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Brand versetzt Mieter in Angst und Schrecken

Acht Einwohner erleben am Donnerstagmorgen in Görlitz bange Stunden. Bereits am Vortag rückte die Feuerwehr zu einem anderen Feuer aus.

In den Morgenstunden kam es am Donnerstag auf der Zittauer Straße in Görlitz zu einem Wohnungsbrand in einem Mehrfamilienhaus. Eine Frau wurde über die Drehleiter gerettet.
In den Morgenstunden kam es am Donnerstag auf der Zittauer Straße in Görlitz zu einem Wohnungsbrand in einem Mehrfamilienhaus. Eine Frau wurde über die Drehleiter gerettet. © Danilo Dittrich

Das Treppenhaus in dem Gebäude Zittauer Straße 63 ist dreckig und nass. Es riecht nach Rauch. Michael Gutsche, der Hausmeister, hat gerade eine große Spanplatte vor eine Wohnungstür im ersten Obergeschoss geschraubt. Ob die Tür noch vorhanden ist, ist nicht ersichtlich. Lediglich im oberen Bereich gibt die Platte einen Blick in ein schwarzes Loch frei. Der Hausmeister bekam den Auftrag zur Sicherung der Wohnung von der Hausverwaltung und der Polizei. Nun kann niemand mehr in die Zwei-Raum-Wohnung hinein, die Brandursachenermittler sind gerade weg. Der Hausmeister wird als nächstes das Treppenhaus grundreinigen.

Krankenschwester bemerkt das Feuer

Da liegt die größte Aufregung schon hinter den Mietern des Hauses. Am Donnerstag gegen halb sieben war die Feuerwehr in die Zittauer Straße gerufen worden.

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Bemerkt hat das Feuer Corina Hollstein. Sie ist Krankenschwester in der Caritas-Sozialstation "St. Hedwig" und betreut in dem Brandhaus eine Patientin. Diese bekommt morgens eine Spritze. "Als ich in das Haus ging, war von dem Feuer noch nichts zu bemerken, doch als ich kurze Zeit später wieder ging, quoll schon dicker Rauch aus der Wohnung im ersten Obergeschoss", erzählt die Pflegerin. Sie alarmierte umgehend die Feuerwehr.

Kurz vor dem Mittag kommt Frau Hollstein noch einmal zurück. Sie muss in der Wohnung ihrer Patientin Medikamente holen, die die Patientin benötigt. Diese ist nach einem kurzen Aufenthalt im Krankenhaus bei Verwandten untergekommen. Zwar informierte die Polizei gestern, dass das Haus unbewohnbar sei, aber wie die SZ vor Ort erfuhr, hätten die Mieter gegen Mittag zurückkehren können. Gas-, Wasser- und Stromleitungen seien überprüft worden. Durch das umsichtige Handeln der Krankenschwester und die schnelle Brandbekämpfung durch die Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Wohnungen vermieden werden. Über die Brandursache ist derzeit noch nichts bekannt.

Kurz vor Donnerstagmittag erscheint eine ältere Dame. Sie wohnt in dem Haus und ist noch sehr aufgeregt. Sie kommt gerade aus dem Krankenhaus und muss offensichtlich schnell in ihre Wohnung, um Geld für das Taxi zu holen, das sie zurückgebracht hat. Über das Geschehen reden möchte sie nicht, sie ist noch ziemlich mitgenommen von den Ereignissen.

Dann kommt der Mieter, der gleich in der Wohnung unmittelbar neben der Brandwohnung lebt. Er war in der Nacht nicht zu Hause, las morgens bei Facebook, dass die Feuerwehr in seinem Wohnhaus zu Gange ist. Er eilte herbei und kann nur sehen, wie die Kameraden löschen. Für die Bewohner stellten die Verkehrsbetriebe, die gleich nebenan einen Standort haben, einen Bus bereit, in dem sie vorübergehend warten konnten und nicht im Regen stehen mussten. Einige Bewohner, darunter die ältere Dame und eine junge Frau mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung, kommen ins Krankenhaus. Die junge Frau, eine 24-jährige Mieterin des Hauses, wurde zuvor von der Feuerwehr über die Drehleiter gerettet.

