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Görlitz hat einen Nachtclub weniger

Ein Döner-Imbiss zieht ins frühere „La Notte“ auf der oberen Berliner Straße. Drinnen ist alles neu. Am Freitag eröffnet er.

Mehmet Ates steht in seinem neuen Döner-Lokal auf der Berliner Straße 32. Ab Freitag hat er geöffnet.
Mehmet Ates steht in seinem neuen Döner-Lokal auf der Berliner Straße 32. Ab Freitag hat er geöffnet. © Martin Schneider

Mehmet Ates ist startklar. Schon vor zwei Monaten hat er seinen Mini-Imbiss „Berliner Döner“ auf der oberen Berliner Straße, gleich neben der Konditorei Kretschmer, geschlossen. Er hat die Zeit seither genutzt, um sein neues Lokal auf der anderen Straßenseite vorzubereiten.

„Wir haben alles neu gemacht, mit Firmen und viel Eigenleistung“, sagt der 32-Jährige stolz. Fußböden, Wände, Möbel, alles neu. Zahlreiche großformatige Görlitz-Fotos wurden am Dienstag geliefert, dazwischen hängt eine riesige Wandmalerei von einem jungen Görlitzer Künstler. Sie zeigt das Brandenburger Tor in Berlin. Schließlich heißt der Laden „Berliner Döner“, weil er auf der Berliner Straße zu finden ist. An diesem Freitag eröffnet er.

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Ein Haus mit langer Geschichte

Doch die Berliner Straße 32, für die sich Ates entschieden hat, ist nicht einfach irgendein Haus. Das Gebäude hat Geschichte. Im Hinterhaus war einst das Capitol-Kino zu finden, vorn Rüdigers Gaststätten. Nach der Wende wurde daraus eine Tanzbar, ein Nachtclub. Der hatte über die ganzen Jahre viele Betreiber und auch immer wieder neue Namen, er hieß „California“, später „La Notte“, dann „Daily Motion“ und schließlich „Nightlife“. Doch keiner der Betreiber hielt sich allzu lange.

Nun also ist endgültig Schluss. Görlitz hat einen Nachtclub weniger und bekommt stattdessen ein großes Döner-Lokal. „Ein Nachtclub bringt nur Stress und Kampf“, sagt Werner Uhrmacher aus Düsseldorf, dem das Haus gehört. Mit den Betreibern habe es keinen Ärger gegeben, wohl aber mit dem Publikum der Clubs, sagt Uhrmacher – und benutzt das Wort „Vollidioten“. Darauf habe er keine Lust mehr gehabt. Deshalb habe er an Mehmet Ates vermietet: „Das ist ein vernünftiger Mensch, ich habe ihn auf der anderen Straßenseite schon länger beobachtet.“

Polizei musste oft kommen

Uhrmacher steht mit seiner Ansicht nicht allein. Anwohner Olaf Jassen berichtet, dass sich hier viele 16- und 17-Jährige besoffen haben: „Jedes Wochenende musste die Polizei kommen.“ Er wohne seit 16 Jahren hier, anfangs sei es noch ruhig gewesen: „Da war es aber mehr Kneipe.“ Seit es eher zur Disco wurde, sei es lauter geworden. Jetzt hilft Jassen dem neuen Betreiber bei seinen Vorbereitungen.

Lars Zalicz war einer der Club-Betreiber. Er führte das Lokal von 2014 bis 2018 und nannte es „Daily Motion“. Bis Ende 2015 bot er auch einen Mittagstisch an, aber das habe nicht funktioniert. Die Görlitzer seien nur im unteren Teil der Berliner Straße unterwegs und die Mitarbeiter des Landratsamtes würden mittags eher zu „Bio im Bahnhof“ gehen. Mit dem Club hielt Zalicz länger durch, aber es sei schwierig gewesen: „Einerseits gibt es in Görlitz nicht genug Publikum, um den Laden jeden Freitag und jeden Sonnabend voll zu bekommen.“ Veranstalte man nur selten Partys, dann seien diese zwar voll, aber wirtschaftlich reicht es nicht. Zum Zweiten habe sich das Partyverhalten gewandelt: „Viele kommen zwar, geben aber kaum Geld aus.“

