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"Weihnachten ist nicht abgesagt"

Eine Weihnachtsmeile auf dem Obermarkt, wenn die Corona- Fälle weniger sind? Das können sich viele Stadträte gerade nicht so richtig vorstellen.

Selbst bei sinkenden Corona-Zahlen können sich Stadträte eine Eislaufbahn derzeit kaum vorstellen.
Selbst bei sinkenden Corona-Zahlen können sich Stadträte eine Eislaufbahn derzeit kaum vorstellen. © André Schulze

Alle zwei Wochen muss der Kulturservice immer wieder aufs Neue über seine Pläne für einen Weihnachtsmarkt nachdenken. Seit im Sommer deutlich wurde, dass ein traditioneller Christkindelmarkt auf dem Untermarkt in der Corona-Pandemie kaum stattfinden kann, verändern sich die Rahmenbedingungen laufend. Und immer zum Schlechteren. 

Gedankenspiele für mögliche Lockerungen

Konnten die Organisatoren um Kulturservice-Chef Benedikt Hummel eine Zeit lang mit 250 Besuchern rechnen, sank die zugelassene Zahl im Oktober auf 100. Jetzt ist gar nichts möglich. Doch wie wird die Lage im Dezember sein? 

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Darum drehen sich nun alle Gedankenspiele beim Kulturservice und in der Görlitzer Politik. Oberbürgermeister Octavian Ursu hatte vor dem Reformationstag erkennen lassen, dass er derzeit noch nicht alles absagen will, um schnell reagieren zu können, wenn Ende November die Infektionszahlen soweit gesunken sind, dass die Regierungschefs der Länder Lockerungen beschließen können.

Für diesen und nur für diesen Fall entwickelte er zusammen mit dem Kulturservice einen Notplan für eine Weihnachtsmeile auf dem mittleren Teil des Obermarktes: abgesperrt, strikte Zählung von Besuchern, hauptsächlich für die Görlitzer. Die Eisbahn, zwei, drei Gastronomie-Stände, bisschen Weihnachtsstimmung mitten in der Stadt. Mehr nicht.

Fraktionschefs skeptisch wegen Corona-Lage

Doch die mächtigen Fraktionschefs sind skeptischer als Ursu und können sich solch eine Weihnachtsmeile nicht vorstellen. Jana Krauß von Motorgrüne ist sich sicher: „Wir brauchen gar nicht weiterzudenken. Die Zahlen werden es nicht möglich machen. Und niemand will Eislaufen.“ Karsten Günther-Töpert (Bürgerfraktion) findet, dass die Eisbahn „am Thema vorbeigeht“. 

Jana Lübeck (Linksfraktion) lehnt solch ein Spektakel ab, es habe keine positive Signalwirkung. Außerdem würden alle aus dem Umland zu dieser Weihnachtsmeile strömen, weil bei ihnen die Märkte abgesagt wurden. Tatsächlich haben Städte und Gemeinden wie Bautzen, Zittau, Niesky, Kodersdorf, Reichenbach oder Herrnhut ihre Weihnachtsmärkte abgesagt. Die CDU äußerte sich gleich gar nicht. So begrüßte allein die AfD die Aussicht auf eine solche Weihnachtsmeile. Für Jens Jäschke ist damit verbunden, dass „wenigstens ein bisschen Freude in der Adventszeit“ entsteht.

Mehr Licht und schönen Adventsschmuck wollen alle

Bei so wenig Unterstützung ließ Ursu gar nicht erst über seine Pläne abstimmen, die auch mit einem Zuschuss an den Kulturservice von 50.000 Euro verbunden wären. Denn der städtischen Firma fehlen bei größerem Aufwand die Einnahmen aus Standmieten, sodass jedes Angebot dazu führt, dass das Unternehmen einen höheren Zuschuss benötigt. 

Stattdessen soll nun Benedikt Hummel noch mal zusammenfassen, was er sich neben der Eisbahn vorstellen kann. An kulturelle Spaziergänge ist gedacht, an eine ausgebaute weihnachtliche Illumination der Stadt. Das können sich die Stadträte auch ganz gut vorstellen.

Entscheidung fällt Ende November

Wenn dann der Verwaltungsausschuss am 27. November erneut darüber berät, weiß man auch bereits, wie sich die Corona-Zahlen entwickelt haben und ob Lockerungen auf Bundes- und Landesebene absehbar sind. OB Octavian Ursu mahnte freilich schon mal: „Weihnachten ist nicht abgesagt.“

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