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Gastronomie am Berzi: Nur zwei öffnen auch im Winter

Zwei neue Gastronomen blieben nur kurz am Berzdorfer See, andere sind zufrieden. Aber Gäste und Anbieter eint der Ärger über die Infrastruktur am See.

Von Gabriela Lachnit
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Bernd und Martina Otto betreiben die Milchbar am Berzdorfer See. Im Winter ist sie am Wochenende geöffnet.
Bernd und Martina Otto betreiben die Milchbar am Berzdorfer See. Im Winter ist sie am Wochenende geöffnet. © SZ-Archiv

Die Saison am Berzdorfer See ist beendet. Die meisten Imbissanbieter haben ihre Pavillons winterfest gemacht. Nur wenige Gastronomen wollen im Winter ihre Stände öffnen.

Dazu gehören Martina und Bernd Otto. Sie betreiben in Höhe Deutsch Ossig am See die Milchbar Otto. Die Görlitzer wagten im letzten Winter den Versuch und luden zu Glühwein und Imbiss zum Mitnehmen ein. "Das lief gut, sodass wir ab Mitte November an den Wochenenden erneut öffnen", sagt Bernd Otto.

Zwei neue Anbieter blieben nicht lange

Die abgelaufene Saison sei sehr schön gewesen, weil die Milchbar gut besucht wurde. "Das ging schon Mitte Februar los, weil die Leute einfach wieder rauswollten", erklärt Otto. Ralf Richter vom gegenüberliegenden Carari dagegen will eigentlich nichts sagen. Für ihn war es eine normale Saison, sagt er trotzdem.

Im Frühsommer wollten auf dem Carari-Grundstück zwei Gastronomen die Vielfalt am See erweitern. "Czarna Caffka" bot Kaffeespezialitäten und Kuchen an. So hatten das Aleksandra Pierzchaltka- Grzelak und ihr Mann geplant. Sie betreiben in Zgorzelec ein Café.

Der Biergarten bei Carari lädt zum Sitzen mit Seeblick ein.
Der Biergarten bei Carari lädt zum Sitzen mit Seeblick ein. © SAE Sächsische Zeitung

Doch schon bald war "Czarna Caffka" wieder weg. Ein weiterer polnischer Anbieter scheiterte ebenfalls. Krzystof Knapik hatte einen schönen Stand errichtet. Waffeln und verschiedenes Eis wollte er verkaufen. Wohin und vor allem warum sie so schnell wieder verschwanden, darüber wollte Ralf Richter nichts sagen. Schließlich war er es, der die beiden Anbieter in Polen kennengelernt und ihnen auf seinem Gelände einen Standplatz angeboten hatte.

Ein Kontakt zu den polnischen Anbietern kam für die SZ nicht zustande. Ralf Richters Versuch, den "See bei uns in Deutsch Ossig ein bisschen zu beleben", ist offenbar gescheitert.

Krzysztof Knapik probierte es mit Waffeln und Eis - aber nach wenigen Wochen war sein Imbissstand wieder weg.
Krzysztof Knapik probierte es mit Waffeln und Eis - aber nach wenigen Wochen war sein Imbissstand wieder weg. © Martin Schneider

Viele Gäste aus Tschechien wollen surfen

Ronny Hasler, der Brandenburger, ist derzeit wieder in seiner Heimat. Die Bilanz des Betreibers der Strandoase am Nordstrand: "Es waren weniger Gäste da als 2020", sagt er. "Die Leute verreisen wahrscheinlich wieder mehr."

Die große Verunsicherung und das Chaos bei den Corona-Regeln zur Saisoneröffnung hätten wohl auch ihren Anteil an weniger Besuchern gehabt, schätzt Hasler ein. Erst im Juli und August hätten sich die Gästezahlen auf das erwartete Maß eingestellt. Vor allem Görlitzer und Gäste aus Tschechien seien dagewesen.

Hafencafé als Treffpunkt für Stammgäste

Auf Gäste aus Tschechien setzt auch René Freigang. Er betreibt die Strandbar am Nordost-Strand. 30 Prozent seiner Gäste kommen aus diesem Nachbarland, etwa jeweils zehn Prozent aus Polen und Touristen, die andere Hälfte sind Görlitzer. Die Saison 2021 sei super gewesen. Nur im August hätte das Regenwetter für mehrere Schließtage gesorgt. Zum Saisonabschluss am letzten Wochenende kamen zur Halloween-Party noch einmal um die 200 Kinder. Im nächsten Jahr geht die Strandbar wieder an den Start, schließlich gibt es einen Pachtvertrag über drei Jahre mit der Stadt Görlitz, der das Grundstück gehört.