So sah es 2015 aus: Lars Zalisz (links) betrieb damals das Daily Motion und Jens Werner war ein- oder zweimal als Veranstalter vor Ort.
So sah es 2015 aus: Lars Zalisz (links) betrieb damals das Daily Motion und Jens Werner war ein- oder zweimal als Veranstalter vor Ort. © nikolaischmidt.de

Drittens fahren viele Görlitzer zum Feiern eher in Großstädte wie Dresden. Und schließlich habe es immer wieder Stress gegeben, Schlägereien, Ärger mit Anwohnern. „Irgendwann hatte ich nicht mehr die Nerven, mich jede Woche auf dem Polizeirevier zu rechtfertigen“, sagt er: „Deshalb habe ich schließlich das Handtuch geschmissen.“ Aber ein besonders schlimmes Publikum habe er nicht gehabt. Alkohol gebe es in jeder Disco, andere Drogen seien bei ihm tabu gewesen: „Bei Vorfällen in dieser Richtung gab es sofort Hausverbot.“ Ansonsten seien ganz normale Leute da gewesen, vor allem zwischen 18 und 40 Jahren, teils aber auch deutlich älter – bis hin zur inzwischen verstorbenen Gisela Pfenniger alias Oma Gisela, die auch mit Mitte 80 noch Stammgast war.

In Italien Pizzabäcker gelernt

Mehmet Ates blickt jetzt nach vorn. Er wurde in der Türkei geboren, kam 2008 nach Italien, wo er später insgesamt sechs Jahre wohnte und Pizzabäcker lernte. Seit 2015 lebt er in Deutschland. Sein Onkel Bozan Ates holte ihn nach Görlitz, in seinem Döner-Imbiss arbeitete er am Anfang. Seit fünf Jahren aber führt er sein eigenes Lokal „Berliner Döner“ in der Berliner Straße.

Dort gab es auch zuvor schon einen Döner-Imbiss namens Orient-Bistro. „Der hatte aber kaum Kunden, niemand wollte dort essen gehen“, sagt Ates. Er habe alles verändert, auf deutlich bessere Qualität gesetzt. Das habe funktioniert: „Der Laden lief.“ Doch er war viel zu klein, drinnen gab es nur vier Hocker für die Gäste. Deshalb schaute er schon länger nach größeren Räumen. Bei Uhrmacher fragte er schon 2018 an – als Zalisz aufhörte. „Damals war der Mietpreis aber zu hoch“, sagt Ates.

Sortiment wird jetzt erweitert

Nun hat es im zweiten Anlauf geklappt, Uhrmacher ist mit dem Preis herunter gegangen. Also hat Ates unterschrieben und alles umgebaut. Im alten Laden habe er Döner, Pizza und Schnitzel angeboten. Jetzt ist mehr Platz, sodass Auflauf- und Nudelgerichte sowie Hamburger hinzukommen. Unter der Woche will er es auch mit Suppen probieren. Aber hat er keine Sorge, dass es in Görlitz zu viele Döner-Läden gibt? Allein auf der oberen Berliner Straße sind es mittlerweile vier, um die Ecke in der Hospitalstraße ist der Fünfte. Nein, sagt Ates, ihm sei nicht bange. Wenn man vom Bahnhof, vom Busbahnhof oder vom Landratsamt komme, dann sei sein Lokal das Erste: „Ich habe die beste Lage.“ Zum anderen setze er auf Qualität: „Wenn meine Kunden zufrieden sind, kommen sie wieder.“ Er habe sich in den fünf Jahren einen sehr guten Ruf erarbeitet. Und in der Eröffnungswoche, also ab diesem Freitag, gibt es Döner und Dürüm zum Angebotspreis.

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