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Gebühren für Touri-Busse: So läuft es in anderen Städten

Görlitz führt hohe Gebühren für Stellplätze ein. Die ersten Anbieter denken schon ans Aufhören. Sachsenweit findet sich kein Vorbild für den Görlitzer Weg.

Auch in Dresden gibt es Stadtrundfahrten per Oldtimerbus. Das Archivbild zeigt Busfahrer Bernd Rockstroh.
Auch in Dresden gibt es Stadtrundfahrten per Oldtimerbus. Das Archivbild zeigt Busfahrer Bernd Rockstroh. © Archivfoto: SZ/Marion Gröning

Gebühren für die Anbieter von Stadtrundfahrten per Bus?

Manuela Böhm winkt ab: „Nein, die Busunternehmen zahlen bei uns gar nichts“, sagt die Teamleiterin der Tourist-Information Bautzen. Das Einzige, was in der Spreestadt anfällt, ist eine Gebühr für das Aufstellen des Haltestellenschildes auf dem Hauptmarkt. Sie schwankt von Jahr zu Jahr. Im teuersten Fall hat sie 60 Euro für ein Jahr gekostet. Allerdings nicht für die Busunternehmen: „Das zahlt die Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft Bautzen, die die Tourist-Information betreibt“, sagt Manuela Böhm.

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In Görlitz bieten verschiedene Unternehmen Stadtrundfahrten mit dem Bus an. Inzwischen sind es so viele, dass die Stadt die Stellplätze neu regeln muss.
In Görlitz bieten verschiedene Unternehmen Stadtrundfahrten mit dem Bus an. Inzwischen sind es so viele, dass die Stadt die Stellplätze neu regeln muss. © André Schulze

In Görlitz sah das bis voriges Jahr ähnlich aus. Weil die Zahl der Anbieter aber zuletzt deutlich gewachsen ist und mit dem Görliwood-Bus ein 15-Tonner hinzugekommen ist, sah sich die Stadt genötigt, zu handeln – und ab 2021 erstmals konkrete Stellplätze für die einzelnen Anbieter und entsprechende Gebühren einzuführen.

Die Stadträte waren mit den Gebühren mehrheitlich nicht einverstanden – und schraubten sie in ihrer Sitzung Ende Februar massiv nach oben. Nun werden für Pferdedroschken pro Monat 105 Euro fällig, für Busse – je nach Stellplatzgröße – zwischen 420 und 1.417 Euro. Damit aber wollen sich die Anbieter nicht abfinden. Wenn der Beschluss so umgesetzt wird, könne er nicht wie gewohnt weitermachen, erklärt beispielsweise Ingo Menzel vom „Stadtschleicher“: „Dann werde ich mich umfirmieren“, sagt er. Was er damit meint, will er momentan noch nicht verraten.

Kutscher wird wohl nicht zurückkehren

Sein Mitbewerber Hans-Ulrich Koinzer würde komplett aufgeben, weil er die Summe nach eigener Aussage nicht erwirtschaften kann. Auch Axel Gürntke von der Firma „Kutsch- & Kremserfahrten Axel Gürntke“ will dieses Jahr nicht zurückkehren – allerdings nicht wegen der Gebühren, sondern weil ihm das Veterinäramt mitgeteilt hat, dass er bei Sommerhitze keine Kutschfahrten mehr durchführen darf, sondern die Pferde in den Stall bringen soll.

Sie alle könnten jetzt nach Bautzen (38.000 Einwohner) gehen. Dort werden Stadtrundfahrten bisher nur durch die Tourist-Information angeboten, die lediglich mit zwei ortsansässigen Busunternehmen zusammenarbeitet. Entspannt ist die Situation auch in Plauen (65.000) und Zwickau (89.000 Einwohner), also in jenen beiden sächsischen Städten, die nur wenig größer sind als Görlitz (56.500 Einwohner).

Sehenswürdigkeiten liegen eng beisammen

„In Plauen werden keine regelmäßigen Stadtrundfahrten angeboten“, sagt Kathleen Kramer, Teamleiterin der Plauener Tourist-Information – außer Sonder- und Themenfahrten mit historischen Bahnen. Die Tourist-Information sei aber gerade mit einem ersten Kleinbusveranstalter bei der Erarbeitung von Stadtrundfahrten für Kleingruppen nach Voranmeldung. Dafür stehen aber noch keine Standplätze und Gebühren fest. Generell liegen in Plauen die historische Altstadt und die Sehenswürdigkeiten auf eher kleinem Raum beieinander und zudem größtenteils in der Fußgängerzone: „Daher werden eher Stadtrundgänge angeboten“, so Kathleen Kramer.

In Zwickau bietet die Tourist-Info über 20 verschiedene thematische Stadtführungen an, hauptsächlich zu Fuß, erklärt Geschäftsbereichsleiter Matthias Rose: „Die Zwickauer Sehenswürdigkeiten befinden sich – mit wenigen Ausnahmen – in der Altstadt.“ Für Rundfahrten als Ein- oder Ausstieg oder für die Zeit der Stadtrundgänge als Parkplatz, gebe es einige zentrumsnahe Stellplätze, die für Reiseunternehmen für begrenzte Zeit kostenlos nutzbar sind.

Geringere Gebühren in Leipzig

Doch selbst in Sachsens größter Stadt Leipzig müssen die meisten Anbieter nichts zahlen. „Es dürften inzwischen über 20 Unternehmen sein, die vor dem Lockdown Stadtrundfahrten und Gästeführungen angeboten haben“, sagt Andreas Schmidt von der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH. Nur vier der Firmen haben voriges Jahr eine Sondernutzungserlaubnis für die Kundenakquise und den Verkauf von Fahrkarten an ihren Haltestellen beantragt und erhalten, sagt Rathaussprecher David Quosdorf. Das kostet zwischen 40 und 65 Euro pro Monat plus Verwaltungskosten in Höhe von einmalig 72 Euro sowie verschiedene Mini-Gebühren. Im Vergleich zu den neuen Görlitzer Gebühren ist das ein Schnäppchen.

Auch in Dresden gibt es verschiedene Anbieter für Stadtrundfahrten. Einige davon haben 22 Haltestellen. „Ein Zu- und Ausstieg ist an jedem Haltepunkt möglich“, sagt Rathaussprecherin Barbara Knifka. Ähnlich wie in Leipzig, fallen keine Gebühren für die Nutzung von Haltestellen an, dafür aber für Ticket-Verkaufsstände. Im Stadtkern sind das 62 Euro im Monat je angefangener Quadratmeter, unmittelbar an der Haltestelle aber nur 12,80 Euro im Monat je angefangener Quadratmeter.

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