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Kommt jetzt die Mode aus dem Vorjahr in den Laden?

Im Corona-Winter 2020 haben Modehäuser in Görlitz unterschiedliche Erfahrung mit dem Verkauf der Kollektionen gemacht. Auf die neue Saison hat das kaum Auswirkungen.

Kerstin Bergmann ist Inhaberin des Modeladens Bergmann's Mode auf der Steinstraße.
Kerstin Bergmann ist Inhaberin des Modeladens Bergmann's Mode auf der Steinstraße. © Martin Schneider

Wenn an diesem Sonntag in Görlitz die Geschäfte öffnen, freuen sich Görlitzer Modehändler auf viele Kunden, die die aktuelle Herbst- und Winterkollektionen entdecken wollen. Doch sind die Sachen, die in den Regalen liegen und auf den Warenträgern präsentiert werden, tatsächlich aktuell? Oder gibt es aus der Herbst- und Wintersaison 2020 noch Bekleidung, die wegen des Lockdowns nicht verkauft werden konnte?

Beim Verkaufs-Neustart war es kalt

Kerstin Bergmann betreibt in der Steinstraße einen Modeladen für Damen. Den Verkauf der aktuellen Herbst- und Winterkollektion startete sie bereits im Juli. Das sei im Prinzip jedes Jahr so, aber es gibt fließende Übergänge: Während noch die Sommerware verkauft wird, drängelt schon die Herbstkollektion in die Regale. Deswegen hatte Kerstin Bergmann im vergangenen Jahr den größten Teil ihrer Winterkollektion bereits verkauft, als im coronabedingten Lockdown alle Geschäfte Mitte Dezember schließen mussten.

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Als sie schließlich im März mit "Click and Collect" wieder öffnen durfte, „kam es mir entgegen, dass es da noch recht kalt war, sodass die Winterware, die noch da war, gut verkauft wurde“, erklärt sie. Denn nicht verkaufte Ware kann sie an die Lieferanten nicht zurückgeben. Und so sind zwischen der aktuellen Herbst- und Wintermode noch ein paar Modelle aus dem Vorjahr zu finden. „Aber nicht viele, denn die Stammkundschaft hielt mir die Treue, bestellte nicht im Internet und war sofort wieder da, als ich verkaufen konnte“, erklärt Frau Bergmann.

Georg Schwind ist Geschäftsführer im Modehaus "Schwinds Erben" in Görlitz.
Georg Schwind ist Geschäftsführer im Modehaus "Schwinds Erben" in Görlitz. © Archivfoto: nikolaischmidt.de

Alles neu für diese Saison produziert

Wenige Schritte weiter am Eingang der Steinstraße verkauft „Schwind's Erben“ Mode für Damen und Herren. „Wir hatten im letzten Jahr keine großen Überbestände an Winterware“, erklärt Geschäftsführer Georg Schwind. „Wir konnten ja bis Mitte Dezember verkaufen.“ An diesem Sonnabend startet das Modehaus in die Herbst- und Wintersaison. Aus der 2020-er Kollektion ist dabei nichts zu finden. „Alles wurde für diese Saison hergestellt“, betont Georg Schwind. Ware, die wegen des Lockdowns nicht verkauft wurde, nahmen die meisten Modehersteller zurück. „Das war aufgrund unserer Verträge gut händelbar.“ Schwind weist darauf hin, dass die Kunden sehen könnten, dass es sich um Ware aus der aktuellen Kollektion handelt, die in den Regalen liegt: Die neuesten Trends in der Mode bietet das Modehaus an.

Bei C & A ist das nicht viel anders. „Wir haben mit unserer Überraschungstüten-Aktion im Frühjahr die komplette Winterware von 2020, die noch da war, verkaufen können“, erklärt die Görlitzer Filialleiterin Oliwia Riedel. Diese Aktion sei von den Kunden sehr gut angenommen worden. Wenn jetzt allerdings nicht ganz so viel Winter- und Herbstbekleidung angeboten wird, wie es die Kunden gewöhnt waren, hat das einen Grund, den viele derzeit im Land kennen: Es gibt Lieferschwierigkeiten. „Wir warten auf bestellte Ware vor allem aus dem asiatischen Raum“, erklärt die Filialleiterin. Dort sei wegen der Pandemie nicht so viel produziert worden, wie bestellt war.

Das Foto aus dem Februar 2021 zeigt C&A-Filialleiterin Oliwia Riedel beim Packen der Überraschungstüten.
Das Foto aus dem Februar 2021 zeigt C&A-Filialleiterin Oliwia Riedel beim Packen der Überraschungstüten. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Zweite Chance für neue Bekleidung

In der Görlitzer Filiale von Tom Tailor auf der Berliner Straße erhält so manches Stück aus der Kollektion von 2020 in diesem Herbst und Winter eine zweite Chance. „Was bis zum Lockdown nicht verkauft wurde, ging an unsere Zentrale zurück und ergänzt heute unser Angebot, darunter auch Lieferungen, die von Januar bis März 2021 ankamen“, erklärt Filialleiterin Ines Hübner. Auch diese Modekette sorgt sich wegen Lieferproblemen der Hersteller. „Wir haben derzeit zum Beispiel weniger Winterjacken als sonst“, erklärt die Filialleiterin.

Die Unterbrechung von Lieferketten spürt auch das Modehaus Rauer. „Wir haben nicht die komplette bestellte Ware bekommen“, informiert Franka-Marie Strobel. Sie ist bei Rauer Einkäuferin. Dennoch ist genügend aktuelle Herbst- und Winterware da. Obwohl im Vorjahr bis zum Lockdown gut verkauft wurde, blieb Ware übrig. Die wurde entweder an die Geschäftspartner zurückgegeben und dafür aktuelle Mode geordert, oder sie wurde eingelagert und zur neuen Saison erneut zum Verkauf angeboten.

Kathrin Horschig ist die Filialleiterin des Schuhgeschäftes "Leiser" am Postplatz in Görlitz.
Kathrin Horschig ist die Filialleiterin des Schuhgeschäftes "Leiser" am Postplatz in Görlitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Wunsch der Händler: Geschäfte müssen offen bleiben

Was jetzt bei Kathrin Horschig im Schuhgeschäft „Leiser“ angeboten wird, ist ganz normal für diese Saison geordert worden. Da die Filiale an Zalando angeschlossen ist, wurde während des Lockdowns über das Internetportal verkauft.

So unterschiedlich die Erfahrungen mit der Ware aus dem Vorjahr sind, so einig sind sich die Modehändler jedoch, wenn sie an diesem Sonntag von 13 bis 18 Uhr die Kunden herzlich zum verkaufsoffenen Sonntag in Görlitz einladen. Auch ein Wunsch eint die Händler: nie wieder Lockdown mit geschlossenen Geschäften.

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