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Görlitz ist komplett ausgebucht

Weshalb es für Besucher zurzeit schwierig ist ein Hotelzimmer in Görlitz zu bekommen und wohin man ausweichen kann.

Freuen sich über ein voll belegtes Parkhotel: Frontoffice-Manager Steven Schmidt und Direktorin Daniela Schulze im Restaurant des Hotels.
Freuen sich über ein voll belegtes Parkhotel: Frontoffice-Manager Steven Schmidt und Direktorin Daniela Schulze im Restaurant des Hotels. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Von Josefin Kauk

Tut uns leid, nichts frei. Oder: Dieses Wochenende sind wir ausgebucht. Was potenzielle Besucher gerade oft am Telefon hören, ist weniger schön für sie, aber die Hoteliers sind froh, nach zähen Corona-Monaten im Moment wieder voll belegt zu sein.

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Natürlich spielen hier die aktuellen Dreharbeiten zur Serie „Torstraße 1“ eine Rolle. Allein 350 Leute umfasst das engere Filmteam, hatte X-Filme-Produzent Stefan Arndt unlängst gesagt. Schauspieler, Regie, Produzenten, Techniker, Sicherheitsbeauftragte und viele weitere wollen am Ende des Drehtages auch irgendwo schlafen. Ein Großteil des Filmteams wohnt aktuell im Görlitzer Parkhotel nahe dem Stadtpark. Empfangschef Steven Schmidt kann auch deshalb sagen: „Wir sind im September ausgebucht.“

Ein weiterer Faktor: Nachdem das Tourismusjahr coronabedingt langsam angelaufen war, ist die Stadt inzwischen seit Wochen voll. Das bestätigt auch Eva Wittig von der Europastadt Görlitz/Zgorzelec GmbH (EGZ). Vor der Corona-Pandemie waren die Übernachtungszahlen stets auf einem ähnlich hohen Niveau – mit leicht steigender Tendenz. Das belegen die Zahlen des Statistischen Landesamtes Sachsen.

Im Frühling 2020 dann ein deutlicher Einbruch: die Zeit des ersten Lockdowns. Dafür gab es im Sommer des Jahres mehr Übernachtungen als je zuvor. Von Juli bis Oktober erreichte Görlitz Spitzenwerte im Vergleich zu den Vorjahren. Insgesamt blieben die Übernachtungszahlen 2020 jedoch unter dem Niveau von 2019. Deshalb kam es zu hohen Umsatzausfällen. Auch in den weiteren Lockdowns brachen die Besucherzahlen naturgemäß wieder ein. Bis Mitte 2021 gab es kaum Übernachtungen. Hotels mussten teils komplett schließen. Der Grund: das Beherbergungsverbot.

Paul Otto betreibt in Görlitz ein Hotel, das seinen Namen trägt.
Paul Otto betreibt in Görlitz ein Hotel, das seinen Namen trägt. © Nikolai Schmidt

Paul Otto, Inhaber vom gleichnamigen Görlitzer Hotel sagt: „Während Corona hatten wir einen Umsatzeinbruch von 95 Prozent. Aber die staatliche Überbrückungshilfe hat uns 100 Prozent der Betriebskosten erstattet. Das hat uns erheblich geholfen.“ Nun geht es auch hier wieder bergauf, er profitiert wie alle anderen vom neuen Gästeboom in der Stadt. Selbst im Umland von Görlitz bemerken die Hotels einen Anstieg der Besucherzahlen. Denn hierhin weicht mancher aus, der in der Stadt kein Zimmer bekam oder der es einfach ruhiger mag.

Marie Neumann arbeitet an der Rezeption des Hotels Kreuzbergbaude in Jauernick. „An den Wochenenden ist das Hotel derzeit ausgebucht“ sagt Marie Neumann, „Wir sind dann 100 Prozent ausgelastet“. Momentan kommen viele Besucher, um Feiern nachzuholen, die während Corona ausgefallen sind. Beispielsweise wird im Hotel an diesem Wochenende eine Hochzeit gefeiert. „Unter der Woche sind die Besucherzahlen mäßig hoch“, sagt Marie Neumann aber auch. Dann sind es vor allem Berufstätige von außerhalb, die hier schlafen. Und auch vom Filmgeschehen in der Stadt profitiert die Kreuzbergbaude, denn einige Mitglieder der Filmcrew schlafen hier.

Filmleute schlafen auch im Görlitzer Umland

Nicht selten werden Mitglieder von Filmproduktionen in Hotels im Umland von Görlitz untergebracht. Auch im Hotel Zum Firstenstein in Königshain haben in diesem Monat drei Mitglieder der Filmgesellschaft X-Filme übernachtet. Das erzählt die Inhaberin des Hotels, Heike Hauffe. Auch ihr Hotel ist zurzeit gut besucht. An den Wochenenden ist es sogar ausgebucht. Nach den vergangenen Lockdowns ist der hohe Besucherandrang für die Hotels jetzt eine willkommene Abwechslung und bringt ein bisschen Normalität zurück in die Branche.

Im Landkreis Görlitz war die Inzidenz lange hoch, lag bis Mai sogar bei 200. Die Folge waren scharfe Beschränkungen. Deshalb haben im Frühjahr und Anfang des Sommers viele Urlauber in Regionen mit niedrigeren Inzidenzen gebucht. Das erklärt Eva Wittig von der EGZ. „Bis Juli gab es keinen Tourismus in Görlitz. Übernachtungen in Hotels waren nur aus beruflichen Gründen möglich.“

Heike und Norbert Hauffe vom Hotel „Zum Firstenstein“ in Königshain.
Heike und Norbert Hauffe vom Hotel „Zum Firstenstein“ in Königshain. © Constanze Junghanß

Wegen der vielen Geschäftsreisen konnte das Parkhotel aber geöffnet bleiben. Auch aus „sozialen Gründen“ waren Aufenthalte in Hotels erlaubt. Beispielsweise für Angehörige eines Patienten im Krankenhaus oder für Gäste einer Trauerfeier. „Trotzdem haben wir die Pandemie deutlich zu spüren bekommen. Finanziell und personell,“ sagt Steven Schmidt. Die Mitarbeiter des Parkhotels bekamen Kurzarbeitergeld. Trinkgeld fiel ganz weg. Manche Mitarbeiter haben die Branche gewechselt. „Wir haben viel Personal verloren“, erklärt der Empfangschef des Parkhotels.

Doch inzwischen können alle wieder nach vorn blicken. Paul Otto schätzt: „Dieses Jahr sind es noch mehr Besucher als im Sommer 2020.“ Und immerhin können noch mehr kommen, denn gerade Städtereisen sind im September beliebt.

Niedrige Inzidenz macht Görlitz attraktiv

Steven Schmidt sagt: „Alle die nach Görlitz wollen, kommen im August, September und Oktober.“ Besucher seien nicht wie in den Vorjahren über die ganzen Sommermonate verteilt.

Aktuell hat Görlitz zudem auch eine niedrige Inzidenz. Das macht die Stadt als Reiseziel attraktiv. Auch für Bustouristen, von denen viele im Parkhotel übernachten. Busreisen waren erst diesen Sommer wieder möglich. Steven Schmidt sieht deshalb auch darin einen Grund für den derzeitigen Besucherandrang in Görlitz. Zudem standen und stehen wieder mehr Veranstaltungen auf dem Programm. Diese machen die Stadt als Ziel für eine Kurzreise noch attraktiver – der Schlesische Tippelmarkt etwa oder der Tag des offenen Denkmals. Im Oktober finden noch die Jazztage statt.

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