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Görlitzer Landrat noch nicht geimpft

Auch im Landkreis Görlitz bleiben hin und wieder Impfdosen übrig. In diesem Fall hängen sich die Mitarbeiter des Löbauer Impfzentrums fix ans Telefon.

Die Corona-Schutzimpfung wird in den Impfausweis eingetragen.
Die Corona-Schutzimpfung wird in den Impfausweis eingetragen. © dpa-Zentralbild

Landräte und Oberbürgermeister zuerst? Derzeit sorgen Kommunalpolitiker, die bereits eine Corona-Schutzimpfung erhielten, obwohl sie keine Risikopatienten sind, für Schlagzeilen. Aber nicht in Görlitz. Dem Beispiel des Hallenser Oberbürgermeisters oder eines Landrats aus dem Erzgebirge wollen die Spitzenpolitiker hier nicht folgen. Landrat Bernd Lange, der im Mai dieses Jahres 65 Jahre alt wird, ist noch nicht geimpft. Aus seiner Sicht sei die Priorisierung, wer wann geimpft wird, klar durch die Impfkommission vorgegeben. Das gelte auch für ihn, so Lange.

Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu erhielt ebenfalls noch keine Impfung gegen Covid-19. "Ich halte nichts davon, wenn sich Kollegen vordrängeln", sagt er. Die Impfreihenfolge sei klar geregelt. Gerade im Landkreis Görlitz, in dem sehr viele ältere Menschen leben, sei es wichtig, diese Menschen zuerst zu impfen. "Ich gehe davon aus, dass es in absehbarer Zeit genug Impfstoff für alle geben wird", sagt der 53-Jährige, der weiß, dass er sobald nicht mit der Impfung dran ist. "Zum Glück habe ich auch keine besonderen gesundheitlichen Probleme." Wenn Octavian Ursu an der Reihe ist, will er sich auf jeden Fall impfen lassen, betont er und vermutet, dass das dann vielleicht sogar bei seinem Hausarzt möglich ist. Dort holt er sich übrigens seit Langem jedes Jahr eine Grippeschutzimpfung.

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Ob die Nieskyer Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann, geboren 1967, bereits gegen Covid-19 geimpft ist, war am Freitag nicht zu erfahren. Frau Hoffmann war für die SZ nicht zu erreichen.

Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (rechts) ist noch nicht gegen Corona geimpft, sein Zgorzelecer Amtskollege Rafal Gronicz dagegen schon. Das hatte im Nachbarland für heftige Kritik gesorgt, da Gronicz noch gar nicht an der Reihe war.
Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (rechts) ist noch nicht gegen Corona geimpft, sein Zgorzelecer Amtskollege Rafal Gronicz dagegen schon. Das hatte im Nachbarland für heftige Kritik gesorgt, da Gronicz noch gar nicht an der Reihe war. © Archiv: Nikolai Schmidt

Ins Rollen kam die Debatte, als es darum ging, was mit übriggebliebenen Impfdosen geschieht. In der Tat bleiben auch im Landkreis Görlitz Impfdosen übrig, sei es im Löbauer Impfcenter oder auch bei den mobilen Impfteams, bestätigt Silke Seliger. Sie ist die Geschäftsführerin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Löbau und auch für das Impfzentrum in Löbau verantwortlich. Keine großen Mengen, sondern zwei bis fünf Dosen am Tag. Das passiere, wenn beispielsweise jemand seinen bereits gebuchten Impftermin nicht wahrnehmen oder aus verschiedenen Gründen nicht geimpft werden kann.

Landrat Bernd Lange ist ebenfalls noch nicht gegen Covid-19 geimpft.
Landrat Bernd Lange ist ebenfalls noch nicht gegen Covid-19 geimpft. © Nikolai Schmidt (Archiv)

Ersatz wird schnell gefunden

Da der Impfstoff nicht lange haltbar ist, wenn die Flasche mit den sechs Portionen geöffnet ist, reagiert das Impfzentrum, wenn absehbar ist, dass Dosen übrig bleiben. Schließlich ist der Impfstoff wertvoll und soll nicht verloren gehen. Etwa zwei Stunden vor Ende des Impftages hängen sich Mitarbeiter des Impfzentrums dann ans Telefon, um Ersatzpersonen einzuladen - aus der Prioritätengruppe 1, also Leute über 80. Dafür gibt es im Impfzentrum eine Liste von Pflegediensten und Arztpraxen, die dem Impfzentrum Personen aus dieser Gruppe nennen. "Wir müssen nicht lange telefonieren", sagt Silke Seliger. Die Angerufenen sind in der Regel sehr glücklich über das Impfangebot und machen sich auf den Weg nach Löbau.

Allerdings, so Frau Seliger, hat es keinen Zweck, beim Impfzentrum anzurufen und sich etwa auf eine Liste für Interessenten an übrig gebliebenen Impfdosen setzen zu lassen. "So eine Liste gibt es nicht."

Polizeibedienstete als "Lückenfüller"

Auf Nachfrage bestätigt die Polizeidirektion Görlitz (PD), dass auch Polizisten geimpft wurden, die nicht zur Gruppe 1 gehören. Das war der Fall, wenn in Impfzentren - die PD umfasst die Landkreise Görlitz und Bautzen - Impfdosen übrig waren und zu verfallen drohten. Dann wendete sich das Impfzentrum an die PD, von wo aus organisiert wurde, dass freiwillige Polizeibedienstete kurzfristig das Impfzentrum aufsuchten. "Dieses Vorgehen ist inzwischen durch das Bundesministerium für Gesundheit bestätigt worden", sagt Polizeisprecher André Schäfer.

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