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Anwohner in Görlitz von Nachtleben gestört

Kaum sind Clubs und Biergärten wieder offen, stören sich Anwohner an der Lautstärke. Vor allem das N13 und die 2 Linden haben Probleme.

Die Pächter der 2 Linden: Florian Herbst und Robert Schulze. Das sie so einen Ärger haben würden, hatten sie nicht erwartet.
Die Pächter der 2 Linden: Florian Herbst und Robert Schulze. Das sie so einen Ärger haben würden, hatten sie nicht erwartet. © André Schulze

Über Monate blieb es auf den Görlitzer Straßen ob der Corona-Pandemie und Gegenmaßnahmen wie der Ausgangssperre nachts zeitweise still. Gerade für viele junge Görlitzer war es schwer, sich nicht mehr oder kaum noch treffen, geschweige denn feiern zu können. Zum anderen hat Görlitz eine große Gastronomie-Landschaft – die für viele dazu gehört. Doch nun, wo die Normalität zurückkehrt, scheint vieles neu ausgehandelt werden zu müssen. Zum Beispiel auch die Frage, wie laut es nachts sein darf.

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Eine Frage ist das derzeit auch auf dem Untermarkt. Bei der Bar N13 gibt es jetzt ab Mitternacht keine Außenbeschallung mehr, schrieb Inhaber Robert Meinecke kürzlich auf der Facebookseite der Bar. „Ab 2 Uhr morgens gibt es keinen Ausschank mehr“, teilt er mit. Es habe mehrere Gespräche mit ansässigen Hoteliers, Besitzern von Ferienwohnungen, Barbetreibern und anderen Restaurantbesitzern gegeben. Offenbar wegen des Themas Ruhestörung nachts. Ob es einen konkreten Anlass gab, bleibt offen. Gegenüber der SZ will Meinecke sich nicht äußern. Er wolle das Thema nicht hochkochen.

Robert Meinecke in seiner Bar N13 auf dem Görlitzer Untermarkt.
Robert Meinecke in seiner Bar N13 auf dem Görlitzer Untermarkt. © nikolaischmidt.de

Er habe auch Verständnis für die Hotel- oder Restaurant-Nachbarn, legt er auf Facebook dar: „Die letzten Jahre habe ich probiert, positiven Einfluss auf das Görlitzer Nachtleben zu nehmen, ohne bewusst anderen Unternehmen zu schaden“, so Meinecke. Aber anscheinend sei ihm das nicht sonderlich glücklich gelungen. „Da sich andere Gewerbetreibende dadurch gestört fühlen und ihren Gästen keine erholsame Nacht bieten können, müssen natürlich Lösungen her.“ Am Untermarkt und den angrenzenden Altstadt-Straßen befinden sich mehrere Unterkünfte, zum Beispiel das Hotel Emmerich. Dessen Inhaber Christian Weise sagt: „Wir sind vernünftig im Gespräch.“

Endlich wieder Außengastronomie. Im Fall vom N13 gibt es deswegen aktuell Konflikte mit den umliegenden Hotels.
Endlich wieder Außengastronomie. Im Fall vom N13 gibt es deswegen aktuell Konflikte mit den umliegenden Hotels. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Auch bei den 2 Linden in Rauschwalde gibt es aktuell Stress mit den Nachbarn. Vor allem die Fleischerei Klose ist es, die auf die Barrikaden geht und nun sogar ihr Geschäft schloss. Ein Aushang weist die Kundschaft darauf hin und liefert die Erklärung mit: „Wegen der permanenten Ruhestörung durch Partyveranstaltungen im benachbarten Club am Wochenende finden wir nicht die Ruhe und Kraft, unserer Arbeit noch nachzugehen! Aufgrund dessen schließen wir unser Geschäft vorübergehend. Wir bitten Sie um Verständnis.“

Dieses Verständnis hat eine langjährige Kundin, die auf der Hans-Nathan-Straße wohnt und sich bei der SZ meldete, voll und ganz. „Wir fühlen uns mit betroffen, Kloses können keine Nacht schlafen, das ganze Wochenende geht es bis früh um sechs.“ Ja, als Kind war sie selber gern im Lindengarten, erzählt die Dame. „Aber das jetzt nach 50 Jahren wiederzubeleben - mitten im Wohngebiet. Muss das sein?“ Dazu nimmt sie Anstoß am Benehmen einiger Nachtschwärmer, die in die umliegenden Straßen pinkeln und sich auch mal übergeben.

Das klingt auch in einer Debatte bei Facebook an, an der sich sehr viele Görlitzer beteiligen. Die meisten verteidigen die Linden-Betreiber Florian Herbst und Robert Schulze. „War nicht lange genug Ruhe? Lasst doch den Jugendlichen wenigstens noch ein bisschen Spaß, viele Möglichkeiten gibt es hier ja leider nicht mehr. Denkt mal an Eure eigene Jugend zurück“, heißt es in einem Post - und so schreiben es viele.

