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„Mir fehlt ein Gesamtplan für den Berzdorfer See“

Blockiert der Kreis Görlitz die Entwicklung am See? Das weist Kreisentwickler Holger Freymann von sich. Aber schnelle Fortschritte hält er für unrealistisch.

Holger Freymann
leitet das Amt für Kreisentwicklung beim Landkreis Görlitz.
Holger Freymann leitet das Amt für Kreisentwicklung beim Landkreis Görlitz. ©  Archivfoto: Nikolai Schmidt

Die Vorwürfe wiegen schwer: Der Landkreis betrachtet das Thema neue Unterkünfte am Berzdorfer See – und erst recht das Thema Dauerwohnen am See – mit einer gewissen Skepsis, war jetzt in der SZ zu lesen. Deshalb gehe es unter anderem bei den geplanten 14 Ferienhäusern mit insgesamt 64 Ferien- und sechs Dauer-Wohnungen von Kommwohnen an der Südseite des Tauchritzer Hafens nicht so schnell voran.

Der Berzdorfer See ist ein beliebtes Naherholungsgebiet, er wird aber auch immer mehr zum Feriendomizil für auswärtige Touristen.
Der Berzdorfer See ist ein beliebtes Naherholungsgebiet, er wird aber auch immer mehr zum Feriendomizil für auswärtige Touristen. © Nikolai Schmidt

Holger Freymann leitet das Amt für Kreisentwicklung beim Landkreis Görlitz. Jetzt meldet er sich zu Wort. Dem Eindruck, dass er die Entwicklung blockiere, widerspricht er. Aber er sagt ganz klar: „Mir fehlt ein Gesamtplan für den Berzdorfer See.“ Ein Einzelstandort sei nicht das Problem – auch nicht der von Kommwohnen am Hafen. Aber bisher sei nicht geklärt, was insgesamt am See entstehen soll. „Zehn Standorte mit jeweils 14 Häusern – das geht eben nicht“, sagt Freymann. Alles in allem gebe es für 200 bis 300 Ferienwohnungen Planungsgedanken. Das sei zu viel: „Alle Seiten müssen sich mal positionieren, welche Pläne sie haben und umsetzen wollen.“ Auf jeden Fall könne es nicht sein, dass alle paar Wochen neue Pläne auftauchen. Den Gemeinden fällt es aber nicht leicht, diesem Anliegen nachzukommen, denn sie investieren nicht selbst, sondern sind von Investoren abhängig. Denen wollen sie Tür und Tor offen halten – und nicht mit allzu starren Plänen verbauen.

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Tatsächlich gibt es am See bisher keine einheitliche Planungsgrundlage. Die Häuser von Kommwohnen seien weder im strukturellen Rahmenplan des Planungsverbandes noch im Sanierungsrahmenplan des regionalen Planungsverbandes enthalten. Doch Freymann will auch nicht als Blockierer dastehen. „Die genannten Probleme lassen sich alle ausräumen“, sagt er.

Dazu sei das Mitwirken der Kommunen und des Planungsverbandes nötig. Erstere müssten Flächennutzungspläne aufstellen. Die sind sowohl in Görlitz als auch in Schönau-Berzdorf derzeit in Arbeit. Markersdorf als dritter Anlieger habe schon einen solchen Plan, müsse bei den anderen beiden aber auch zustimmen: „Alle drei Gemeinden müssen sich einigen.“ Und dann müsse sich der Planungsverband zu einer fortgeschriebenen strategischen Entwicklung am See positionieren – etwa über einen strukturellen Rahmenplan, in dem eine Obergrenze für Ferienwohnungen pro Standort festgelegt wird. „Auch ich hätte mir manchmal schnellere Entwicklungen gewünscht“, sagt der Kreisentwickler.

Den von Kommwohnen-Chef Arne Myckert anvisierten Baubeginn am Hafen im Jahr 2022 hält Freymann aber nicht mehr für realistisch: „Das Planverfahren wird noch dauern, sicher kommen auch noch umweltfachliche Fragen.“ Insofern werde es wohl erst 2023 losgehen können. Doch selbst bei diesem Termin stellt sich die Frage, ob er realistisch ist. Der städtische Flächennutzungsplan wird vor Ende 2023 nicht beschlossen, sagt die Stadt Görlitz.

Und das Thema Dauerwohnen am See? Da ist Freymann sehr skeptisch. Und stimmt damit auch dem Schönau-Berzdorfer Bürgermeister Christian Hänel zu. Der hatte gesagt, dass sich Ferien- und Dauerwohnungen am See schlecht vertragen. Den Dauerwohner störe vielleicht die ständige An- und Abreise der Feriengäste, den Feriengast umgekehrt das Rasenmähen: „Da wird es immer Nutzungskonflikte geben.“ Er glaube auch nicht, dass mit Dauerwohnungen das Vandalismus-Problem zwangsläufig gelöst sei. Besser sei es, in den Feriensiedlungen eine feste Wohnung für einen Hausmeister oder Bewirtschafter einzurichten: „Der guckt bei Vandalismus genauer hin als normale Bewohner.“

Der Görlitzer Bürgermeister Michael Wieler hatte vorgeschlagen, ein externes Gutachten erstellen zu lassen, um eine gemeinsame Basis beim Thema Unterkünfte zu finden. Dafür zeigt sich Freymann sehr offen: „Wenn Herr Dr. Wieler das anbietet, dann machen wir das gerne so.“

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