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Glückskäfer-Laden auf dem Dorf eröffnet

In Melaune gibt es nun Schwerter aus Holz, Autos aus Madagaskar, Karten aus Kolumbien und vielleicht das große Lottoglück.

Peggy Hocke ist neue Geschäftsführerin, ihr Partner Diego Scholz im Laden angestellt. Gerettet haben sie für den Laden ein uraltes Vorhäuschen aus Buchholz – die neue Kassenzone.
Peggy Hocke ist neue Geschäftsführerin, ihr Partner Diego Scholz im Laden angestellt. Gerettet haben sie für den Laden ein uraltes Vorhäuschen aus Buchholz – die neue Kassenzone. © Constanze Junghanß

Das Vorhäuschen mitten im Laden hat Diego Scholz gerettet. Es stammt von einem Abrisshaus aus Buchholz. „Schon als kleiner Junge und wenn ich mit dem Fahrrad daran vorbeigefahren bin, hat mich dieses alte Vorhäuschen irgendwie fasziniert“, erzählt der 43-Jährige. Sogar als Modell habe er das früher mal nachgebaut. Nun steht das komplette hölzerne Konstrukt im „Glückskäfer“ Melaune.

Abgebaut im Nachbardorf und im Originalzustand und unbearbeitet zusammengesetzt. Den Laden hat Diego Scholzes Lebenspartnerin Peggy Hocke vor einer möglichen Schließung bewahrt. Die Vorbesitzerin Ilona Richter ging im Sommer diesen Jahres nach 30 Jahren der Selbstständigkeit in den Ruhestand und suchte einen Nachfolger.

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Mit Augenzwinkern: Masken zum Verkleiden für die Kinder.
Mit Augenzwinkern: Masken zum Verkleiden für die Kinder. © Constanze Junghanß
Der Trabi und andere Fahrzeuge stammen aus einem fernen Land – und sind aus Blechbüchsen recycelt.
Der Trabi und andere Fahrzeuge stammen aus einem fernen Land – und sind aus Blechbüchsen recycelt. © Constanze Junghanß
Der Glückskäfer ist in Melaune an der Hauptstraße zu finden.
Der Glückskäfer ist in Melaune an der Hauptstraße zu finden. © Constanze Junghanß

Mit Peggy Hocke, die zugleich auch den gegenüber liegenden „Landkauf“ Melaune in diesem Jahr übernahm, konnte der Lotto-, Post- und Schreibwarenladen vor dem Aus gerettet werden. Er heißt nun nicht mehr „Richters Kaufpunkt“, sondern „Glückskäfer“.

Und da steht nun als Tresen die etwa 100 Jahre alte „Laube“ mitten im Geschäft. Die ungewöhnliche Pforte ist zu einer Art Kassenhäuschen umfunktioniert. Ob es landesweit - vielleicht sogar weltweit – so was in der gleichen Art in einem Dorfladen nochmal gibt, kann sich Diego Scholz nur schwer vorstellen.

Briefe und Pakete nimmt Peggy Hocke weiter an, ebenso kann bei ihr das kleine oder große Glück beim Lotto versucht werden, es gibt Schreibwaren und Fotos können an einem Automaten ausgedruckt werden. Allerdings hat sich im Geschäft viel verändert, wie zum Start am Montag deutlich wurde. Die Regale sehen nun wie kleine Marktstände aus, der Fußboden erinnert an eine alte gepflasterte Straße. Kuhhörner liegen in einem Regal, Schwerter aus Holz für kleine Ritter, Schleier für die Burgfräulein. Peggy Hocke und ihr Partner waren lange Zeit beruflich auf 40 bis 50 Mittelaltermärkten jährlich unterwegs.

Paar will Beruf und Familie unter einen Hut bekommen

Dem Stil ist das Paar treu geblieben. „Nun kommt das älteste Kind bald in die Schule“, erzählt die 32-Jährige und auch, dass durch die Schulzeit die Kinder nun nicht mehr auf die Märkte mitgenommen werden können. Deshalb wollte das Paar seine Tätigkeit nahe des Wohnorts verlegen, um Beruf und Familie gut unter einen Hut zu bekommen. Die Familie lebt im Nachbarort. Die Suche nach einem Nachfolger „Richters Kaufpunkt“ passte da. Ihren Lebenspartner hat die junge Mutter im „Glückskäfer“ angestellt und ebenso eine weitere Mitarbeiterin. Auf den Märkten knüpften Peggy und Diego auch Kontakte zu Händlern aus anderen Ländern.

Da findet sich einiges nun im Laden wieder: Autos und Fahrradminiaturen aus Madagaskar – gefertigt aus recycelten Blechbüchsen. Sogar Trabis sind dabei. Eine vietnamesische Messerkollektion – fair trade gehandelt – kommt bald dazu. Außergewöhnlich sind auch die 3-D-Popart-Karten aus Indonesien. Handgefertigt. Ein Hauch der großen weiten Welt hat so im Dorf nun Einzug gehalten. Und jede Menge Spielzeug. „Wir haben einen Teil des Spielzeuggeschäfts von der Bahnhofstraße Löbau übernommen“, erzählt Diego Scholz. Der Löbauer Laden werde schließen.

Wer Marienkäfer zählt, kann etwas gewinnen

Zum Start des „Glückskäfers“ ist der Melauner Laden gut besucht. Kinder können ihr Lieblingsbuch auf einem Zettel aufschreiben und die im Geschäft versteckten Marienkäfer aus Holz zählen. Wer mitmacht, hat die Chance auf einen Gewinn. Es wird fleißig gezählt in jeder Ladenecke. Ein kleines Mädchen hat ein Bild gemalt für die neue Inhaberin, manche bringen Blumen vorbei. Karin Schade übergibt eine Rose und sagt, wie sehr sie sich freut, dass der Laden erhalten wurde. „Es ist zwar ganz anders als vorher, aber sehr schön“, findet sie. Für die Enkelkinder gebe es tolle Geschenke und alles rund um die Schule zu kaufen.

Isabel Weinhold aus Tetta sagt: „Ein solcher Laden belebt das Dorf auf jeden Fall und wird Treffpunkt sein.“ Doreen Koch, eine junge Mutter, lobt die Spielzeugauswahl. „Viele tolle Dinge aus Holz und damit nachhaltig“, sagt sie. Dass es außerdem Kinderbücher gibt, freut die Melaunerin. Liebevoll und ungewöhnlich sei der Laden eingerichtet. Da gehe man mit den Kindern ganz sicher öfter gern hin.

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