Seit Jahrzehnten beliebte Adresse für Nachtschwärmer: die Zwei Linden in Rauschwalde - hier im September 1989 bei einem Konzert.
Seit Jahrzehnten beliebte Adresse für Nachtschwärmer: die Zwei Linden in Rauschwalde - hier im September 1989 bei einem Konzert. © Rolf Ullmann

Florian Herbst findet es einfach nur schade, dass es den Ärger mit der Fleischerei gibt. „Wir standen mit ihnen bis vor Kurzem in Kontakt, haben angeboten, nach Lösungen zu suchen“, sagt er. Das Angebot, auf Linden-Kosten eine Klimaanlage ins Schlafzimmer von Kloses einzubauen, damit sie auch in der warmen Zeit nachts das Fenster schließen können, lehnten sie ab. „Die Gespräche wurden abgebrochen und uns stattdessen rechtliche Schritte angedroht.“

Polizei war mehrfach vor Ort

Die Polizei wurde durch Familie Klose mehrfach angerufen. Zum Beispiel am 16. Juli. Pressesprecher Sebastian Ulbrich bestätigt insgesamt drei Anrufe, bei denen es um Ruhestörung im Bereich 2 Linden ging. Die ersten beiden Anrufe seien kurz nach 22 Uhr eingegangen, zwei Polizeistreifen fuhren hin. „Es stellte sich heraus, dass im Rahmen einer Abiball-Feier ein Feuerwerk abgebrannt worden war. Dafür legte der Veranstalter eine Genehmigung vor“, so Ulbrich. Gegen 23.40 Uhr dann ein erneuter Anruf, wieder prüfte eine Streife. Es wurden aber keine Personen im Biergarten mehr angetroffen. „Die Beamten hielten nochmals Rücksprache mit dem Veranstalter. Dieser wies die Teilnehmer erneut auf die Einhaltung der Ruhe hin.“ Von Party bis früh um sechs, wie eine Anwohnerin behauptete, kann aber keine Rede sein.

Der Biergarten der 2 Linden: Florian Herbst und Robert Schulze haben ihn zusammen mit Familie und Freunden wieder aus dem Dornröschenschlaf geholt.
Der Biergarten der 2 Linden: Florian Herbst und Robert Schulze haben ihn zusammen mit Familie und Freunden wieder aus dem Dornröschenschlaf geholt. © André Schulze

Niemand solle in Rauschwalde belästigt werden, sagt Florian Herbst - im Gegenteil: Es geht um vielfältige Angebote für Jung und Alt. Es werde auch bereits investiert, um Lärmbelästigungen zu vermeiden. Die Fenster zur Clara-Zetkin-Straße hin werden zugemauert, der Raucherraum ausgebaut. Die Lounge im Biergarten soll noch bis September jeweils von Donnerstag bis Sonntag geöffnet sein. Beginn ist um 17 Uhr - wegen des ganzen Ärgers schließt die Lounge aktuell bereits um 22 Uhr. Es soll aber ein Schallschutzgutachten erstellt werden, in der Hoffnung, dass eine erneute Öffnung bis Mitternacht möglich ist. Ab 10. September beginnt dann auch wieder die Clubsaison, das heißt, es geht nach drinnen. Dann geht eine Partynacht in der Regel von 22 bis 5 Uhr. „Der Lärm wird aber nicht durch die Musik erzeugt, sondern durch die Leute, die nach Hause gehen“, sagt Florian Herbst.

Für das kommende Jahr ist dann eine Erweiterung des Außenbereiches vorgesehen - unter anderem mit einem Pool. Das sollte dieses Jahr schon fertig sein, doch es gibt bauliche Verzögerungen.

Der Stadtverwaltung sind die Querelen natürlich auch nicht entgangen. Die Bewirtschaftung des neuen Außenbereichs wurde auf die Zeit bis 22 Uhr beschränkt, sagt Sprecherin Juliane Zachmann. Auch der Betrieb des N13 darf grundsätzlich nur bis 22 Uhr gehen. Die Stadt hat jetzt nochmals auf die Regelungen zum Lärmschutz hingewiesen, die Einhaltung der Nachtruhe angemahnt und behalte sich bei anhaltenden Beschwerden ein Einschreiten vor. Allerdings bitte sie beide Seiten um gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme. „Bereits in der Vergangenheit hat die Stadtverwaltung auf eine gewisse Toleranz und Kulanz gesetzt und hofft, dass sich auch in diesem Fall ein Kompromiss finden lässt an den sich alle Beteiligten halten.“

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