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Die Gasspürer sind in Görlitz unterwegs

Die Stadtwerke lassen regelmäßig das Gasnetz in Görlitz überprüfen - obwohl die Störquote gering ist. Doch wie geht das eigentlich?

Alexander Höer ist Gasnetzprüfer. Hier ist er auf der Görlitzer Friesenstraße unterwegs.
Alexander Höer ist Gasnetzprüfer. Hier ist er auf der Görlitzer Friesenstraße unterwegs. © Martin Schneider

Wandern ist nicht das liebste Hobby von Alexander Höer. Denn das macht der 33-Jährige für gewöhnlich während der Arbeitszeit. Der Mann ist ein "Gasspürer" - er ist zu Fuß in Städten und Gemeinden unterwegs und spürt als Gasnetzprüfer Gaslecks auf.

Alexander Höer hat dafür nicht etwa ein besonders feines Näschen, sondern technische Hilfe.

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Keine Extrakosten für Gaskunden

Mit dem Gasspürgerät, einem kleinen Kasten am Gürtel, ist er entlang der Gas-Trassen unterwegs. Wo genau er laufen muss, zeigen ihm Karten auf seinem Laptop an, den er am Gurt um den Hals trägt. Doch der Mann von der Dresdener Niederlassung der SPIE-Gruppe Deutschland muss genau hinschauen, wie er die Teppichsonde auf dem Boden führt. "Das Erdgas durchdringt nicht den Asphalt, unter dem die Gasrohre oft liegen, es sucht sich immer den geringsten Widerstand. Also muss ich mir eine Messstelle suchen, aus der Gas austreten kann", erklärt er. Das sind beispielsweise Gullys oder Dehnungsfugen im Asphalt, oder eben eine Fuge zwischen Asphalt und Bordstein oder die Sandfläche neben dem Asphalt.

Alexander Höer findet die richtigen Stellen. Mehr als sieben Jahre arbeitet er für SPIE und hat Erfahrung. Der gelernte Straßenbauer lernte die Gasnetzprüfung von der Pike auf. "Zunächst ging ich mit einem erfahrenen Gasnetzprüfer ein Jahr lang mit, nachdem ich einen Lehrgang dafür absolviert hatte", erzählt er. Danach kam noch ein Lehrgang des DVGW, des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches. "Der endete dann mit einer sehr anspruchsvollen Prüfung", berichtet Alexander Höer. Doch er bestand sie.

Das Unternehmen SPIE ist im Auftrag der Stadtwerke Görlitz (SWG) unterwegs und spürt derzeit in der Stadt und den Ortsteilen Lecks auf. Für die Gasnetzprüfung fallen für die Gaskunden übrigens keine Extrakosten an.

Erdgas ist leichter als Luft

Dabei wird nicht jeder der insgesamt 300 Kilometer Gasleitung in Görlitz tatsächlich einmal im Jahr auf Dichtheit geprüft. Volker Horter, der Koordinator für das Gas- und Trinkwassernetz bei den Stadtwerken, erklärt: "Hochdruck-Gasleitungen werden jedes Jahr kontrolliert. Das sind etwa 13 Kilometer insgesamt. Auch sensible Leitungen, darunter noch die alten, kommen öfter dran. Aller vier Jahre ist das Görlitzer Gasnetz komplett überprüft."

Die Störquote ist dabei sehr gering. "Das liegt daran, dass wir in der Vergangenheit viel in das Gasnetz investiert und erneuert haben", erklärt Volker Horter. Das Prüfgerät entdeckt austretendes Gas selbst in geringer Dosis. Ein Mensch würde diese Dosis niemals riechen. Bis zu vier ppm spürt es auf. Das heißt, das Gerät ist so empfindlich, dass es bereits bei vier Teilen von einer Million Teilen des Erdgases anschlägt.

