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Gastwirte zwischen Sorgen und Weihnachtsgans

Einige Wirte liefern aus, bei anderen können Kunden Essen abholen. Doch den Umsatz vom Vorjahr erreicht keiner.

Vorigen Montagabend trafen sich einige Gastronomen auf dem Görlitzer Untermarkt und stellten leere Stühle auf. Sie wollten nicht mehr kommentarlos hinnehmen, dass sie trotz Hygienekonzepten wieder schließen mussten.
Vorigen Montagabend trafen sich einige Gastronomen auf dem Görlitzer Untermarkt und stellten leere Stühle auf. Sie wollten nicht mehr kommentarlos hinnehmen, dass sie trotz Hygienekonzepten wieder schließen mussten. © Foto: Danilo Dittrich

Ente, Gans, Wildschwein, Rinderroulade, Lammgeschnetzeltes und vegetarischer Auflauf: Im Schankhaus „Zum Nachtschmied“ in der Görlitzer Altstadt haben die Kunden die Qual der Wahl. Jedenfalls vom 18. Dezember bis 1. Januar. „Es gibt schon einige Vorbestellungen, hauptsächlich für den 25. und 26. Dezember“, freut sich Inhaberin Jeannette Scholz. Die meisten lassen sich das Essen nach Hause liefern, einige holen es auch bei ihr ab.

Trotzdem: Wirklich zufrieden ist die Chefin mit dem Geschäft in Corona-Zeiten nicht. „Etwa die Hälfte unseres Umsatzes büßen wir ein“, sagt sie. Ganz mies sieht es abends aus. Dann nämlich bestellen die Görlitzer kaum. Der Abend war in anderen Jahren eher die Zeit der Touristen, doch davon gibt es dieses Jahr keine. „Insgesamt ist es frustrierend“, sagt Jeannette Scholz.

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Geöffnet, um im Gespräch zu bleiben

René Vetter vom Gasthof „Am Markt“ in Diehsa wählt ein noch drastischeres Wort: „Katastrophe“. Er liefert nicht aus, sondern setzt auf Abholung durch die Kunden. „Über Weihnachten sind wir relativ gut gebucht“, sagt er. Aber an anderen Tagen deckt es die Unkosten nicht. Geöffnet hat er derzeit eigentlich nur, um im Gespräch zu bleiben. Und für die Stammkunden, die regelmäßig kommen. So wie alle Wirte, die die SZ am Dienstag befragt hat, hat auch er die staatliche November- und Dezemberhilfe beantragt. Erhalten aber hat er noch nichts. Und es sei auch nicht so, dass die Gastronomen automatisch 75 Prozent ihres Vorjahresumsatzes erhalten. „Das, was wir aktuell verdienen, wird zum Beispiel gegengerechnet“, sagt Vetter.

Ganz anders ist die Lage im Steakhouse Amadeus in Görlitz-Rauschwalde. Es gehört zu den wenigen, die die erste Abschlagszahlung schon erhalten haben. „Es ging ganz schnell“, freut sich Inhaber Dirk Kretschmer: „Sonnabend beantragt, Dienstag war die erste Rate da.“ Auch für Weihnachten sieht es bei ihm gut aus: „Wir haben für den 25. und 26. Dezember insgesamt schon 150 Essen verkauft, aber das wird sicher noch mehr“, sagt er. Den Advent über hat er hingegen geschlossen: „Es bringt nichts, wir haben es durchgerechnet.“ Seinen Angestellten bezahlt er trotzdem das volle Gehalt – und ist optimistisch, gut durch die Corona-Zeit zu kommen.

Geld vom Staat ist schon da

Ähnlich gut läuft es im Restaurant & Pension Sonntag in Niesky. Auch dort ist schon „ein guter Teil der Novemberhilfe angekommen“, sagt Inhaberin Katharina Sonntag. Bei ihr können die Kunden derzeit Essen abholen. Wem das nicht möglich ist, der bekommt es geliefert. „Am Wochenende läuft es relativ gut, unter der Woche ist die Nachfrage geringer“, sagt sie. An den beiden Weihnachtsfeiertagen werde sie auf jeden Fall gut zu tun haben, das zeigen die Vorbestellungen für Ente, Gans, Wild, Fisch und andere Hauptgerichte. Am 26. Dezember kochen Sonntags auch abends. „Unter den aktuell schwierigen Bedingungen ist der Umsatz okay, aber die Zahlen der anderen Jahre erreichen wir nicht“, sagt Katharina Sonntag.

Auch im Filetto in der Görlitzer Altstadt können sich die Kunden Essen abholen, geliefert wird aber nicht. Vor allem Stammkunden nutzen das Angebot. Das Filetto soll geöffnet bleiben, solange es erlaubt ist. Einfach sei die Situation aber nicht.

Café schließt und renoviert

Noch schwieriger ist es für Cafés wie beispielsweise das „Cafè Kränzel“ in der Görlitzer Altstadt. „Wir haben uns gegen einen Verkauf außer Haus entschieden“, sagt Inhaber Thomas Bednarek. Als Café lohne es sich einfach nicht – zumal derzeit in der Altstadt nur wenige Passanten unterwegs sind. Er nutzt die Zeit jetzt stattdessen, um seine Räume zu renovieren. Und er gibt sich entspannt: „Ich verfalle nicht in Panik. Wir haben schon viel überlebt, das Flutjahr, die Sanierung der Neißstraße. Da werden wir auch Corona überstehen.“ November- und Dezemberhilfe hat auch er beantragt, aber noch nicht erhalten.

Keine Chance für Veranstaltungen

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Letzteres trifft auch auf Valentin Klepatzki und seinen Gerichtskretscham Kunnersdorf zu. Für ihn ist die jetzige Zeit besonders schwer, denn seine Hauptstandbeine sind Veranstaltungen sowie Buffets außer Haus. Beides ist weggebrochen und Klepatzki kann auch schwer planen, weil niemand weiß, wann es wieder möglich ist – und weil derzeit ohnehin niemand Eintrittskarten kaufen würde. Das eigentliche Essen im Gasthaus ist ein Geschäft, das sich allein nicht rechnet. Unter Corona-Bedingungen erst recht nicht. Im Advent hat er Sonnabendabend und Sonntagmittag geöffnet, an den beiden Weihnachtsfeiertagen von 11 bis 14 Uhr. Zu Weihnachten verkauft er normalerweise über 200 Essen pro Tag. Aktuell sind es etwa 30 Vorbestellungen pro Tag. Er hofft, dass die Zahl noch steigt. Leckereien wie zum Beispiel Gans, Ente und Wildschwein stehen auch auf seiner Karte.

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