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Wieder mehr Hundehaufen in Görlitz

Der Schnee kommt unbelehrbaren Hundehaltern gerade recht. Denn Hundekot bleibt in Görlitz ein Ärgernis. Die Stadt will 2021 dagegen kämpfen.

Mit solchen Schildern werden Hundehalter freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen, dass Hundehaufen hier nicht gern gesehen sind.
Mit solchen Schildern werden Hundehalter freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen, dass Hundehaufen hier nicht gern gesehen sind. © Archiv: Rafael Sampedro

Hoffentlich taut es nicht so bald. Denn dann kommen sie wieder zum Vorschein, die Hinterlassenschaften von Balou, Bella und Co. Augenscheinlich nehmen die in Corona-Zeiten wieder deutlich zu. Vielleicht, weil Hundehalter vor allem abends einsamer ihre Runden drehen und sich unbeobachtet fühlen? Auch Facebook-Nutzer haben sich vor wenigen Tagen - kurz vor dem Wintereinbruch - über viele frische, nicht weggeräumte Haufen aufgeregt und nannten als Beispiel die Hilgerstraße. Jetzt aber sorgt der Schnee offenbar für eine weiße Weste. Er macht viele Haufen unsichtbar, weil sie einsinken oder beim Beräumen der Gehwege mit beiseite geschippt werden. Oder im besten Fall gleich entsorgt.

Dass das allzu oft immer noch nicht der Fall ist und die bloßen Haufen oder aber volle Beutel einfach liegen bleiben, kann auch der Chef des städtischen Ordnungsamtes, Bastian Altmann, bestätigen. "Ich bin selbst viel in der Stadt unterwegs und sehe täglich, dass hier und da Hundekot herumliegt. Mit wechselnden Schwerpunkten, muss man sagen." Allerdings gebe es auch ganze Straßenzüge, die picobello sauber seien.

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Bastian Altmann sagt als Chef des Görlitzer Ordnungsamtes Hundehinterlassenschaften den Kampf an.
Bastian Altmann sagt als Chef des Görlitzer Ordnungsamtes Hundehinterlassenschaften den Kampf an. © Stadtverwaltung Görlitz

Dass Bastian Altmann mit der Hundekot-Problematik ein schweres Erbe von seinen Amtsvorgängern antreten wird, war ihm nicht gleich in seinen ersten Tagen im Amt klar - er ist erst seit vergangenem August Ordnungsamts-Chef. "Da gab es durch Corona zunächst dringlichere Dinge", sagt er. Doch die Stadt sorgt wegen Hundehinterlassenschaften seit Jahren für Schlagzeilen - nicht grundlos, wie auch Altmann schnell merkte.

Schon lange will man dagegen vorgehen, viel wurde auch umgesetzt. Mit wechselndem Erfolg. 569 Papierkörbe im gesamten Stadtgebiet sollten ausreichen - sollte man meinen. Zumal immer wieder neue hinzugekommen sind. Trotzdem blieben die Haufen. Auch elf Hundetoiletten gibt es in Görlitz. "Da haben wir phasenweise Verbesserungen festgestellt", so Altmann. Doch man kann eben nicht an jeder Ecke eine aufstellen. Genau wie mit Hundetüten-Spendern. Davon gibt es drei, am Busbahnhof auf der Bahnhofstraße, am Wilhelmsplatz und am Nordstrand vom Berzdorfer See. "Wir beobachten natürlich weiter, wo es Bedarf gibt, denn das soll kontinuierlich ausgebaut werden. Aber das geht eben nicht flächendeckend", so Altmann.

Eine Hundestation von elf, die in den vergangenen Jahren im Stadtgebiet aufgestellt wurden. Hier präsentieren Bürgermeister Michael Wieler und Torsten Tschage vom Bauamt im Jahr 2014 die Hundetoilette im Stadtpark.
Eine Hundestation von elf, die in den vergangenen Jahren im Stadtgebiet aufgestellt wurden. Hier präsentieren Bürgermeister Michael Wieler und Torsten Tschage vom Bauamt im Jahr 2014 die Hundetoilette im Stadtpark. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Im Görlitzer OB-Wahlkampf 2019 war auch die Hundeproblematik Thema. Die SZ hatte die vier Kandidaten damals regelmäßig mit Thesen zur Stadtentwicklung konfrontiert, zu denen sie Stellung bezogen. Eine davon: "Die Stadt führt eine DNA-Datenbank aller Hunde in Görlitz, um besser gegen die Verschmutzung mit Hundekot vorgehen zu können." Während die drei Gegenkandidaten des späteren Wahlsiegers und heutigen OB Octavian Ursu alle dagegen waren, sagte Ursu: "Ja. Hundekot ist ein großes Ärgernis in der Innenstadt, das wir effektiver bekämpfen müssen."

