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IG Metall schaut bei Birkenstock genau hin

Nachdem Verkaufsgerüchte um den Schuhhersteller aufkamen, ist die Unruhe groß. Es geht um 1.400 Jobs in Görlitz und etwa 600 in Bernstadt.

Große Unsicherheit bei Birkenstock: Man weiß nicht, was hinter den Verkaufsgerüchten steckt.
Große Unsicherheit bei Birkenstock: Man weiß nicht, was hinter den Verkaufsgerüchten steckt. © nikolaischmidt.de

Die Meldung, die vor wenigen Tagen durch große deutsche und schweizerische Tageszeitungen ging, hat in Görlitz und Bernstadt für Unruhe gesorgt: Die Familie hinter dem Schuhhersteller Birkenstock soll Verkaufsverhandlungen aufgenommen haben.

Das ruft natürlich auch die Gewerkschaft auf den Plan. Man gehe da schon von einem großen Wahrheitsgehalt aus, wenn solche Gerüchte im Umlauf sind, sagt Jan Otto von der IG Metall. In der Vergangenheit haben sich solche Meldungen fast immer bewahrheitet, auch wenn sich die betroffenen Unternehmen vorher in Schweigen hüllten – so war es beispielsweise bei Bombardier und Alstom.

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Auch Birkenstock sagt aktuell öffentlich nichts zu dem Thema, ebenso äußert sich das Unternehmen nicht zu speziellen Görlitz-Themen – etwa, welche Pläne es mit dem Gebäude hat, aus dem kürzlich Mieter Yeti ausziehen musste, oder wie die Gesamtlage angesichts Corona ist. Dass der Werksverkauf seit Längerem nicht öffnen kann, ist eine Seite, aber im ersten Lockdown gab es immerhin auch Probleme mit der Lieferung von Material, das zum Großteil aus Italien und Spanien kommt – damals wurde die Produktion ausgesetzt. Wie die Lage aktuell ist, dazu gibt es vom Unternehmen zurzeit keine Auskunft.

Der Schuhhersteller hat vor allem in Görlitz in den vergangenen Jahren eine enorme Entwicklung gemacht.
Der Schuhhersteller hat vor allem in Görlitz in den vergangenen Jahren eine enorme Entwicklung gemacht. © Pawel Sosnowski

Allerdings ist nach SZ-Informationen die Unruhe angesichts der Verkaufsgerüchte so groß gewesen, dass die Geschäftsleitung Aushänge dazu anbringen ließ. Darin hieß es unter anderem, man habe eine gute Entwicklung gemacht und bleibe auch weiterhin auf Kurs. In der Tat hat Birkenstock vor allem in Görlitz und Bernstadt in den vergangenen Jahren eine enorme Entwicklung gemacht, hier sei der Kern der Weltproduktion, sagte das Unternehmen vor zwei Jahren. Seitdem wurde die Mitarbeiterzahl noch größer, 600 sollen es aktuell in Bernstadt sein, 1.400 in Görlitz - viele davon pendeln täglich aus Polen. Mittlerweile gehören ein Werksverkauf und ein neues Sozialgebäude zum Görlitzer Birkenstockkomplex.

In Görlitz für unermüdlichen Arbeitskampf bekannt: Jan Otto von der IG Metall. Ob es auch bei Birkenstock hart auf hart kommt, könne er aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen.
In Görlitz für unermüdlichen Arbeitskampf bekannt: Jan Otto von der IG Metall. Ob es auch bei Birkenstock hart auf hart kommt, könne er aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen. © nikolaischmidt.de

„Für uns ist eine vermeintliche Verkaufsabsicht natürlich ein Arbeitsthema“, sagt IG Metaller Jan Otto. Er persönlich glaube nicht, dass das das Ende der Standorte in Bernstadt und Görlitz bedeuten könnte, aber Investoren wollen „immer etwas sehen“ und entsprechend werde sich auch die Gewerkschaft in Position bringen. „Allerdings ist das Ganze noch ein sehr früher Zeitpunkt, wir wollen hier auch nichts kaputt machen“, sagt Otto.

Denn die Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen und der Gewerkschaft war in der Vergangenheit nicht immer einfach. Vor allem nicht beim Punkt Betriebsräte, drei Anläufe brauchte es etwa für den Standort Görlitz, um einen Betriebsrat aufzustellen. Dass es nun an beiden Standorten einen gibt, kann aus Sicht der Arbeitnehmer für die bevorstehende Zeit - sollte tatsächlich verkauft werden - nur von Vorteil sein.

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In der kommenden Woche wollen sich IG Metall und Betriebsräte zu dem Thema das erste Mal konkret unterhalten. Informiert waren die Betriebsräte nicht, auch sie erfuhren von den angeblichen Verkaufsverhandlungen aus der Presse. Warum die Familie das so erfolgreiche und mittlerweile weltweit agierende Unternehmen verkaufen will, darüber wird viel spekuliert. Schon 2013 habe sie sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, seither heißt es, werde der Kontakt zwischen den Akteuren im Unternehmen und der Familie immer weniger.

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