SZ + Görlitz
Merken

Größtes Treffen jüdischer Nachfahren seit dem Krieg

In Görlitz gibt es rund um den 9. November diesmal eine ganze Woche des Gedenkens und Zusammenkommens. Auch der US-Botschafter wird dabei sein.

Von Daniela Pfeiffer
 2 Min.
Teilen
Folgen
Lauren Leiderman mit ihrem Buch "Das Poesiealbum von Eva Goldberg" - mit Einträgen von Anne Frank. Am 5. November wird sie es in der Görlitzer Synagoge präsentieren.
Lauren Leiderman mit ihrem Buch "Das Poesiealbum von Eva Goldberg" - mit Einträgen von Anne Frank. Am 5. November wird sie es in der Görlitzer Synagoge präsentieren. © Matthias Wehnert

20 Nachfahren jüdischer Familien, die einst in Görlitz lebten, treffen sich Anfang November in Görlitz. "Es wird die größte Zusammenkunft jüdischer Nachkommen der Vorkriegsgemeinde seit 1941 sein, als die letzten 55 Juden aus Görlitz nach Tormersdorf vertrieben wurden", sagt die Amerikanerin Lauren Leiderman, die das Treffen und eine jüdische Gedenkwoche federführend organisiert hat. In der Synagoge werden die 15 neuen Stolpersteine und die Geschichten der Familien noch bis 4. November in einer Ausstellung präsentiert.

Ebenfalls am 4. November erzählen um 19 Uhr die Vertreter der einzelnen Familien in der Synagoge der Görlitzer Öffentlichkeit ihre Familiengeschichte. Zu dieser Veranstaltung kommt neben anderen hochrangigen Gästen auch Ellen Germain, die Sonderbeauftragte der Vereinigten Staaten für Holocaust-Fragen, aus Washington angereist. Die Hauptsprache ist wie bei jeder Veranstaltung in dieser Woche Englisch, es wird aber auch eine deutsche Übersetzung angeboten.

Am 5. November werden in Görlitz - und erstmals auch in Zgorzelec - die 15 Stolpersteine verlegt - auch für die im vergangenen Jahr verstorbene Gerti Totschek. Außerdem gibt es dazu ein Exponat, das Lauren Leiderman in Zusammenarbeit mit dem Lausitz-Museum vor dem alten Haus der jüdischen Familie Goldberg in der Kosciuzki Straße 10 aufstellen ließ. Diese Ausstellung enthält Fotos und biografische Texte aus Leidermans Buch "Das Poesie-Buch von Eva Goldberg".

Die neuen Stolpersteine für Görlitz (zwölf) und Zgorzelec (drei): Sie werden noch bis 4. November in der Synagoge präsentiert, am 5. November dann verlegt.
Die neuen Stolpersteine für Görlitz (zwölf) und Zgorzelec (drei): Sie werden noch bis 4. November in der Synagoge präsentiert, am 5. November dann verlegt. © Daniel Breutmann

Auch der amtierende US-Botschafter und der amerikanische Konsul General Ken Toko kommen zur Gedenkwoche nach Görlitz. Das Büro des Oberbürgermeisters trifft hierzu die Vorbereitungen.

Im Rahmen der Gedenkwoche ist zudem für den 6. November eine Fahrt zu den Ruinen des Konzentrationslagers Tormersdorf geplant, wo sich auf den Tag zum 80. Mal die Deportation der letzten 55 jüdischen Bürger aus der Stadt jährt. Mehrere Nachkommen, die kommen, hatten Vorfahren, die zu diesen 55 Menschen gehörten.

Neben weiteren Programmpunkten - unter anderem einer Veranstaltung in der Synagoge am 7. November rund um Eva Goldberg - das kleine Mädchen aus Görlitz, das mit Anne Frank befreundet war, gipfelt die Woche im Gedenken an die Reichspogromnacht mit den Nachkommen am 9. November.