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Kies-Abbau bewegt Hagenwerder

Die große Fläche für den Abbau ist schon weithin sichtbar. Eine Onlinepetition hat offenbar kaum Erfolgschancen.

Die künftige Kiesabbaufläche bei Hagenwerder ist aus der Luft gut erkennbar - und auch, wie nah dran sie an Ortschaft und Berzdorfer See liegt.
Die künftige Kiesabbaufläche bei Hagenwerder ist aus der Luft gut erkennbar - und auch, wie nah dran sie an Ortschaft und Berzdorfer See liegt. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Es ist ein riesiger Einschnitt in die Landschaft, das machen besonders Fotos aus der Luft deutlich. Hier, gleich am Ortseingang von Hagenwerder, zeigt sich auf der linken Seite, wenn man aus Görlitz kommt, eine große Fläche. Wer sich in letzter Zeit gefragt hat, was hier gebaut werden soll: nichts. Im Gegenteil: Hier wird etwas abgebaut. Kies.

Ob es schon losgegangen ist oder nicht, ist allerdings nicht ganz klar. Die Flächen scheinen vorbereitet, nach Abbau sieht es aktuell nicht aus. Informationen von der Firma gibt es keine. Die Heim Niederschlesische Kieswerke GmbH & Co. KG antwortet auf wiederholte SZ-Anfragen nicht. Und so ist nur bekannt, was bereits vor reichlich zehn Jahren öffentlich wurde, als das Unternehmen schon einmal einen Vorstoß unternahm, an eben dieser Stelle Kies abbauen zu dürfen: So solle auf einem Bergwerksfeld von 114,7 Hektar in vier Abbaufeldern Kies gefördert werden - insgesamt auf einer Fläche von 53,6 Hektar. 2010 bestätigte die Landesdirektion, dass an der Ostseite des Berzdorfer Sees Kiesabbau möglich sei.

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Damals machten in Hagenwerder viele ihrem Unmut Luft, auch eine Bürgerinitiative gegen den Kiesabbau wurde gegründet - mit dem Teilerfolg, dass sich die geplante Fläche verkleinerte. Protest gibt es auch gegen die neuerlichen Aktivitäten. So wurde Ende Mai auf der Internetseite Openpetition, auf der jeder Bürger eine Petition starten kann, die sich an Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft richtet, eine gegen den Kiesabbau ins Leben gerufen. „Wir fordern, dass der genehmigte Hauptbetriebsplan zurückgenommen und neu geprüft wird. Dass aktuelle Unterlagen und öffentliche Belange der Anwohner und die Entwicklung des Sees berücksichtigt werden“, heißt es hier.

Als Hauptargumente werden aufgeführt: Der Naturschutz und die touristische Entwicklung am Berzdorfer See seien mit dem geplanten Kiesabbau nicht vereinbar. Der Kiesabbau sei nicht nur ein massiver Eingriff in die Natur, sondern auch das Ortsbild werde nachhaltig verändert, Erholung und Tourismus würde geschadet. „Das Abbaugebiet liegt zudem umrundet von Naturschutzgebieten, die nicht direkt aber doch indirekt beeinträchtigt werden. Im direkten Abbaugebiet wurde der Kiebitz mit mehreren Nestern gefunden.“

Doch auch Lärmbelästigung wird befürchtet. So schreibt einer der Petitions-Unterzeichner, dass er als Einwohner von Hagenwerder direkt von den Begleitfolgen des Kiesabbaus betroffen sei und fragt: „Wozu Dreck und Lärm erzeugen, wenn kein wirtschaftlicher Bedarf besteht?“ Ein Görlitzer formuliert seinen Protest so: „Hier erfolgt ein massiver Eingriff in ein intaktes Ökosystem. Die Staubbelästigung für Anwohner, Hotels und Reiterhöfe ist sicherlich nicht unerheblich, was jetzt schon zu merken ist.“

66 Menschen haben Petition unterzeichnet

Ein Weiterer kritisiert, dass man über den Willen der Anwohner hinweg in der Nähe beziehungsweise in einem Vogelschutz- und Naherholungsgebiet einen Tagebau errichtet. Insgesamt 66 Personen haben die Petition bislang unterzeichnet, die noch bis 11. Juli geht. Ziel sind allerdings 840 Unterzeichner, so viele wären für das sogenannte Quorum nötig. Das heißt, dass dann die Plattform Openpetition von den zuständigen Entscheidungstragenden eine Stellungnahme einfordern würde. Dass damit der Abbau gestoppt ist, heißt das mitnichten.

Wohnen in unmittelbarer Nähe der geplanten Kiesabbaufläche: Marianne und Alexander Thiel von der "Ranch am See" in Hagenwerder.
Wohnen in unmittelbarer Nähe der geplanten Kiesabbaufläche: Marianne und Alexander Thiel von der "Ranch am See" in Hagenwerder. © Martin Schneider

Unmittelbare Anwohner des Kiesabbaugebietes sind Marianne Thiel von der Ranch am See und ihr Mann Alexander. Sie hatten sich vor einigen Wochen bereits gegenüber der SZ zu dem Vorhaben auf der anderen Straßenseite geäußert - besorgt und verärgert. Ihre Befürchtungen seien zum Teil eingetreten beziehungsweise haben sich Vermutungen bestätigt, sagt Marianne Thiel. Derzeit sei man in einem anwaltlich vertretenen Verfahren, in dem es bereits einen guten Austausch mit der Firma Heim und dem Sächsischen Oberbergamt Freiberg gab. „Ausgang offen, aber positiver Hoffnung“, sagt Marianne Thiel.

Das Amt in Freiberg hatte den Hauptbetriebsplan für den Kiesabbau in Hagenwerder im Dezember 2020 zugelassen. Die Stadtverwaltung Görlitz zeigte sich im Januar überrascht deswegen, ging aber davon aus, dass das entsprechende Verfahren korrekt gelaufen ist. Auf eine erneute SZ-Anfrage an die Stadt, ob sie Belastungen für Anwohner und Touristen erwarte - etwa durch Lärm- oder Staub - gab es bislang keine Aussage.

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