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"Bei Uma kann man jetzt auch draußen sitzen."

Seit Längerem wollte die Inhaberin des Café Oriental in der Görlitzer Altstadt Freisitze beantragen. Vorbehalte der Nachbarn ließen sie zögern. Jetzt wagte sie den Schritt.

Uma Zimmermann freut sich, dass sie jetzt draußen in der Krebsgasse Plätze für das Café Oriental anbieten darf.
Uma Zimmermann freut sich, dass sie jetzt draußen in der Krebsgasse Plätze für das Café Oriental anbieten darf. © Martin Schneider

Am vergangenen Freitag traf die Genehmigung aus dem Görlitzer Rathaus ein. Uma Zimmermann darf bis 1. Oktober auf der Krebsgasse unmittelbar am Café Oriental in Görlitz 20 Plätze als Außengastronomie anbieten. Ihre Freude darüber ist groß.

Gleich einen Tag später stellte sie vier der kleinen Tische und etliche Stühle aus dem Café draußen hin, um einfach mal zu testen, wie der Freisitz angenommen wird. Die Überraschung war groß auf beiden Seiten - sowohl bei den Gästen als auch der Inhaberin des Cafés. Die plötzlich bereitstehenden Sitzgelegenheiten waren schnell besetzt.

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Ausweichstrecken für Autofahrer

Wenn die Sonne scheint, will Uma Zimmermann nun täglich ab 17 Uhr - außer Sonntag und Montag, da ist Ruhetag - Gäste im Außenbereich bewirten. Zunächst schaffte sie sich Absperrungen an, damit der Sitzbereich deutlich angezeigt wird. Auf einer Fläche von etwa 20 mal 0,70 Metern dürfen die Gäste sitzen. Der Durchgang durch die Krebsgasse muss aber für Fußgänger, Rollstuhlfahrer und Kinderwagen frei bleiben. Nur der Autoverkehr muss in dieser Zeit eine andere Strecke nutzen.

Mit der Kirchgasse und dem Karpfengrund stehen dafür gleich zwei Ausweichstrecken zur Verfügung. Uma Zimmermann ahnt allerdings, dass das manchen Anwohnern nicht gefällt. "Viele sind es gewohnt, mit dem Auto durch die Krebsgasse zu fahren", sagt sie mit einem vielsagenden Lächeln. Offensichtlich weiß die gebürtige Inderin, dass sich viele Görlitzer schwertun, Veränderungen anzunehmen und Neuem zunächst abwartend gegenüberstehen. Seit 30 Jahren lebt sie in Deutschland, vor 14 Jahren eröffnete sie das Café Oriental in der Nikolaistraße/Ecke Krebsgasse. Im Café können Wasserpfeifen geraucht werden, die Uma Zimmermann zur Verfügung stellt. "Allerdings nicht etwa mit Opium oder dergleichen, sondern geraucht wird ausschließlich parfümierter Tabak", betont sie.

Nachbarn befürchten zu viel Lärm

Lange zögerte Uma Zimmermann mit der Beantragung einer Genehmigung für die Außengastronomie. Denn es gab Vorbehalte der Nachbarn. Es könnte ja zu laut werden, so ein Argument. Es kommt nur von wenigen Anwohnern, aber die Café-Betreiberin will es nicht ignorieren. Uma Zimmermann ist eine fröhliche, kommunikative, tatkräftige Frau, die Probleme nicht nur benennt, sondern löst. Auf gute Nachbarschaft und friedliches Miteinander hält sie dabei große Stücke. Deswegen ist die Außengastronomie nicht länger als bis 22 Uhr offen, auch nicht am Wochenende, wenn das Café Oriental bis 24 Uhr geöffnet ist.

Uma Zimmermann hofft darauf, dass die Anwohner die städtische Genehmigung respektieren. Nach sieben langen Monaten des Nichtstuns im Café freut sie sich, dass sie nun wieder loslegen kann. "Es läuft gut seit etwa drei Wochen."

Fast ausschließlich junge Menschen sind ihre Gäste. Sie kommen aus Görlitz und dem polnischen Zgorzelec, aber auch aus Dresden, Hoyerswerda, Zittau und Niesky. Zu den wenigen älteren Gästen zählt eine kleine Gruppe von Seniorinnen aus Reichenbach, die jeden Monat einmal bei Uma Zimmermann hereinschauen, eine Wasserpfeife rauchen und dabei Cocktails genießen.

Innenhof ist nach 22 Uhr tabu

Neu ist im Café Oriental, dass die Tür zum Innenhof ab 22 Uhr geschlossen ist oder eine Kordel signalisiert, dass das Betreten des Innenhofs dann nicht mehr gestattet ist. Anwohner hatten sich wegen der Lautstärke beschwert. "Ich sehe ein, dass meine Gäste nachts nicht draußen im Innenhof telefonieren können, weil der Netzempfang in den Räumen schlecht ist", erklärt die Café-Wirtin. "Ich möchte ja auch nicht, dass die Nachbarn um den Schlaf gebracht werden", betont sie. Andererseits hofft sie auf Verständnis der Anwohner. Schließlich ist sie als Unternehmerin in Görlitz tätig und hilft mit bei der Belebung der bei Touristen so beliebten Altstadt.

Uma Zimmermann im Kellergewölbe vom Café Oriental in der Nikolaistraße.
Uma Zimmermann im Kellergewölbe vom Café Oriental in der Nikolaistraße. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Eine Gebühr für die Sondernutzung der insgesamt 14 Quadratmeter großen Fläche muss sie für dieses Jahr wie alle anderen Görlitzer Gastronomen nicht bezahlen. Das hatte der Stadtrat Mitte April so beschlossen, um Gastronomen nach der coronabedingten Zwangspause zu unterstützen.

Die Außengastronomie in der Krebsgasse ist zunächst ein Provisorium. Denn noch fehlt der Café-Wirtin das Mobiliar dafür. Gewünscht hätte sie sich moderne Sitzgelegenheiten, wie sie viele Menschen zu Hause auf ihrer Terrasse haben, aus Kunststoff in Rattan-Optik. Von diesem Traum verabschiedete sie sich schnell. "Diese Möbel kann ich nicht täglich aus dem Café und zurück transportieren", erklärt sie. Denn außerhalb der Café-Öffnungszeit soll die Krebsgasse mit Autos befahrbar bleiben.

Vor 14 Jahren eröffnete Uma Zimmermann ihr Café Oriental. Damals entdeckte sie eine Nische und fand dafür ihr Publikum. Dieses Foto entstand zum zehnjährigen Bestehen des Cafés.
Vor 14 Jahren eröffnete Uma Zimmermann ihr Café Oriental. Damals entdeckte sie eine Nische und fand dafür ihr Publikum. Dieses Foto entstand zum zehnjährigen Bestehen des Cafés. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Deswegen schaut sich Uma Zimmermann in diesen Tagen nach gemütlichem Holzmobiliar um, das sie zusammenklappen kann und das an Ort und Stelle platzsparend und gesichert stehen bleibt. Sie hofft, dass sie schnell fündig und das Mobiliar bald geliefert wird. Denn der Test mit dem Freisitz verlief so positiv, dass es sich wohl zügig herumsprechen wird "bei Uma kann man jetzt auch draußen sitzen".

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