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Filmreif: Verein motzt alte Güterwaggons auf

Eisenbahnfreunde aus dem Westerzgebirge haben zwei Waggons der ehemaligen Kreisbahn in Königshain übernommen. Sie haben Großes vor.

Die Dieselloks, ein Hänger und der Schotterwagen bleiben vorerst in Königshain.
Die Dieselloks, ein Hänger und der Schotterwagen bleiben vorerst in Königshain. © Constanze Junghanß

Der Fuhrpark am Kreisbahnradweg hat sich verkleinert. Zwei der alten Güterwaggons des stillgelegten Hochstein-Bahnhofs in Königshain sind verschwunden.

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Die Waggons wurden nicht verschrottet. Sie sind im Westerzgebirge gelandet. Der Förderverein „Historische Westsächsische Eisenbahnen“ holte die großen Hänger mit schwerer Technik ab. Marco Drosdeck, Vorsitzender des Vereins, hat damit etwas Besonderes vor: „Die Königshainer Waggons sollen saniert werden“, sagt er. Vielleicht stehen sie auch mal im ganz großen Rampenlicht. Diese und weitere Waggons sowie Loks, die der Verein auf seinem Gelände in Schönheide zusammengetragen hat, wollen Marco Drosdeck und sein Team der Filmwirtschaft für Dreharbeiten anbieten. „Unsere Anlage bildet ein geschlossenes Kulissenbild aus der Zeit zwischen etwa 1930 bis 1980“, sagt er. Die Königshainer Hänger - Baujahre 1937 bis 1945 und 1989 - gehören nun mit dazu.

Nicht zum ersten Mal organisierte der Verein eine solche ungewöhnliche Überführung. 2012 wurde bereits ein Waggon aus Königshain abgeholt. Und wie gut, dass die Erzgebirgler Mitte Dezember wieder mit Tieflader inklusive 24 Meter langen Zugmaschine vor Ort waren.

Der alte Königshainer Bahnhof. Er befindet sich in Privathand. Das vordere Gleis ist nun frei.
Der alte Königshainer Bahnhof. Er befindet sich in Privathand. Das vordere Gleis ist nun frei. © Constanze Junghanß
© Constanze Junghanß
An der ehemaligen Kreisbahnstrecke informieren Tafeln über die Geschichte.
An der ehemaligen Kreisbahnstrecke informieren Tafeln über die Geschichte. © Constanze Junghanß
Mitte Dezember holte ein 24 Meter langer Tieflader die Waggons aus Königshain ab.
Mitte Dezember holte ein 24 Meter langer Tieflader die Waggons aus Königshain ab. ©  privat

„Wir haben in dem Zuge gleich den Schotterwagen vom Gleis am Radweg auf das hintere Gleis am Bahnhofsgebäude umgesetzt“, sagt Marco Drosdeck. Aus Sicherheitsgründen. Die Strecke direkt neben dem Radweg sollte frei gemacht werden. Dabei stellte sich heraus, dass sich im tonnenschweren Schotterwagen ein Geocoaching-Versteck befand. Nicht ungefährlich, wie der Vereinsvorsitzende einschätzt, zumal er erfuhr, da seien schon Kinder herumgeklettert, um das Versteck zu finden. Den Geocoaching-Punkt braucht niemand mehr zu suchen. Er wurde nach seiner Entdeckung im Dezember entfernt, wie Drosdeck sagt. Gekostet hat die komplette Aktion der Umsetzung und Überführung nach Vereinsangaben rund 11.000 Euro. 5000 Euro davon trug die Kulturstiftung Sachsen. Inklusive Vorbereitungsarbeiten dauerte die Aktion von Königshain bis in den mehr als 200 Kilometer entfernten Zielort sechs Tage.

Kompliziertes Rangiermanöver war nötig

Heike Eichler, Inhaberin der Bäckerei Melzer unterhalb des alten Bahnhofs, erinnert sich gut an den Tag der Abholung. Die Straße war vorsorglich gesperrt. „Dann kam ein Riesenkran die schmale Straße und die Kurven entlang gefahren“, erzählt sie. Nachdem die Waggons aufgeladen waren, musste der Kran den abschüssigen Weg rückwärts wieder runter über die kleine Brücke. Ihr Mann hat Fotos gemacht. Eine aufregende Angelegenheit sei das gewesen, erzählt Frau Eichler. Aber das komplizierte Rangiermanöver klappte bestens, wie auch Marcus Drosdeck bestätigt. Nichts ging kaputt, weder anliegende Häuser noch die Straße sei beschädigt worden. „Alles lief wie am Schnürchen“, so der Vereinsvorsitzende.

„Die Aktion kann man als Rettung vor dem Verlust bezeichnen“, schätzt Joachim Mühle, Vorsitzender des Heimatvereins Königshain ein. Mit der Fusion des Görlitzer Kreisbahnvereins kamen die Waggons in den Besitz des Königshainer Heimatvereins. „Leider ist die Sektion Kreisbahn beim Heimatverein aufgrund von Überalterung nicht mehr selbst in der Lage, die Waggons zu restaurieren und zu pflegen“, erklärt Joachim Mühle. Damit habe die Gefahr bestanden, dass ein Stück Technik-Geschichte verfällt. Dank des Eisenbahnvereins aus Schönheide lebe diese Geschichte nun weiter. Der Heimatverein Königshain gab die Waggons für einen symbolischen Euro ab.

Diesellok und zwei Waggons bleiben vorerst

Und wie geht es nun mit der alten rostigen Diesellok und den letzten beiden Hängern auf dem Gelände weiter? Bleiben die auf den stillgelegten Gleisen nun für immer stehen? Die Schönheider Eisenbahnfreunde brauchen sie jedenfalls nicht, wie Marco Drosdeck bekräftigt. „Wir haben bereits zwei solcher Loks“, sagt er. Außerdem sei der Transport und die Restaurierung eine Kostenfrage. Die drei letzten fahrbaren Zeitzeugen bleiben also vorerst in Königshain. Zumindest so lange, bis es Interessenten gibt, die die Waggons im Sinne des ehemaligen Kreisbahnvereins aufarbeiten und einer gemeinnützigen Verwendung zuführen würden, wie Joachim Mühle erklärt.

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