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Friedhof Görlitz: Mensch und Tier im gemeinsamen Grab

Görlitz war Vorreiter, bald zieht Dresden nach. Der Zuspruch in Görlitz ist aber noch überschaubar.

Evelin Mühle, Leiterin des Görlitzer Friedhofs, auf dem Grabfeld für Mensch und Tier auf dem Görlitzer Neuen Friedhof.
Evelin Mühle, Leiterin des Görlitzer Friedhofs, auf dem Grabfeld für Mensch und Tier auf dem Görlitzer Neuen Friedhof. © Martin Schneider

Wolfram Petzold kommt in diesem Jahr nicht zum ersten Mal an das Grab seiner Mutter, aber heute will er pflanzen. Bislang war er immer nur für einen kurzen Besuch auf dem Friedhof. Zwar blühen dort mehrjährige Stauden, aber der Görlitzer möchte die Ruhestätte seiner Mutter mit einjährigen Blumen noch mehr verschönern. Das tut er gern. Für seine Mutter und in der Gewissheit, dass das Grab die Aufmerksamkeit von Friedhofsbesuchern hat: Auf diesem kleinen Areal des Städtischen Friedhofs Görlitz gibt es bisher nur vier Grabstellen für jeweils zwei Urnen und zwei Grabbeigaben.

Dieser idyllische Ort, eingerahmt von Bäumen, einem steinernen Tisch und einer Holzbank, ist das Grabfeld für Mensch und Tier. Hier können Menschen und ihre geliebten Haustiere gemeinsam bestattet werden.

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Görlitzer Friedhof als Vorreiter in Sachsen

Möglich ist das in Görlitz seit dem Frühjahr 2017 mit der Verabschiedung der Friedhofssatzung durch den Stadtrat. Mit dem Grabfeld für Mensch und Tier ist Görlitz Vorreiter in Sachsen gewesen. Demnächst will auch die Stadt Dresden auf dem Heidefriedhof eine etwa 300 Quadratmeter große Fläche dafür anbieten, denn es gibt hin und wieder Anfragen dazu. Der Stadtrat Dresden muss darüber noch entscheiden. Erste Beratungen deuten auf einen positiven Ausgang hin. Vor vier Jahren war ein erster Versuch dazu in der Landeshauptstadt noch gescheitert. Für den erneuten Anlauf holten sich die Dresdener Rat in Görlitz und schauten sich das Grabfeld auf dem städtischen Friedhof an.

Evelin Mühle, die Leiterin des städtischen Eigenbetriebes Friedhof Görlitz, hatte damals die Idee, in der Neißestadt ein solches Angebot zu unterbreiten. Zuvor holte sie sich juristischen Rat. "Rechtlich gesehen handelt es sich um einen Gegenstand - Tierasche in einem Behältnis, mehr nicht" erklärt die Friedhofsleiterin. Großen Widerstand gegen das Vorhaben gab es in Görlitz nicht, lediglich die katholische Kirche fand die Idee von gemeinsamer Bestattung von Mensch und Tier in einer gemeinsamen Urnengrabstätte nicht gut.

Alte Grabstelle mit Engel auf dem Städtischen Friedhof Görlitz. Der Friedhof gleicht einem weitläufigen Park. Nur etwa 40 Prozent der Fläche werden derzeit für Grabfelder genutzt.
Alte Grabstelle mit Engel auf dem Städtischen Friedhof Görlitz. Der Friedhof gleicht einem weitläufigen Park. Nur etwa 40 Prozent der Fläche werden derzeit für Grabfelder genutzt. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Streng genommen ist die Urne mit der Asche des Tieres eine Grabbeigabe. "Grabbeigaben sind Dinge, die beispielsweise als Kleidung oder Schmuck am Toten bleiben oder mit ihm ins Grab gegeben werden", erläutert Evelin Mühle. "Es können aber auch eine Kinderzeichnung für den Großvater, ein Stein vom letzten gemeinsamen Urlaub, ein Foto oder eben die Urne mit der Asche eines Tieres sein."

So, wie sich die Bestattungswünsche der Menschen verändern, öffnet sich auch der Friedhof Görlitz neuen Ideen. Das Grabfeld für Mensch und Tier ist nur eine davon. Vielen Menschen ist ihr Haustier sehr ans Herz gewachsen, sodass sie sich vorstellen können, an einer Stelle auf dem Friedhof gemeinsam die letzte Ruhestätte zu teilen. "Auch die Hinterbliebenen verbinden häufig mit dem Tier und seinem ehemaligen Herrchen oder Frauchen Emotionen und Erinnerungen an das Leben mit einem liebgewordenen Begleiter", sagt Evelin Mühle.

Nur die Tierasche darf mit ins Grab, kein toter Tierkörper

Wie bei allen Wahlgrabstellen auf dem Görlitzer Friedhof beträgt das Nutzungsrecht für die besondere Grabart für Mensch und Tier 25 Jahre. Innerhalb dieser Zeit können zwei Urnen von Menschen und zwei Grabbeigaben bestattet werden. "Die Beisetzung eines toten Tierkörpers ist jedoch nicht erlaubt", betont Frau Mühle, "lediglich die Asche des Tieres in einer Urne." Das nächstgelegene Haustierkrematorium befindet sich übrigens in Dresden. Dort bietet die Rosengarten-Tierbestattung in der Quohrener Straße unter anderem die Einäscherung von Haustieren an.

"Mitarbeiter in Tierarztpraxen sind sicher behilflich, wenn das Haustier gestorben ist", sagt Evelin Mühle. Sie selbst und die Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung geben gern Auskunft über Fragen im Zusammenhang mit einer Bestattung, auch auf dem Grabfeld Mensch und Tier.

Erste Katze auf dem Grabfeld bestattet

Drei der vier Grabstellen auf diesem Grabfeld sind mittlerweile belegt. Vor wenigen Wochen wurde Katze Nelli in einem der Gräber beigesetzt.

Zwei der drei belegten Grabstellen tragen Grabsteine, eine ist noch ohne Gedenkstein, eine weitere Stelle ganz frei, sodass dort das Gras in Ruhe wachsen kann. Evelin Mühle weiß, dass das Grabfeld für Mensch und Tier das Problem der vielen freien Flächen auf dem Görlitzer Friedhof nicht löst. Aber als die Satzung damals im Februar 2017 verabschiedet wurde, staunte sie, als schon wenige Tage später Wolfram Petzold in der Verwaltung vorsprach und nach eben so einer Grabstelle fragte.

Der heute 57-jährige Görlitzer hatte damals von dem neuen Angebot gehört und mit seiner Mutter gesprochen, ob sie sich vorstellen könnte, dass sie und er und die beiden Rassekatzen dereinst gemeinsam in einem Grab zur ewigen Ruhe kommen. Die Mutter war sehr aufgeschlossen für diese Idee und sagte zu. Wenige Tage später starb sie. Wolfram Petzold hielt sich an die Abmachung und pflegt seither das Grab. Seine beiden Britisch-Kurzhaar-Katzen werden wie er selbst irgendwann auch dort begraben. Vorerst erfreuen sich die neun- und zwölfjährigen Stubentiger allerdings bester Gesundheit. Und auch Wolfram Petzold will nicht klagen.

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