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Vincent kämpft um sein Leben

Die Kicker des Holtendorfer SV bangen um ihren Mitspieler. Er glaubte, den Blutkrebs besiegt zu haben. Doch jetzt braucht er erneut dringend Hilfe.

Vincent ist Amateurfußballer beim Holtendorfer Sportverein. Jetzt kämpft er aber nicht um Tore und Punkte, sondern um sein Leben. Der 27-Jährige hat Leukämie.
Vincent ist Amateurfußballer beim Holtendorfer Sportverein. Jetzt kämpft er aber nicht um Tore und Punkte, sondern um sein Leben. Der 27-Jährige hat Leukämie. © Holtendorfer SV

Vor anderthalb Jahren der Schock für Vincent J. aus dem Görlitzer Umland: Leukämie. Die üblichen Behandlungen starteten. Nach einer eigentlich erfolgreichen Stammzellspende ist es seit wenigen Tagen Gewissheit - der Krebs ist zurück.

Nun beginnt erneut die Behandlung des 27-Jährigen, deren Bestandteil eine Stammzellspende ist. Vincents Schwester Karoline, die damals  Stammzellen spendete, kommt diesmal nicht mehr in Betracht. Ihre Zellen stieß Vincents Immunsystem schließlich ab. Es muss ein neuer Spender gefunden werden. 

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Nur der genetische Zwilling kann helfen

Doch das ist nicht so einfach. Zwar gibt es deutschland- und weltweit eine Datei mit Millionen möglichen freiwilligen Spendern. Aber den passenden zu finden, ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Für eine Spende müssen die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger genau übereinstimmen. Nur der genetische Zwilling kommt für eine Spende in Frage. Mitunter passen die Stammzellen von Geschwistern, aber nicht immer - wie im Fall von Vincent und Karoline.

Dennoch soll nichts unversucht bleiben. Vincents Sportfreunde vom Holtendorfer Sportverein, wo er als Amateurfußballer spielt, rufen deshalb auf, sich in der deutschen Knochenmark-Spenderdatei (DKMS) registrieren zu lassen. Claudia Pieknik, die Sprecherin des Vereins, hofft wie die anderen Sportfreunde darauf, dass möglichst bald ein geeigneter Spender gefunden wird. 

Fußballer vom Holtendorfer SV unterstützen ihren Mitspieler Vini. Sie rufen dazu auf, sich bei der DKMS zu registrieren, um möglichst bald einen passenden Stammzellenspender zu finden.
Fußballer vom Holtendorfer SV unterstützen ihren Mitspieler Vini. Sie rufen dazu auf, sich bei der DKMS zu registrieren, um möglichst bald einen passenden Stammzellenspender zu finden. © Holtendorfer SV

Lebensretter für Vincent oder einen anderen Menschen

Karoline J., die Schwester des erkrankten Fußballers, bittet im Namen der Familie darum, sich als möglicher Spender registrieren zu lassen. Das Ganze sei sehr einfach, sagt sie und beschreibt: "Ihr geht auf die Internetseite und registriert euch über den grünen Button. In der Folge wird euch ein Stäbchen zugesandt, mit welchem ihr einen Abstrich in der Mundregion entnehmen könnt. Das ist unkompliziert und geht schnell. Das Stäbchen sendet ihr gemeinsam mit der bereits vorgefertigten Rücksendeverpackung zurück und seid damit registriert." 

Und wer weiß, vielleicht wird der registrierte Spender schon bald zum Lebensretter. Vielleicht nicht für Vincent J., möglicherweise aber für einen anderen an Blutkrebs leidenden Menschen. Weltweit erkrankt heute nämlich alle 35 Sekunden ein Mensch an Leukämie. Für viele Betroffene ist eine Stammzellspende die einzige Chance auf Heilung.

Und so hofft auch Vincent J. auf seinen genetischen Zwilling. Denn er hat noch viel vor. Nicht nur beim Holtendorfer SV. Er möchte auch seine Ausbildung im sozialmedizinischen Bereich abschließen. Wegen der Erkrankung vor anderthalb Jahren hatte sich deren Abschluss bis jetzt hinausgezögert. 

Aufruf der Kicker an die Bürger, sich bei der DKMS testen zu lassen.
Aufruf der Kicker an die Bürger, sich bei der DKMS testen zu lassen. © Holtendorfer SV

Jeder Gesunde zwischen 17 und 55 kann spenden

Grundsätzlich kann jeder gesunde Mensch, der zwischen 17 und 55 Jahren alt ist, Stammzellspender werden. Nur ein Drittel der Patienten findet innerhalb der eigenen Familie einen geeigneten Spender. Der Großteil der Erkrankten benötigt einen Spender, mit dem er nicht verwandt ist. Noch immer findet aber jeder zehnte Patient in Deutschland gar keinen passenden Spender. Das ist der Grund, weshalb so viele freiwillige Stammzellspender benötigt werden - je größer die Auswahl, desto höher die Chance, den genetischen Zwilling zu finden.

Für Menschen aus dem Landkreis Görlitz ist so ein Aufruf zur Registrierung in der Knochenmarkspenderdatei nichts Neues. 2018 beispielsweise ließen sich mehr als 1.500 Menschen aus dem Kreisgebiet als Stammzellspender registrieren. Sie wollten dem Bernstädter Jungen Ben Tasche helfen. Seine Kameraden von der Jugendfeuerwehr hatten damals die Typisierungsaktion für den an Leukämie erkrankten Jungen initiiert. Einen Stammzellenspender brauchte er am Ende zwar dann doch nicht, weil die Medikamente gut anschlugen. Heute geht es dem Jungen gut.

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