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Cousinen verkaufen in Görlitz polnische Spezialitäten

Eigentlich sind die beiden Buchhalterinnen, wollten aber an der Elisabethstraße ein Experiment wagen. Das heißt "Alinka" und scheint erfolgreich.

Aleksandra Shipp (li.) und ihre Cousine Beata Wieschollek in ihrem Geschäft "Alinka". Hier gibt es Dinge, die man sonst nur in Polen bekommt.
Aleksandra Shipp (li.) und ihre Cousine Beata Wieschollek in ihrem Geschäft "Alinka". Hier gibt es Dinge, die man sonst nur in Polen bekommt. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Wurst und Käse, das lieben die Deutschen. Vor allem, wenn es aus Polen kommt. Jedenfalls haben diese Erfahrung Beata Wieschollek und Aleksandra Shipp gemacht. Gemeint sind auch nicht alle Deutschen, sondern so mancher deutscher Görlitzer. Denn da sind auch noch die polnischen Görlitzer - mittlerweile 4.000 an der Zahl.

Für sie alle haben die Cousinen Beata Wieschollek und Aleksandra Shipp vor einigen Wochen ein Geschäft für polnische Spezialitäten eröffnet. Auf der Elisabethstraße - gleich gegenüber dem Wochenmarkt. Erst war die Berliner Straße im Gespräch, aber dann überlegten sich die beiden Frauen, dass es nahe dem Wochenmarkt günstiger ist. Denn hierher kommen die Menschen, um frische Ware zu kaufen. Und dieses Konzept verfolgt auch ihr Laden „Alinka“.

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Laden ist nach der Mutter benannt

Jeden Tag fahren die Frauen mit Aleksandras Mann nach Polen, um frische Ware zu holen. Eine ganz bestimmte Bäckerei steuern sie zum Beispiel an. Eine richtig alte. Seit 1947 gibt es sie und alles wird noch per Hand gemacht. Extra Zutaten kommen hier nicht in Brot und Brötchen. „Deshalb sind diese Backwaren auch besonders für Diabetiker oder Menschen geeignet, die mit Darmproblemen zu kämpfen haben“, sagt Aleksandra Shipp. Inzwischen hat sich das gute Brot schon herumgesprochen, Kunden bestellen bereits für die nächste Woche vor.

Als der Renner haben sich die fertigen Mittagsmenüs herausgestellt. Die produziert ein Unternehmen in Polen nach alten Rezepten und füllt sie in Gläsern ab. „Die müssen wir immer wieder nachholen, so schnell sind sie alle.“ Egal, ob Getränke, Süßigkeiten oder bestimmte Zutaten, die es nur in Polen gibt: Wenn es Kundenwünsche gibt, machen die beiden Cousinen alles möglich. So ist das Sortiment in den wenigen Wochen schon deutlich größer geworden.

Bei "Alinka" auf der Elisabethstraße (Nähe Dicker Turm) gibt es frische Lebensmittel aus Polen.
Bei "Alinka" auf der Elisabethstraße (Nähe Dicker Turm) gibt es frische Lebensmittel aus Polen. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Dass es „Alinka“ an der Elisabethstraße gibt, hat sich schnell herumgesprochen. „Obwohl wir noch keinerlei Werbung gemacht haben, das haben wir einfach noch nicht geschafft“, sagt Beata Wieschollek. Die 52-Jährige kam 2019 aus Berlin nach Görlitz. Sie ist Buchhalterin und hatte dort ein eigenes Büro.

Cousinen verloren sich aus den Augen

Aufgewachsen sind die Cousinen in Polen - Aleksandra bei Katowice und Beate bei Oppeln. Aufgrund der Entfernung - es sind um die 200 Kilometer - sahen sie sich nur zu größeren Anlässen. Später verloren sie sich über Jahre aus den Augen, jeder ging seiner Wege. „Zusammengebracht hat uns eigentlich Alinka wieder, Aleksandras 2018 verstorbene Mutter“, erzählt Beata Wieschollek. Sie wünschte sich, dass die beiden Cousinen wieder engeren Kontakt haben mögen und lud Beata nach Görlitz ein. „Schließlich zog ich tatsächlich ganz nach Görlitz, wo Aleksandra schon seit 1992 lebt, und fühlte mich schnell wohl. Kleinere Stadt, andere Menschen, aber schön. Ich hätte trotzdem nie gedacht, dass ich hier mal lande", erzählt die Mutter eines Sohnes und einer Tochter.

Früher mal Tänzerin gewesen

Heute sind die beiden Cousinen ganz eng miteinander und obendrein noch Arbeitskolleginnen - sie arbeiten nämlich beide in Beatas Steuerbüro auf der Konsulstraße. Nur jetzt nicht mehr so viel zusammen, denn der Laden muss auch besetzt sein. „Wir hatten einfach die Idee, so etwas zu machen und sagten uns: Warum nicht. Lass es ein Experiment sein. Wenn es nicht funktioniert, können wir ihn auch wieder schließen“, sagt Beata Wieschollek, und man kann sich lebhaft vorstellen, wie sie und ihre Cousine mit ihrer herzlichen und offenen Art die Herzen der Kundschaft erobern.

Sie erzählen, dass sie schon jetzt viele Stammkunden haben, mancher kommt sogar täglich. „Bei uns kann man nicht nur einkaufen, sondern wir beraten auch, sagen, woher die Sachen kommen, was drin ist, wofür man sie verwenden kann“, sagt Aleksandra Shipp. Die 49-jährige Mutter von drei Töchtern ist in Görlitz kein gänzlich unbekanntes Gesicht. Jahrelang hat sie am Theater als Balletttänzerin gearbeitet, später im Marketing und als Übersetzerin. Auch ihre Mutter, eben jene Alinka, nach der letztlich der Laden benannt wurde, arbeitete lange als Maskenbildnerin im Theater.

Mit ihrer neuen Tätigkeit ist sie aber auch glücklich. Besonders in solchen Momenten: Eine Kundin lässt sich beraten, welchen Käse sie am besten für den Kuchen verwenden kann und bringt am nächsten Tag eine Kostprobe vom fertigen Kuchen vorbei. "Wir haben in so kurzer Zeit schon so viel Vertrauen gewonnen, das freut uns sehr."

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