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Warum die Insel der Sinne noch konkurrenzlos bleibt

Bei neuen Unterkünften am Berzdorfer See geht es nur langsam voran. Grund ist ein Streit mit dem Kreis Görlitz. Jetzt aber passiert etwas hinter den Kulissen.

So schön können Gäste auf der Terrasse des Hotels Insel der Sinne am Berzdorfer See sitzen.
So schön können Gäste auf der Terrasse des Hotels Insel der Sinne am Berzdorfer See sitzen. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Görlitz. Bei Kommwohnen liegen die Pläne längst fertig in der Schublade. 14 Ferienhäuser mit insgesamt 64 Ferien- und sechs Dauer-Wohnungen sollen an der Südseite des Tauchritzer Hafens am Berzdorfer See entstehen. Alle Gebäude sollen dreigeschossig sein und insgesamt Platz für 164 Feriengäste bieten.

Allein: Gebaut wird noch nicht. „Wir wären gern schon weiter“, so Kommwohnen-Chef Arne Myckert. Aber es gebe viele Punkte, die für Verzögerungen sorgen, etwa Verkehrs-, Medien- und Abwasser-Erschließung. „Ich habe jetzt viel Respekt vor der Geschwindigkeit, mit der das Hotel Insel der Sinne entstanden ist“, sagt Myckert anerkennend.

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Doch neben all den komplizierten Erschließungsfragen gibt es noch einen anderen Grund, warum die Insel der Sinne erst einmal konkurrenzlos bleibt: Der Landkreis betrachtet das Thema neue Unterkünfte am Berzdorfer See – und erst recht das Thema Dauerwohnen am See – mit einer gewissen Skepsis. Das hört man schon seit einiger Zeit immer wieder. Myckert, aber auch der Görlitzer Bürgermeister Michael Wieler bestätigen das jetzt ganz offiziell. „Ja, das ist so“, sagt Wieler: „Am Hafen etwa haben wir 64 Ferienwohnungen vorgeschlagen, aber der Kreis sagt, wir sollen erst einmal mit 20 anfangen.“ Kreisentwickler Holger Freymann glaube offenbar nicht, dass sich 64 Ferienwohnungen vermarkten ließen, sagt Wieler: „Wir sehen das ganz anders. Wir glauben, dass es notwendig ist, eine gewisse Schlagkraft zu haben, damit sich eine Vermarktung lohnt.“

Freymann war urlaubsbedingt nicht erreichbar. Auch sonst gibt es beim Kreis aktuell keinen Ansprechpartner, der zu dem Thema etwas sagen könnte. Vor drei Wochen hatte Freymann in einer schriftlichen Antwort beklagt, dass aus Görlitz und Schönau-Berzdorf die Flächennutzungspläne noch fehlen würden. „Ein Nachweis der geordneten städtebaulichen Entwicklung muss über einen Flächennutzungsplan erfolgen“, so Freymann. Aktuell befinde sich der Flächennutzungsplan für die Stadt Görlitz in der Anhörung, zu der der Landkreis sehr umfangreiche Hinweise abgegeben habe. Ziel sei eine zeitnahe Umsetzung.

Görlitz erwägt externes Gutachten

Doch bei den Unterkünften geht es offenbar nicht voran. Wieler sagt: „Der Kreis und wir haben unterschiedliche Einzelmeinungen und kommen nicht vom Fleck.“ Deshalb werde die Stadt voraussichtlich bei der nächsten Planungsverbandssitzung im Oktober vorschlagen, ein externes Gutachten erstellen zu lassen: „Vielleicht wäre das eine Möglichkeit, eine gemeinsame Basis zu finden.“ Eine andere Möglichkeit sehe er nicht. Und noch an einer zweiten Stelle will die Stadt aktiv werden. „Der Kreis hat gesagt, wir sollen erst einmal Ordnung in unsere Bebauungspläne bringen“, so Wieler: „Das werden wir tun.“

Manche dieser Pläne seien noch aktuell, bei anderen gebe es Veränderungen. Auf der Görlitzer Seeseite seien aktuell drei Projekte schon recht konkret. Neben den Bauten am Hafen sind das die Erweiterung der Insel der Sinne sowie die Bebauung des Nordstrandes durch die Investoren um Hildebrand Sauer.