"Im Hafencafé hatten wir ein gutes Jahr", sagt Kommwohnen-Sprecherin Jenny Thümmler. Zwar kamen wegen Corona weniger Gäste als ein Jahr zuvor, aber die Zahl der Stammgäste nehme zu. Vor allem für Menschen aus Hagenwerder und Tauchritz sei das Hafencafé ein beliebter Treffpunkt - und für Touristen. Das von der Wohnungsgesellschaft betriebene Café ist in der Wintersaison an den Wochenenden geöffnet.

Die Saison an der Blauen Lagune will der Gemeinderat Schönau-Berzdorf in seiner nächsten Sitzung auswerten. Eine Vorab-Information war nicht zu bekommen.

Alle haben das gleiche Problem

So unterschiedlich die Einschätzung der Imbiss-Betreiber auch sein mag, in einem stimmen sie überein: Die Situation mit Trink- und Abwasser sowie Strom am See ist unmöglich. Während Bernd Otto froh ist über einen Trinkwasseranschluss an der Milchbar, schleppt René Freigang in der Saison täglich mehr als 100 Liter Trinkwasser zur Strandbar.

In der Strandoase gibt es einen Stromanschluss, den sich der Pächter selbst heranholte, wie er sagt. Eine kurzfristige Änderung betreffs der Medienversorgung für Gastronomen am See werde es aber nicht geben, erfuhr die SZ auf Nachfrage aus dem Rathaus.

Und noch eins ärgert die Macher am See: die Situation mit den öffentlichen Toiletten. René Freigang hätte sich eine längere Standzeit der zusätzlichen WC-Anlage am Nordoststrand gewünscht. Das soll für das nächste Jahr berücksichtigt werden, heißt es aus dem Görlitzer Amt für Stadtentwicklung.

Allerdings löst das das Toilettenproblem nicht. Es gibt einfach zu wenige und dann stehen sie am falschen Ort. Ronny Hasler werde immer wieder gefragt, warum die öffentliche Toilette so weit vom Nordstrand entfernt liege. Eine Antwort darauf hat er nicht.

Das Hafencafé am Berzdorfer See beendete die Sommersaison und ist bis März nur an den Wochenenden geöffnet.
Das Hafencafé am Berzdorfer See beendete die Sommersaison und ist bis März nur an den Wochenenden geöffnet. © Martin Schneider

Die Infrastruktur lässt zu wünschen übrig

Auch das Müllproblem am See bleibt ungeklärt. Die Stadtreinigung war in dieser Saison täglich etwa fünf Stunden auf Flächen unterwegs, die die Stadt bewirtschaftet. Doch nicht nur Bernd Otto wünscht sich mehr Möglichkeiten für Seebesucher, ihren Müll zu entsorgen. Er weiß, dass Papierkörbe und Müllcontainer immer auch Menschen anlocke, die ihren Hausmüll in diese Behältnisse entsorgen. Er ist es aber leid, täglich fremden Müll, der in seine Tonnen geworfen wird, auf eigene Kosten zu entsorgen. Nimmt er die Tonnen weg, liegt der Müll vor dem Imbissstand.

Dass die Infrastruktur am Berzi großen Nachholebedarf hat, erfährt René Freigang von jedem Touristen, der mit Wohnmobil anreist. "Jeder freut sich über den schönen See, aber jeder klagt darüber, dass es keine Entsorgungsmöglichkeit für die Campingtoiletten gibt und auch Tankmöglichkeiten für Trinkwasser und Strom fehlen", erklärt er.

Oberbürgermeister Octavian Ursu wollte deswegen bereits zu Saisonbeginn in diesem Jahr eine Lösung. Im Rathaus sind die wachsenden Unterhaltsarbeiten am See seit geraumer Zeit bereits ein Thema. Doch bislang scheiterten alle Versuche, möglichst kostengünstig das Problem zu lösen. Ideal wäre eine Firma, die sich um die tausend Dinge während der Saison kümmert. Das fängt vom Gras mähen an und hört beim Müll noch nicht auf.