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Der lange Abschied

Schwester M. Cäcilia ist seit 54 Jahren eine der guten Seelen im Görlitzer St. Carolus-Krankenhaus - und gehört zur letzten Borromäerinnen-Generation hier.

Schwester M. Cäcilia Im Garten des St. Carolus-Krankenhauses. Das M. in ihrem Namen steht für Maria. Alle Ordensschwestern tragen es.
Schwester M. Cäcilia Im Garten des St. Carolus-Krankenhauses. Das M. in ihrem Namen steht für Maria. Alle Ordensschwestern tragen es. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Geschäftig huscht sie über die Carolus-Gänge, richtet hier und da die Blumen auf den Fensterbänken nochmal her, gießt die Grünpflanzen, und geht dann in den Saal. Hier ist Schwester Cäcilia aktiv, hilft bei Veranstaltungen, Kaffee zu kochen, Getränke bereitzustellen, aufzuräumen. Im Malteser-Krankenhaus St. Carolus hat sie als Schwester vom Barmherzigen Orden des Hl. Karl Borromäus schon gelebt und gearbeitet - lange, bevor die Malteser das Krankenhaus in Rauschwalde 2004 übernahmen.

Nur noch wenige Schwestern übrig

Schwester Cäcilia ist mit am längsten im Krankenhaus - seit 54 Jahren schon. Und eigentlich seit fünf Jahren schon nicht mehr im Dienst, aber ehrenamtlich eben doch. Neben den Pflanzen- und der Saal-Betreuung ist sie auch für die Bibliothek zuständig. Als sie damals aus Meißen nach Görlitz kam, war das noch eine andere Welt. 60 Schwestern waren sie da noch.

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Die Borromäerinnen, denen Schwester Cäcilia angehört, haben das Krankenhaus von 1927 an als Trägerorden aufgebaut und bis 2004 geführt. Heute leben und wirken hier noch acht Ordensschwestern, drei von ihnen begingen im Sommer ihr Diamantenes Ordensjubiläum, sind seit 60 Jahren in Görlitz und damit sogar noch länger als Schwester M. Cäcilia. Diese sieht sich zusammen mit der neu hinzugekommenen 56-jährigen Schwester Gemma als die beiden Jüngeren unter den Schwestern.

Im Sommer wurde das Diamantene Ordensjubiläum für Görlitzer Borromäerinnen gefeiert. Auch dabei waren (von links nach rechts): Schwester M. Gemma Biliboc, die neue Schwester im Konvent, Krankenhausleiterin Daniela Kleeberg und die Generaloberin der Borrom
Im Sommer wurde das Diamantene Ordensjubiläum für Görlitzer Borromäerinnen gefeiert. Auch dabei waren (von links nach rechts): Schwester M. Gemma Biliboc, die neue Schwester im Konvent, Krankenhausleiterin Daniela Kleeberg und die Generaloberin der Borrom © Raphael Schmidt

In der Tat nimmt man der quirligen Schwester ihre 74 Jahre kaum ab. Sie tut aber auch einiges dafür, jung und fit zu bleiben. Lange Laufrunden und Fahrradtouren gehören dazu - ein Schrittzähler zeigt ihr seit einiger Zeit an, wie viel sie geschafft hat. „Ich fühle mich viel besser, seitdem ich mich mehr bewege“, sagt Schwester M. Cäcilia fröhlich. Selbst die Kleidung sitzt lockerer.

Kleidung ist ein großes Thema bei ihr. Denn sie ist gelernte Schneiderin, hat viele Jahre die klinikeigene Schneiderei geleitet. „Am Anfang ging alles über mich, kein Arzt, keine Schwester, die nicht in der Schneiderei war, wo die Kittel ausgeteilt wurden.“ Ansonsten hatte sie immer viele Waschlappen, Handtücher, Bettbezüge oder sogar Windeln auf dem Nähtisch - denn früher gab es im St. Carolus noch eine Kinderstation.

Pfarrer Roland Elsner segnete in der Kapelle des Malteser-Krankenhauses St. Carolus die Schwestern, die schon seit 60 Jahren in Görlitz sind.
Pfarrer Roland Elsner segnete in der Kapelle des Malteser-Krankenhauses St. Carolus die Schwestern, die schon seit 60 Jahren in Görlitz sind. © Raphael Schmidt

„Heute nähe ich nur noch für uns“, sagt sie. Ausnahme: die Pandemie. In der Hoch-Corona-Zeit, als Stoffmasken noch erlaubt waren, hat sie mit zwei Helfern mehrere Tausend Masken gebügelt, alle Angestellten brauchten ja welche.

Dass sie mal den Weg mit Gott einschlagen wird, war früh klar. Ihr Schulweg in Meißen führte an einer Kirche vorbei, die Mutter hat damals schon für Volkssolidarität und Caritas ehrenamtlich bei der Betreuung von Menschen geholfen. „Und wir Kinder mit, das hat uns geprägt. Wir haben damals mit meinen Schwestern für die Leute Kohlen aus dem Keller geholt oder sind einkaufen gegangen.“ Sie ist das siebente von neun Geschwistern, die meisten haben schon früh ihren Weg darin gesehen, anderen zu helfen. Ordensschwester ist nur Schwester M. Cäcilia geworden. Doch auch nach all den Jahrzehnten hat sie regen Kontakt zu Geschwistern und einer großen Schar an Nichten und Neffen. Und zwar per Smartphone. Da Ordensschwestern keinen weltlichen Besitz haben, hat sie es geschenkt bekommen. Und sie weiß es sehr zu schätzen, denn dadurch kann sie viele Kontakte pflegen.