Wo sich allerdings der Mieter der Brandwohnung befindet, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand sagen. Offensichtlich waren die Mieter des Hauses aber nicht überrascht, dass es zu so einem schlimmen Vorfall kam. Polizeibekannt sei der Mieter, hieß es hinter vorgehaltener Hand, auch Drogen sollen bei ihm im Spiel gewesen sein. Offenbar trauert keiner der Mieter jenem Mann hinterher, wenn er künftig in einem anderen Haus lebt. Denn seine Wohnung ist völlig ausgebrannt und jetzt unbewohnbar.

Zerborsten und rußgeschwärzt sind Scheiben eines Fensters der Brandwohnung in der Zittauer Straße in Görlitz.
Zerborsten und rußgeschwärzt sind Scheiben eines Fensters der Brandwohnung in der Zittauer Straße in Görlitz. © Martin Schneider

Brand bricht im Kinderzimmer aus

Für große Aufregung unter den Mietern und einen Einsatz der Feuerwehr sorgte bereits am Mittwochnachmittag ein Brand in der Heyne-Straße. Dort war in einem Mehrfamilienhaus im Kinderzimmer einer Dachgeschosswohnung ein Feuer ausgebrochen. Es griff auf das Mobiliar des Zimmers über und schlug durch die Decke sowie das Dach. Kameraden der Berufs- und der Freiwilligen Feuerwehr verhinderten ein Übergreifen auf weitere Wohnungen und löschten die Flammen. Die zehn Bewohner des Hauses befanden sich beim Eintreffen der Rettungskräfte bereits vor dem Haus und in Sicherheit. Verletzt wurde niemand.

Zu den Bewohnern des Hauses gehören auch Hannelore und Heinz Weyrauch. Sie wohnen im ersten Obergeschoss. Am Mittwochnachmittag wurden sie gegen halb vier aus ihrer Wohnung geklingelt. Sofort sollten sie das Haus verlassen. "Da traf die Feuerwehr schon ein", sagt Heinz Weyrauch. Der 89-Jährige und seine 86-jährige Frau warteten wie die anderen Mieter abseits des Hauses. "Alles ging so schnell, ich habe nur meine Handtasche geschnappt, um wenigstens die Papiere dabei zu haben", erzählt Hannelore Weyrauch. Ihre Mütze vergaß sie und fror beim Warten. Wohl auch deswegen waren sie und ihr Mann froh, dass die Bewohner gegen 17 Uhr wieder in ihre Wohnungen zurück konnten.

Hannelore und Heinz Weyrauch sind froh, dass bei dem Brand in ihrem Wohnhaus in der Heynestraße niemand verletzt wurde und ihre Wohnung keinen Schaden nahm.
Hannelore und Heinz Weyrauch sind froh, dass bei dem Brand in ihrem Wohnhaus in der Heynestraße niemand verletzt wurde und ihre Wohnung keinen Schaden nahm. © Martin Schneider

Wie die Feuerwehr informiert, war zunächst nur die Brandwohnung unbewohnbar. Der Rest des Hauses wurde nicht in Mitleidenschaft gezogen. Den Gesamtsachschaden schätzt die Polizei in der Heynestraße auf etwa 50.000 Euro. Nach ersten Untersuchungen vermuten die Ermittler einen technischen Defekt als Brandursache. Am Donnerstagvormittag war ein Brandursachenermittler im Einsatz. Danach konnten die Mieter der Brandwohnung offenbar auch wieder in ihre Wohnung zurückkehren, wie das Ehepaar Weyrauch feststellte. Wie die Senioren gehört hatten, sei nur das Kinderzimmer unbewohnbar.

Der örtliche Kriminaldienst führt die weiteren Ermittlungen zu den Brandursachen der Feuer in beiden Häusern.

Die Feuerwehr löschte am Mittwochnachmittag einen Brand im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses in der Heynestraße in Görlitz.
Die Feuerwehr löschte am Mittwochnachmittag einen Brand im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses in der Heynestraße in Görlitz. ©  xcitepress

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