Nur wenige Lecks findet der Gasnetzprüfer in Görlitz. Wenn doch, werden Sondenlöcher gebohrt und die Konzentration des ausgetretenen Gases gemessen. Wie schnell gehandelt werden muss, hängt von der Gefährdung ab. Erdgas ist leichter als Luft, es steigt also nach oben. Sammelt sich das Erdgas in Hohlräumen oder ist ein Hohlraum in der Nähe, wo es sich sammeln könnte, ist Gefahr im Verzug. Es könnte zur Explosion kommen. Hier wird sofort gehandelt. Im letzten Spätsommer fanden die Gasnetzprüfer beispielsweise an der Jägerkaserne in Görlitz eine undichte Leitung, was zu einer sofortigen Baustelle und der Reparatur der Gasleitung führte, informiert Volker Horter.

Viel öfter komme es vor, dass Gasleitungen durch äußere Einflüsse beschädigt werden, beispielsweise durch Schachtarbeiten. Zwar gibt es dafür Schachtpläne, aber nicht jeder Bauherr besorgt sie sich. "Dabei ist das ganz einfach", informiert Sacha Caron, Vertriebsleiter und Prokurist bei den Stadtwerken. Über die Homepage der SWG kann die Leitungsauskunft online angefordert werden.

Hier liegt die Gasleitung unter dem Fußweg.
Hier liegt die Gasleitung unter dem Fußweg. © Martin Schneider

Bei Regen ist keine Messung möglich

Vor allem für anstehende Bauarbeiten ist das Wissen um vorhandene Gasleitungen wichtig. Wer wüsste das nicht besser als Alexander Höer. Bei seinen Prüfungen untersucht er Gasleitungen bis zum Hausanschluss. Dort muss er immer wieder feststellen, dass Gasleitungen überbaut wurden, beispielsweise mit Carports oder Garagen. Oder Wurzeln von Bäumen bedrohen die Leitung. Das alles ist jedoch nicht statthaft. "Dann müssen Hauseigentümer und Stadtwerke Lösungen finden. Schließlich geht es um die Sicherheit der Menschen", erklärt Karsten Börner, Projektleiter bei SPIE.

Er erklärt auch, warum sich die Gasspürer im Vorfeld nicht bei den Hauseigentümern anmelden: "Die Messungen sind nur möglich, wenn es nicht regnet. Durch das Regenwasser wird der Boden versiegelt, Gas dringt nicht aus dem Boden." Der regenreiche Sommer war für die Gasnetzprüfer besonders hinderlich. Noch eine Sorge treibt den Projektleiter um: Mitunter gibt es Hauseigentümer, die den Prüfern den Zugang zum Grundstück verweigern. "Die Menschen sind vorsichtig geworden, denn oft sind Gauner als Trittbrettfahrer unterwegs", sagt er. Alexander Höer kennt das auch. Dennoch ist er gern in der Oberlausitz als Gasspürer unterwegs. "Die Oberlausitzer sind zum überwiegenden Teil sehr freundlich. Vielleicht ist auch mein Dialekt von Vorteil", sagt der gebürtige Löbauer.

An Gasgeruch kann man sich gewöhnen

Auf eine Besonderheit weist Volker Horter hin: An den Gasgeruch kann man sich gewöhnen, man nimmt ihn nicht mehr wahr. Vielleicht auch deswegen müssen die Mitarbeiter des Görlitzer Gas-Stördienstes häufig zu Weihnachten ausrücken, weil der Weihnachtsbesuch feststellt: "Bei euch riecht es nach Gas."

Alexander Höer hat ähnliche Erfahrungen. Immer wieder bekommt er zu hören. "Ach, bei uns im Keller riecht es immer bissel nach Gas." Dann weist er darauf hin, die Gasanlage überprüfen zu lassen. Ein solcher Check durch eine zugelassene Installationsfirma ist aller zwölf Jahre sogar vorgeschrieben. Für die Gasnetzprüfer ist jedoch außen am Hausanschluss Schluss.

Hinweis: Bei Gasgeruch können sich Görlitzer Bürger rund um die Uhr an die Störungshotline der Stadtwerke wenden, Telefon 03581 33555.

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