Bundesweit war das Thema vor einigen Jahren hochgekocht. Schließlich ist Görlitz nicht die einzige Stadt, die mit Hundehinterlassenschaften zu kämpfen hat. Die DNA-Geschichte ist hier auch auf den Prüfstand gestellt, doch letztlich als nicht durchführbar ad acta gelegt worden. Egal, ob verhältnismäßig oder nicht - diese Sache sei schon rein rechtlich nicht möglich, erklärt Bastian Altmann. "Es geht hier um eine Ordnungswidrigkeit, für ein Verfahren muss ein Tatnachweis erbracht werden. Selbst wenn wir den Haufen und die DNA haben und zuordnen können, kann der Hundehalter immer noch sagen, jemand anderes sei mit seinem Hund Gassi gegangen."

2011 protestierte die Kita "Südstadtmäuse" mit diesem Schild gegen uneinsichtige Hundehalter.
2011 protestierte die Kita "Südstadtmäuse" mit diesem Schild gegen uneinsichtige Hundehalter. © Pawel Sosnowski

Der Blick auf andere Städte und deren Methoden - auch Bastian Altmann hat ihn. Was erfolgversprechend und durchführbar ist, versucht auch Görlitz. So hat die Stadt - genau wie beispielsweise Nürnberg eine Mitführpflicht von Hundekotbeuteln. "Das ist in der Görlitzer Polizeiverordnung festgelegt." Heißt: Wer mit Hund draußen von Mitarbeitern des Ordnungsamtes angesprochen wird, muss nicht nur die Hundesteuermarke bei sich haben oder den Hund an der Leine führen, sondern auf Verlangen auch einen Kotbeutel zeigen." Und dass man angehalten wird, ist gar nicht so unwahrscheinlich. 306 Hundehalter wurden 2020 kontrolliert, 179 Mal gab es aus Sicht des Ordnungsamtes auch Grund zum Einschreiten.

"Wir machen schon vieles, aber Luft nach oben ist immer", sagt Altmann. Aus seiner Sicht kann das, was die Stadtverwaltung im Kampf gegen uneinsichtige Hundehalter leistet, nur ein Teil sein. Als weitaus wirksamer sieht Altmann die Rolle der Bürger. Wenn jemand einen Hundebesitzer anspricht und an sein Schamgefühl appelliert, könne das weitaus wirksamer sein.

Protest aus der Bevölkerung jedenfalls regte sich in den vergangenen Jahren immer wieder. Unvergessen die Fähnchenaktion um die Görlitzerin Juliane Brandt, sie mit Gleichgesinnten durch die Stadt zog und Hundehinterlassenschaften mit kleinen Fähnchen markierte, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

2012 initiierte die Görlitzerin Juliane Brandt die Aktion "Mir stinkts", bei der sie zusammen mit vielen Freiwilligen Hundekot im Stadtgebiet mit bunten Fähnchen markierte.
2012 initiierte die Görlitzerin Juliane Brandt die Aktion "Mir stinkts", bei der sie zusammen mit vielen Freiwilligen Hundekot im Stadtgebiet mit bunten Fähnchen markierte. © Archiv: Pawel Sosnowski

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Oder die Kita "Südstadtmäuse", die mit einem Schild an ihrem Zaun Hundebesitzern sagte, dass Haufen vor der Kita unerwünscht seien. Erst vor einem Jahr eskalierte gar der Streit um Hundehaufen in der Nikolaivorstadt. Hier war ein Anwohner so genervt, dass er unvernünftigen Hundebesitzern androhte, sie mit einem Besenstil bewusstlos zu prügeln, wenn sie die Hundehaufen nicht wegräumen. Das ist natürlich nicht die Art und Weise, wie es sich die Stadt wünschen würde, dass Görlitzer ihre Mitmenschen mit erziehen. "Man muss der Gerechtigkeit halber ja auch sagen, dass sich die große Anzahl an Hundebesitzern vorbildlich verhält", betont Bastian Altmann. Es seien nur einige wenige, die das Thema Hundehaufen in Görlitz zu einer großen Sache machen.

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