SZ + Görlitz
Merken

Ziegen am Berzdorfer See erhalten eine eigene Hüpfburg

Bei der bao GmbH in Görlitz werden junge Leute mit Holz kreativ. Ihr neues Werk soll am See Ziegen und Menschen gleichermaßen erfreuen.

Von Ingo Kramer
 3 Min.
Teilen
Folgen
Philipp Knauer (l.) und Phillip Wolf gehören zu den zehn jungen Leuten, die bei der bao GmbH eine Ziegenhüpfburg für die Ziegen am Berzdorfer See gebaut haben.
Philipp Knauer (l.) und Phillip Wolf gehören zu den zehn jungen Leuten, die bei der bao GmbH eine Ziegenhüpfburg für die Ziegen am Berzdorfer See gebaut haben. © Martin Schneider

Eine Ziegenhüpfburg am Berzdorfer See: Das hört sich zuerst nach einer verrückten Idee an. Aber wer jetzt ein Trampolin erwartet, liegt falsch. Stattdessen handelt es sich um eine knapp neun Meter lange Holzkonstruktion, auf der die Tiere nach Belieben herumspringen können. An der Seite sind zudem noch Borsten angebracht, an denen sie sich scheuern können.

„Ziegen klettern gern irgendwo hoch – genau dafür ist die Hüpfburg gedacht“, erklärt Jens Zschech. Er arbeitet seit September als Anleiter bei der bao GmbH an der Cottbuser Straße in Görlitz. Der Firmenname steht für „Bildung, Arbeit, Orientierung“. Junge Leute zwischen 18 und 27 Jahren, die ihren beruflichen Weg noch nicht gefunden haben, können sich hier im Auftrag des Jobcenters wahlweise mit Holz oder Metall ausprobieren. „Es sind keineswegs nur Jugendliche mit schwierigen sozialen Hintergründen“, sagt Marion Reichelt, die Leiterin der Schulungszentren Landkreis Görlitz Nord. Es gebe auch junge Leute, die wohlbehütet aufgewachsen sind, aber einfach über längere Zeit keine Idee haben, welchen beruflichen Weg sie einschlagen wollen. Auf diesem Weg wollen Jobcenter und bao ihnen helfen, indem sie sich einfach mal ausprobieren können.

Beim Holz sind immer zehn junge Leute tätig – derzeit ausnahmslos Männer. „Die Idee für die Ziegenhüpfburg hatten die Jugendlichen selbst“, sagt Zschech. Sie hätten im Internet recherchiert, Bilder von vergleichbaren Anlagen ausgedruckt und mit dem Anleiter abgeklärt, was realistisch machbar ist. Sie schauten selbst, was sie an Material benötigen und wie sie ihre Pläne umsetzen können. Auch beim Bau konnten sie – im Rahmen der realistischen Möglichkeiten – ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Sogar der Name „Ziegenhüpfburg“ war eine Idee der Teilnehmer.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen – und soll wahrscheinlich noch im November im Ziegengehege des städtischen Großvermieters Kommwohnen in der Nähe des Hafens am Berzdorfer See aufgestellt werden. Es soll Ziegen und Menschen gleichermaßen erfreuen: Erstere, weil sie nach Herzenslust darauf herumklettern können und Letztere, weil die Ziegenhüpfburg in unmittelbarer Nähe des Rundwegs aufgestellt werden soll, sodass Seebesucher die Ziegen jederzeit beobachten können.

Filip Dewelk schnitzt bei der bao ein Hinweisschild „Zum Hafen“, das am Berzdorfer See aufgestellt werden soll.
Filip Dewelk schnitzt bei der bao ein Hinweisschild „Zum Hafen“, das am Berzdorfer See aufgestellt werden soll. © Martin Schneider

Die Hüpfburg soll nicht die einzige Attraktion bleiben. „Aktuell arbeiten unsere Jugendlichen an einer zweiten Kletterkonstruktion aus alten Kabelrollen für die Ziegen am See“, erklärt Zschech. Andere Teilnehmer schnitzen Hinweisschilder, beispielsweise mit der Inschrift „Zum Hafen“. In der Vergangenheit hat die bao auch schon Sitzbänke für Menschen am See aufgestellt, weitere sollen noch hinzukommen. „Und neben dem Hafencafé wollen wir einen hölzernen Leuchtturm mit Sitzgelegenheiten drumherum bauen“, so der Anleiter. Für die Jugendlichen stellen solche Bauten Erfolgserlebnisse dar, weil sie mit eigenen Händen etwas schaffen, was hinterher genutzt wird und andere erfreut.

„Wir suchen immer wieder nach Kooperationspartnern, für die wir tätig werden können“, sagt Marion Reichelt. Bedingung des Jobcenters: Es müssen Dinge entstehen, die hinterher im öffentlichen Raum stehen – und nicht beispielsweise im Garten eines Einfamilienhauses. „Kommwohnen haben wir einfach mal angesprochen – und das Unternehmen war sehr interessiert“, freut sich die Leiterin. Neue Partner können sich immer bei ihr melden.