Einige Ordensschwestern in der Kapelle des St. Carolus Krankenhauses, die zweite von links ist Schwester M. Cäcilia.
Einige Ordensschwestern in der Kapelle des St. Carolus Krankenhauses, die zweite von links ist Schwester M. Cäcilia. © Archiv: Nikolai Schmidt

Nun ist es für sie nicht immer ganz einfach, die vielen Updates und WhatsApp. „Aber ich kann jederzeit zu unseren Schülern gehen, die zeigen mir alles. Ein bisschen peinlich ist es mir ja.“ Aber Schwester Cäcilia ist eine Frau, die alle für ihre offene Art mögen. Zu Patienten hatte sie immer einen engen Draht, so mancher, der ein zweites Mal kam, fragte sogleich nach ihr. „Ich motiviere die Menschen, ich sage immer: Sie schaffen das.“ Auch auf dem Friedhof, den sie oft besucht und wo sie immer wieder mit einsamen, traurigen Menschen ins Gespräch kommt.

Jeden Tag an der Orgel

So wie sie es auch geschafft hat mit einigen körperlichen Leiden, die sie schon seit Ewigkeiten mit sich trägt. Aber sie winkt ab, es ist schon alles nicht so schlimm. Mit bürgerlichem Namen heißt die agile Schwester Elfriede. Sie mochte den Namen Elfriede nie. Auch mit Cäcilia konnte sie sich erst nicht so anfreunden. Aber sie hatte ihn wohl wegen ihrer Musikalität bekommen - Cäcilia ist die Schutzpatronin der Kirchenmusik.

Und Schwester Cäcilia besuchte in den ersten Jahren ihrer Görlitzer Zeit drei Jahre lang die Kirchenmusikschule auf der Langenstraße, wo sie Orgel lernte. Ab 1975 orgelte sie. In der St. Carolus-Kapelle orgelt sie noch immer täglich, sonntags auch in Reichenbach und manchmal auch Sonnabendabend in Weinhübel. Das M. vor Cäcilia steht übrigens für Maria. Jede Schwester trägt es vor ihrem Namen.

Viermal täglich finden sich die Schwestern zum Gebet in der Kapelle ein, am Morgen schon um 6:45 Uhr, auch die Hauptmahlzeiten werden gemeinsam eingenommen. Ab 21 Uhr herrscht Stille im Orden.

Doch die Tage der Borromäerinnen, die so selbstverständlich ins Carolus-Bild gehören, sind in Görlitz gezählt. Die verbliebenen Schwestern sollen irgendwann ins Mutterhaus Kloster Grafschaft zurückgeholt werden. „Ich würde ja lieber im Osten bleiben, die Mentalität im Westen ist immer noch eine andere“, sagt Schwester M. Cäcilia.

Gottesdienst zum Richtfest am St. Carolus Krankenhaus im Jahr 2000, damals noch mit einigen Schwestern mehr.
Gottesdienst zum Richtfest am St. Carolus Krankenhaus im Jahr 2000, damals noch mit einigen Schwestern mehr. © privat

Sollten sie eines Tages tatsächlich weg sein, würden sie im Krankenhaus sehr fehlen. "Die Anwesenheit und die Dienste der Ordensschwestern erinnern uns auch heute noch daran, mit welchem Geist dieses Krankenhaus vor 94 Jahren aufgebaut und geführt wurde. Sich daran zu orientieren, bleibt Aufgabe für uns Malteser“, sagt Pressesprecherin Stephanie Hänsch. Auch Schwester M. Cäcilia wird fehlen, wenn sie einmal wegziehen wird. „Ich bin dankbar für alles Erlebte“, sagt sie. „Nur wenige kennen das Carolus so wie ich. Ich habe in diesem Haus Höhen und Tiefen mitgemacht." Die Abgabe der Trägerschaft und der ganzen Verantwortung an die Malteser nach so langer Zeit war nicht leicht, sagt sie. Eine erfüllende Aufgabe war von heute auf morgen nicht mehr da.

Früher schüchtern und verschlossen gewesen

Doch gerade die Vielseitigkeit ihrer Aufgaben - einige Jahre leitete sie auch die Hauswirtschaft - habe sie geformt, der Umgang mit den Menschen ebenso. In der Schule sei sie immer für Schüchternheit und Verschlossenheit kritisiert worden, heute ist sie das ganze Gegenteil, das habe sie ihrer Arbeit zu verdanken, sagt sie. „Man wächst mit seinen Aufgaben, ich bin die Bestätigung dafür.“ Sie hat den großen Wunsch, dass man noch bis zum 100. Ordensjubiläum der Borromäerinnen in Görlitz bleiben dürfe - das wäre im Jahr 2027. „Dann können sie uns holen, habe ich zur Generaloberin gesagt.“

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