Schönau-Berzdorf baut jetzt Campingplatz

Auf Schönau-Berzdorfer Seite gibt es aktuell zwei Projekte, sagt Bürgermeister Christian Hänel: „Der Campingplatz wird derzeit gebaut, Ferienhäuser sind im nächsten Bauabschnitt geplant.“ Doch diese seien noch gar nicht beantragt: „Der Bebauungsplan steht noch ganz am Anfang, da ist noch viel zu tun.“ Bei den touristischen Unterkünften bremse der Landkreis keineswegs, sagt Hänel: „Bei dem Thema sind wir in einem guten Miteinander.“ Gemeinde und Kreis seien sich einig, nicht zu viele Ferienhäuser gleichzeitig zu bauen, sondern in drei Abschnitten vorzugehen.

„Beim Thema Dauerwohnen hingegen ist Herr Freymann tatsächlich restriktiv“, bestätigt auch Hänel. Doch ihn stört das nicht: „Außer einer Betriebswohnung auf dem Campingplatz planen wir ohnehin keinerlei Dauerwohnen“, so Hänel. Seiner Meinung nach sei das ohnehin kein einfaches Thema. Wer dauerhaft am See wohnen will, erwarte eine gewisse Ruhe und würde sich womöglich über Veranstaltungslärm beschweren. „Deshalb muss Dauerwohnen räumlich abgegrenzt sein, sonst macht es den Tourismus kaputt.“

Kommwohnen-Chef sieht Fortschritte

Kommwohnen-Chef Arne Myckert sieht derweil einen gewissen Fortschritt. „Auch ich hatte lange das Gefühl, dass das Thema vom Landkreis mit einer gewissen Skepsis betrachtet wird, aber mittlerweile gibt es notwendige Abstimmungen. Das hat mir lange gefehlt.“ Stattdessen sollte Kommwohnen dem Kreis darstellen, wie sich das Unternehmen eine Auslastung der Unterkünfte vorstelle. Das sei aber ein Blick in die Kristallkugel, sagt Myckert: „Absolute Sicherheit gibt es nicht.“ Was ihn aber positiv stimmt: „Ich werde öfter von Görlitzern angesprochen, die am Hafen ein Ferienapartment erwerben wollen.“ Das zeige ihm, dass Interesse da ist.

Wichtig findet er auch, am See für Vielfalt zu sorgen: „Ich glaube, dass verschiedene Angebote nötig sind, um möglichst viele Zielgruppen anzulocken.“ Deshalb wolle er es auch nicht bei den 64 Ferienwohnungen belassen. Im zweiten Schritt würde er gern die Halbinsel nördlich des Hafens bebauen. Sein – derzeitiger – Plan sieht dort einen Mix vor: Im östlichen Bereich eher Ferienhäuser, im Westen, also auf der eigentlichen Halbinsel, eher Apartments wie an der Südseite. „Ob dazwischen dann noch ein Hotel sinnvoll ist, wird sich erst später zeigen“, erklärt Myckert.

Zeitpläne aufzustellen, sei allerdings schwer. „Wenn es in dem jetzigen Tempo weitergeht, wäre am Südrand ein Baubeginn 2022 möglich“, sagt Myckert. Er rechnet dort mit einem bis anderthalb Jahren Bauzeit, unter Corona-Bedingungen wohl etwas länger. Anschließend könnte es auf der Halbinsel weitergehen, aber eher Stück für Stück. Bis 2023/24 also bleibt die Insel der Sinne mindestens noch konkurrenzlos.

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