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Görlitz auf der Sonnenseite

Der Dezember verabschiedete sich mit Sonne und Trockenheit. Aber gerade beim Niederschlag war das Jahr 2020 an der Neiße ganz normal.

Sonnig verabschiedete sich der Dezember wie hier an der Görlitzer Altstadtbrücke.
Sonnig verabschiedete sich der Dezember wie hier an der Görlitzer Altstadtbrücke. © Martin Schneider

Ins Bild passte das Wetter des letzten Monats vom Jahr 2020. Er war insgesamt zu warm und zu trocken, teilt der Deutsche Wetterdienst (DWD) der SZ mit.

Dabei gab es viel Bewegung im Monatsverlauf. Mal war es mäßig kalt, mal ungewöhnlich mild. Ein Temperatursturz von gut zehn Grad sorgte zum ersten Weihnachtsfeiertag in den Mittelgebirgen für eine weiße Überraschung. Am 27. Dezember brachte Tief „Hermine“ heftigen Wind und dem Bergland Schnee. Mit Spitzen von reichlich 92 Kilometern pro Stunde fegte der Wind um und durch Görlitz.

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Nur ein knappes Drittel des nötigen Regens

Für Görlitz verzeichnete der DWD insgesamt 15,8 Liter Niederschlag für Dezember, der an wenigen Tagen in der zweiten Dekade fiel. Das war zwar dreimal so viel wie im November, aber immer noch weniger als ein Drittel der sonst üblichen Menge. Der langjährige Mittelwert des Niederschlags liegt bei 57 Litern. Der Tagesmittelwert der Temperatur lag bei 3,2 Grad Celsius. Der niedrigste Einzelwert im Dezember wurde mit minus 5,8 Grad, der höchste Einzelwert mit 14,8 Grad Celsius gemessen.

Görlitz lag im Dezember an vielen Tagen wie der ganze Freistaat Sachsen auf der Sonnenseite des Wetters. Während der Wetterdienst für Sachsen fast 64 Sonnenstunden vermeldet, waren es für Görlitz viel mehr, nämlich genau 80,6 Stunden. Daran konnten auch die für den Monatsbeginn angekündigten Nebelfelder nichts ändern, die tatsächlich durch Görlitz zogen und außerhalb der Stadt noch viel dichter waren.

Viel Sonnenschein und zu trocken

Das Jahr 2020 ist in Deutschland mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,4 Grad Celsius das zweitwärmste Jahr seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Geringfügig wärmer war nur das Jahr 2018 mit 10,5 Grad Celsius. Auf den folgenden Plätzen liegen mit knappem Abstand 2019 und 2014 mit jeweils 10,3 Grad. Das meldet der Deutsche Wetterdienst nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2.000 Messstationen. Eine davon ist die Messstation in Görlitz. Und die weist für 2020 ihre Besonderheiten auf.

Im August - mit reichlich Sonnenstunden und heißen Temperaturen - zog es viele Menschen an den Berzdorfer See, wie hier an die Blaue Lagune.
Im August - mit reichlich Sonnenstunden und heißen Temperaturen - zog es viele Menschen an den Berzdorfer See, wie hier an die Blaue Lagune. © André Schulze

Besonderheiten des Wetters in Görlitz

Über Görlitz schien die Sonne 2020 insgesamt knapp 2.000 Stunden, lediglich eine halbe Stunde fehlt zur runden Bilanz. 299 Sonnenstunden bescherte uns der April, gefolgt vom Juli mit 261 Sonnenstunden und dem Mai mit 235. August und September bescherten jeweils mehr als 220 Sonnenstunden. Am seltensten wurden die Sonnenbrillen im Februar gebraucht: Da schien die Sonne nur knapp 68 Stunden.

Den höchsten Tageswert erreichte der August mit 32,8 Grad Celsius. Wochenlange Hitzeperioden gab es im Vorjahr aber nicht. Insgesamt fielen 2020 in Görlitz reichlich 666 Liter Niederschlag. Das waren etwa 100 Liter mehr als 2019, und sogar über 220 Liter mehr als 2018. Die Jahre davor fielen ebenfalls zwischen 600 und 700 Liter Niederschlag im Jahr.

Der meiste Regen wurde 2020 mit mehr als 129 Litern im August gemessen. Aber auch der Oktober brachte noch einmal 113 Liter. Februar und Juni kamen knapp an die 100-Liter-Marke heran. Mit lediglich 2,4 und 5,2 Litern Niederschlag waren der April und der November die beiden trockensten Monate.

Auffällig ist, dass Görlitz auf der Linie bis Reichenbach offenbar eine Wettergrenze bildet. Nördlich dieser Linie verzeichnete der Wetterdienst Niederschläge zwischen 600 und 700 Litern, südlich der Linie waren es im Schnitt 100 Liter mehr. Über dem Kreisnorden schien häufiger die Sonne als über dem südlichen Kreis. Das spiegelt sich auch in den Temperaturen wider: Im Norden des Landkreises Görlitz ist es meist ein, zwei Grad Celsius wärmer als im Südkreis.

Deutschlandweit sind die Temperaturen zu hoch

Trotz dieser Unterschiede: Deutschlandweit mehren sich die warmen Jahre. So seien hierzulande neun der zehn wärmsten Jahre im 21. Jahrhundert beobachtet worden, davon die vier wärmsten Jahre in der zurückliegenden Dekade 2011 bis 2020. Diese Dekade war zugleich die wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Kennzeichnend für das vergangene Jahr war zudem: 2020 war sehr sonnenscheinreich und das dritte zu trockene Jahr in Folge. Tobias Fuchs, Klima-Vorstand des Deutschen Wetterdienstes, erklärt daher: „Das sehr warme Jahr 2020 darf uns nicht kalt lassen. Die wissenschaftlichen Klimafakten des nationalen Wetterdienstes sind alarmierend. Klimaschutz ist das Gebot der Stunde. Wir müssen jetzt handeln."

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