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Ein Schlesier über Grenzen hinweg

Peter Canisius Birkner wird an diesem Montag 85 Jahre alt. Der frühere Generalvikar ist eine der einflussreichsten Persönlichkeiten des Bistums Görlitz.

Generalvikar Peter Canisius Birkner wird 85. Er nimmt mit großer Aufmerksamkeit am öffentlichen Zeitgeschehen teil, und sei es mit dem Fotoapparat.
Generalvikar Peter Canisius Birkner wird 85. Er nimmt mit großer Aufmerksamkeit am öffentlichen Zeitgeschehen teil, und sei es mit dem Fotoapparat. © Raphael Schmidt/Bistum Görlitz

Der Zufall wollte es: als KarolWojtyla 1978 zum neuen Papst Johannes Paul II. gewählt wurde, fragten sich alle Journalisten ringsum auf dem Petersplatz in Rom, wer der Unbekannte aus dem Osten sei. Der damals junge Ordinationsrat Peter Birkner konnte da sagen: Ich habe mit ihm in Görlitz schon zu Abend gegessen.

Peter Birkner, der an diesem Montag seinen 85. Geburtstag feiern kann, steht wie kaum ein zweiter für das Bistum Görlitz. Er stammt aus Schlesien, baute ein katholisches Leben diesseits der Neiße mit auf, baute Brücken zu den polnischen Nachbarn. 

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Im Bistum Görlitz war er alles, was ein katholischer Priester werden kann - außer Bischof. Er war in der Bistumsverwaltung tätig und leitete Gemeinden wie Königshain, er war  Generalvikar des Görlitzer Apostolischen Administrators und Bischofs Bernhard Huhn, und über zwölf Jahre stand er als Domprobst dem Görlitzer Domkapitel vor, das bei der Wahl eines neuen Bischofs wichtig ist.

Birkners Wurzeln liegen in Schlesien. Er stammt aus Neiße, dem "schlesischen Rom" wie es wegen seiner vielen Kirchen genannt wurde. Wie den Bischöfen Huhn und Müller, beide stammten ebenfalls aus Schlesien, war es auch Birkner immer ein Anliegen, Brücken nach Polen zu bauen. Er sah darin auch einen Teil der speziellen DNA dieses Bistums - bis heute. Das sind keine Luftschlösser: Zuletzt initiierte er eine Spendenlieferung  von Masken und Schutzausrüstungen für ein Hirschberger Krankenhaus. 

Die Geschichte des schlesischen Bistums Breslau hielt er in Broschüren fest. Geschichte als lebendige Erinnerung ist ohnehin eines seiner Steckenpferde. So initiierte er beispielsweise die Benennung der Siedlung am Carolus-Krankenhaus nach Alfons Maria Wachsmann, einem Görlitzer Kaplan, der von den Nazis ermordet wurde. Zuletzt lag ihm das Leben der seligen Hildegard Burjan sehr am Herzen. Geboren in eine jüdische Familie in Görlitz, zum katholischen Glauben übergetreten, wurde sie in der jungen österreichischen Republik in den 1920er-Jahren zu einer der wichtigsten Erneuerin des Sozialwesens und gründete die bis heute bestehende Schwesterngemeinschaft Caritas socialis. 

Und wenn sich dann die Geschichte Schlesiens noch mit Kultur verbindet, findet man stets Birkners Interesse. So ist er seit vielen Jahren im Förderkreis des Schlesischen Museums und verpasst kaum eine der Jahresmitgliederversammlungen. Im Bistum setzte er sich auch für die Restaurierung von Kunstwerken ein, mitunter auch auf eigene Kosten. Und so knüpft Birkner noch immer an jenem Erinnerungsfaden, ohne den künftige Generationen heimatlos im Zeitgeist getrieben wären.

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