefon, dass er Fragen der SZ zur Öffnung des Studios bis Dienstagabend beantworten wolle – gemeinsam mit seinen Anwälten. Das hat er aber bis zum Abend noch nicht getan.

Andere halten sich an die Auflagen

Andere Fitnessstudios in Görlitz sind dicht. „Natürlich ist das jetzt für alle eine doofe Zeit, das ist unbestritten“, sagt Ina Gloge vom Studio Top Fit an der Zittauer Straße in der Südstadt. Sie hat mit dem Lockdown Anfang November geschlossen – und findet die Schließungen angesichts der hohen Infektionszahlen auch sinnvoll. Dank staatlicher Hilfen und der Unterstützung durch die eigenen Mitglieder ist ihr Studio bisher nicht existenzbedroht. „Wir sehen, dass die Zahlen steigen und der Teil-Lockdown nicht funktioniert“, sagt Ina Gloge. Im Nachhinein wäre es aus ihrer Sicht sinnvoller gewesen, gleich in den harten Lockdown zu gehen: „Sonst geht das noch Monate so weiter.“ Insofern findet sie das Vorgehen von FitInn „nicht in Ordnung“.

Jens Knobloch vom Görlitzer Gesundheitszentrum an der Joliot-Curie-Straße ist es prinzipiell egal, ob der Konkurrent aufmacht oder nicht. „Für mich ist es nur ärgerlich, wenn mich meine eigenen Mitglieder fragen, warum dort geöffnet ist und bei mir nicht“, sagt er. Er selbst habe sich von Anfang an penibel an alle Hygienekonzepte gehalten und alle Auflagen erfüllt. „Die Branche ist natürlich ein bisschen sauer, wenn sich alle an alles halten und einer macht, was er denkt“, sagt Knobloch.

Lohnt sich die Öffnung überhaupt?

Auch andere Fitnessstudios, etwa im Rosenhof, bei Marktkauf und am Demianiplatz, sind aktuell geschlossen. Deren Inhaber waren am Dienstag jedoch nicht für einen Kommentar erreichbar.

Was ebenfalls unklar ist: Lohnt sich für das FitInn der Betrieb überhaupt wirtschaftlich, wenn pro Stunde nur sechs Mitglieder trainieren können? Immerhin müssen die Räume beheizt und gereinigt werden, außerdem muss wenigstens minimal Personal vor Ort sein. Aktuell ist das nur eine Auszubildende. Doch auch diese Frage ließ Geschäftsführer Andy Theuerkauf am Dienstag unbeantwortet.

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