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Wie ein Experimentierhaus in Görlitz aussehen könnte

Hochschule und Stadt Görlitz planen einen Zukunftslernort. Am besten einen Neubau. Aber wo soll er entstehen?

Das iQlandia in Liberec ist ein supermodernes naturwissenschaftlich-technisches Wissenszentrum mit einem Planetarium und hunderten originellen interaktiven Exponaten.
Das iQlandia in Liberec ist ein supermodernes naturwissenschaftlich-technisches Wissenszentrum mit einem Planetarium und hunderten originellen interaktiven Exponaten. © iQlandia

Das iQlandia in Liberec hat schon viele Görlitzer begeistert. Es ist eine Welt der Wissenschaft und Technik zum Anfassen und Ausprobieren. Vor allem Familien mit Kindern können dort überraschende Experimente und Wissenschafts-Shows in einem supermodernen Zentrum erleben. Es besteht seit März 2014 und vereint rund 400 interaktive Exponate zur Wissensvermittlung und für Experimente.

Ein Vorbild für eine ähnliche Einrichtung in Görlitz? Ja, befand der Stadtrat schon vor genau einem Jahr. Damals beauftragte er OB Octavian Ursu, zu prüfen, ob und wie ein Experimentierhaus in Görlitz eingerichtet werden kann. Für den Antrag der CDU stimmten neben der Union auch die damalige Bürgerfraktion und die AfD. Die CDU erhofft sich von einem solchen Experimentierhaus eine langfristige positive Beeinflussung der Stadtgesellschaft. Sie will damit junge Familien anlocken.

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Jetzt ist es ein Gemeinschaftsprojekt

Nach einem Jahr ist das Thema nun schon ein wenig konkreter. Es ist mittlerweile ein Gemeinschaftsprojekt der Hochschule Zittau/Görlitz mit der Stadt Görlitz. Hochschulprofessorin Sophia Keil stellte es jetzt im Stadtrat vor. „Ziel ist die Schaffung eines außerschulischen Zukunftslernortes für junge Leute zwischen 13 und 20 Jahren“, sagte sie. In umliegenden Städten wie Zittau, Bautzen und Weißwasser gebe es ähnliche zentrale Pläne, die ab 2023 umgesetzt werden sollen. Hinzu kämen noch dezentrale Angebote wie das Fabmobil, das viel im ländlichen Raum unterwegs ist.

Hauptziel des Experimentierhauses sei es, ergänzende Angebote zu schaffen, vor allem in den sogenannten Mint-Disziplinen, also in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Dabei sei die Verflechtung mit regionalen Unternehmen sehr wichtig. „In urbanen Regionen gibt es schon viele solcher Zentren, bei uns sind sie noch rar“, sagt Sophia Keil. Sie würden aber maßgeblich zur Steigerung der Lebensqualität beitragen – wenn sie so attraktiv sind, dass Jugendliche gern hingehen. „Es soll nichts sein, wo man einmalig hingeht, sondern so fundiert, dass die Jugendlichen regelmäßig kommen“, so die Professorin. Sonst würde es nichts nützen.

Es braucht eine genaue Planung

Allerdings sei es nichts, was sich über Nacht aufbauen ließe: „Das braucht eine genaue Planung.“ Stadt und Hochschule hätten schon viele Partner gewonnen, die sich engagieren möchten, auch eine Bürger- und Schülerbeteiligung ist angedacht. Schon jetzt ist klar: Die Hochschule liefert inhaltliche Angebote der Wirtschafts-, Sozial- und Kulturwissenschaften sowie der Mint-Disziplinen. Deshalb soll das Experimentierhaus in der Nähe des Hochschulcampus’ an der Neiße gebaut werden – möglichst als futuristischer Neubau mit Signalfunktion. Ergänzend seien „touristische Lernangebote“ nach dem Vorbild von iQlandia geplant, zudem soll das Thema Filmstadt als filmisch-kulturelles Nachwuchs-Podium eine Rolle spielen. IHK und Handwerkskammer wollen Handwerk erlebbar machen. Die Angebote sollen auf Deutsch, Polnisch und Englisch sein.

Noch recht offen sind der weitere Zeitplan und die Finanzierung. Zunächst ist eine Zukunftswerkstatt oder Klausurberatung zur Festlegung der Vision, der inhaltlichen Bestandteile und Meilensteine geplant. Nächstes Jahr sollen Marktanalyse und Wirtschaftlichkeitsberechnung folgen. Im Anschluss müssen Finanzierungsquellen erschlossen werden. Mit dem Start eines Architekturwettbewerbes rechnet Sophia Keil frühestens 2023, mit der tatsächlichen Umsetzung in den Jahren darauf. Offenbar ist auch noch nicht ganz klar, ob das Projekt mit Strukturwandelgeldern aus dem Braunkohleausstieg finanziert werden kann. „So etwas ist kein Tagesgeschäft von Hochschulen, wir müssen dafür Gelder einwerben“, erklärte die Professorin im Stadtrat – und fügte hinzu, dass es für ein Projekt schon gelungen sei, Strukturwandelgelder einzuwerben.

OB Ursu zeigt sich begeistert

OB Octavian Ursu zeigte sich im Anschluss an den Vortrag begeistert. „Es ist wichtig, dass Projekte wie dieses vorangetrieben werden, denn Investitionen in die Bildung und Zukunft tragen maßgeblich zu einer hohen Lebensqualität, insbesondere für junge Familien, bei“, schrieb er auf Facebook. Und weiter: „Das Projekt werden wir zusammen mit der Hochschule weiterentwickeln.“ CDU-Stadtrat Gerd Weise wünscht sich derweil in Görlitz eine Universal-Schule, die sich zwischen Oberschule und Gymnasium bewegen soll. Neben einer Werkschule soll diese auch ein Experimentierhaus enthalten, so Weise.

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