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Wenn das Ersatzteil aus dem Drucker kommt

Reparieren ist wieder in. Das spüren Fachgeschäfte in Görlitz und Niesky. Doch nun kommt eine neue Möglichkeit hinzu: 3D-Drucken. Die gibt es auch in Görlitz.

Robert Gröschel zeigt ein Objekt, das als Anschauungsobjekt aus dem 3D-Drucker kam.
Robert Gröschel zeigt ein Objekt, das als Anschauungsobjekt aus dem 3D-Drucker kam. © Martin Schneider

Reparieren anstatt wegwerfen, das ist wieder angesagt. Fachhändler wie TV-Händler Gunter Ende in Görlitz und Schneidermeisterin Wiebke Kosian in Niesky bestätigen das. Zwar sind neue Dinge manchmal billiger als die Reparatur, aber viele Menschen hängen an ihren Liebhaberstücken. Ob es sich dabei um Bekleidung oder den Fernseher handelt, spielt keine Rolle. Zudem verweigern sich immer mehr Menschen dem Wegwerftrend, wollen Produkte nachhaltig nutzen und reparieren.

Doch während die meisten mit ihrer Reparatur zum Fachhändler gehen, eröffnen sich durch neue Technik auch andere Möglichkeiten. Das zeigt sich im soziokulturellen Zentrum "Werk 1" in Görlitz. Dort bietet der Makerspace 3D-Druck Neues. In dieser offenen Mitmachwerkstatt können unter anderem Ersatzteile hergestellt werden - im 3D-Druck.

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Ersatzteile wie diese können mit einem 3D-Drucker erstellt werden.
Ersatzteile wie diese können mit einem 3D-Drucker erstellt werden. © Martin Schneider

Barrierefreier Zugang im Werk 1

Experte im 3D-Druck muss man dafür nicht sein. Unterstützung gibt es gratis in der Mitmachwerkstatt im "Werk 1". "Etwas technisches und technologisches Verständnis sind von Vorteil", betont Robert Gröschel. Der studierte Sozialpädagoge ist Projektkoordinator für handwerkliche Bildung im Zentrum, das vom Görlitzer Verein Second Attempt betrieben wird. Zwei Mitmachwerkstätten, neudeutsch Makerspaces, gibt es: 3D-Druck und Holzwerkstatt.

Nicht erst seit das Zentrum Ende des vergangenen Jahres in der Conrad-Schiedt-Straße gleich hinter der Polizeidirektion Görlitz in das ehemalige Bombardier-Werk 1 umzog, gibt es das 3D-Druck-Angebot. Eine Förderung über den Europäischen Sozialfonds (ESF) ermöglichte es schon vorher. Aber die Bedingungen haben sich mit dem sanierten und umgebauten Gebäude sehr verbessert, vor allem ist es barrierefrei zu erreichen. Über mittlerweile vier 3D-Drucker verfügt die Mitmachwerkstatt. Sie werden auch ausgeliehen.

Vor wenigen Tagen gab es einen Online-Stammtisch für 3D-Druck. "Wir sind im Oktober 2020 gestartet, mussten wegen der Pandemie aussetzen und waren jetzt online am Start", erklärt Robert Gröschel. Diesmal ging es vor allem um die Frage, wie Ersatzteilmangel durch 3D-Druck gemildert werden kann.

Robert Gröschel, Gabriel Nobis , Sandra Pleger , Christian Thomas (von links) und Hund Hugo sitzen im großen Veranstaltungssaal des Zentrums für Jugend und Soziokultur. Während der pandemiebedingten Einschränkungen konnte er nicht genutzt werden.
Robert Gröschel, Gabriel Nobis , Sandra Pleger , Christian Thomas (von links) und Hund Hugo sitzen im großen Veranstaltungssaal des Zentrums für Jugend und Soziokultur. Während der pandemiebedingten Einschränkungen konnte er nicht genutzt werden. © André Schulze

3D-Druck als bessere Form der Heißklebepistole?

Mittlerweile ist die Möglichkeit, Ersatzteile und mehr zu drucken, in der öffentlichen Wahrnehmung gestiegen, denn auch das Thema Nachhaltigkeit wird präsenter. Robert Gröschel, der 29-Jährige, weiß, dass das "Werk 1" daran zumindest in Görlitz einen Anteil hat. Ein Görlitzer Sanitätshaus beispielsweise testete hier den 3D-Druck und ob man die gedruckten Teile für eigene Zwecke nutzen kann. Daraufhin schaffte sich das Unternehmen selbst solche Drucker an, informiert Gröschel. "Unsere 3D-Drucker sind öffentlich nutzbar", sagt er. Wer ein Ersatzteil brauche oder einmal die Technik ausprobieren möchte, kann das im "Werk 1" tun, ohne selbst die entsprechende Technik anschaffen zu müssen.

Bei der Erstellung des entsprechenden Computerprogramms, nach dem der Drucker das Gewünschte druckt, gibt es Hilfe. Das sei nicht so schwer, wie man vielleicht im ersten Moment denkt, erklärt der Sozialpädagoge. Man schaut, was im Internet an offenen Programmen vorhanden ist, nutzt sie nach - falls sie nicht urheberrechtlich geschützt sind - oder ergänzt das Computerprogramm. "Dafür gibt es online Baukastensysteme, die man nutzen kann", erklärt Gröschel. Letztlich sei 3D-Druck eine bessere Form der Heißklebepistole, erklärt er salopp weiter und will damit Mut machen, eine vermeintlich schwierige Technologie selbst auszuprobieren.

Reparieren verbindet Generationen

Jeden Dienstag ist der Makerspace 3D-Druck ab 16 Uhr geöffnet. Wenn das Reparatur-Café jeden letzten Dienstag im Monat ab 17 Uhr zum Reparieren einlädt, ist meistens auch jemand da, der beim 3D-Druck behilflich sein kann, informiert Gröschel. Vom Schüler über den Studenten bis zum Rentner sind alle Altersgruppen hier vertreten.

Der nächste 3D-Stammtisch wird sich unter anderem mit dem Urheberrecht und Versicherungsfragen bei der Verwendung von Ersatzteilen aus dem Drucker befassen. Abhängig von der pandemischen Lage findet er entweder online oder in Präsenz statt. Nur das Datum steht noch nicht fest.

Gunter Ende jedenfalls findet die Möglichkeit der Ersatzteilbeschaffung über 3D-Druck prinzipiell gut - allerdings weniger für den Bereich der Unterhaltungselektronik. "Es gibt keine technischen Zeichnungen als Vorlagen, auch beim Material sehe ich Probleme", sagt er. Originalteile für das Ersatzteil im 3D-Druck mit Laser zu scannen, das sei für ihn zu aufwändig, erklärt er weiter. Dennoch weiß Gunter Ende, dass im Internet Links kursieren, die Ersatzteile für die TV-Branche im 3D-Druck offerieren.

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