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"Für Ambulanzen fehlen uns die Ärzte"

KVS-Chef Klaus Heckemann hält weder was von Fieberambulanzen noch von der Corona-Ambulanz wie es sie am Carolus-Krankenhaus gab. Er hat einen Vorschlag.

Porträt Dr. Klaus Heckemann, Chef der KV Sachsen.
Porträt Dr. Klaus Heckemann, Chef der KV Sachsen. © Sven Ellger

Absage an die Corona-Ambulanz in Rauschwalde: Dr. Klaus Heckemann, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS), glaubt nicht daran, dass die Abstrichstelle auf dem Gelände des Malteser-Krankenhauses St. Carolus Rauschwalde nochmal öffnet  auch bei steigenden Corona-Zahlen nicht. Er macht damit die Hoffnung von Görlitzer Kinderärzten zunichte, die sich mit einer Wiederöffnung mehr Entspannung für ihren Praxisbetrieb erhofften. Unter anderem hatte das Kinderärztin Dr. Ines Berger gefordert, um der großen Patientenzahlen Herr zu werden - darunter viele mit leichten Erkältungssymptomen, die zum Corona-Test kommen. 

Chef testet selbst: KVS-Geschäftsführer Dr. Klaus Heckemann nimmt im Corona Testzentrum an der A4, das für einige Woche am Parkplatz "An der Neiße" eingerichtet war, einen Rachenabstrich.
Chef testet selbst: KVS-Geschäftsführer Dr. Klaus Heckemann nimmt im Corona Testzentrum an der A4, das für einige Woche am Parkplatz "An der Neiße" eingerichtet war, einen Rachenabstrich. ©  SZ-Archiv / Nikolai Schmidt

Laut einem Schreiben der KVS vom 31. August fühlten sich Kinderärzte wie Dr. Berger oder auch Dr. Markus Rentsch zum Testen aller Kinder mit Symptomen verpflichtet. Allerdings betont Klaus Heckemann gegenüber der SZ, dass die in besagtem Schreiben beschriebene Vorgehensweise schon zur Entlastung der Kinderärzte hatte beitragen sollen und diese es möglicherweise missverstanden hätten. "Es ist völliger Unsinn, bei jedem Kind einen Abstrich zu machen, bloß weil der Hals kratzt, denn dann reicht auch eine Unbedenklichkeitsbescheinigung", so Heckemann. "Wir hatten deshalb am 31. August mitgeteilt, dass nur Kinder mit coronaähnlichen Symptomen zum Test sollen. Wir wollten das Problem lösen, indem wir das den Kinderärzten an die Hand geben." 

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Kitas wollen negativen Corona-Test sehen

Gut und schön - sagen aber die Kinderärzte. "Das Problem ist, dass vielen Kindereinrichtungen eine Unbedenklichkeitsbescheinigung nicht reicht", so Ines Berger. Doch die von ihr dringend erhoffte Wiederöffnung der Corona-Ambulanz wird nicht kommen. "Dafür müssten wir Ärzte abstellen", sagt Heckemann. "Doch die stecken in ihren jetzt wieder vollen Praxen. Als wir die Corona-Ambulanz im März eröffneten, war das anders. Da waren viele Wartezimmer leer." Zwingen könne die KVS die Ärzte nicht, sich für Dienste in der Corona-Ambulanz zu melden.

KVS und Landkreis Görlitz hatten im Frühjahr eine Corona-Ambulanz auf dem Gelände des Görlitzer Carolus-Krankenhauses eingerichtet - und sie Ende Juni wieder geschlossen, mit der Option, sie bei steigenden Zahlen wieder zu öffnen. Doch dafür gebe es kein
KVS und Landkreis Görlitz hatten im Frühjahr eine Corona-Ambulanz auf dem Gelände des Görlitzer Carolus-Krankenhauses eingerichtet - und sie Ende Juni wieder geschlossen, mit der Option, sie bei steigenden Zahlen wieder zu öffnen. Doch dafür gebe es kein © André Schulze

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Gleiches gilt für die jetzt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgeschlagenen Fieberambulanzen. Auch hierfür sehe er das ärztliche Personal nicht, sagt Heckemann. Er sähe es als viel vernünftiger an, wenn Hausärzte in ihren Praxen Fiebersprechstunden anbieten würden - zeitlich getrennt von den normalen Patienten, um einer Ansteckung aus dem Weg zu gehen. Das gelte ebenso für die Grippeschutzimpfung, auch hier seien separate Zeiten wünschenswert. Ärzte, die das einrichten, sollen dafür extra Honorar bekommen, kündigt Klaus Heckemann an.  

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