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Nuklearmedizinerin schließt Praxis in Görlitz

Der Rückzug von Anke Mitschke bedeutet für Patienten nun lange Wege. Dafür gibt's im Octamed etwas neues: eine Kältekammer.

Damals war sie frisch eingezogen: Diplom-Medizinerin Anke Mitschke in ihrer Praxis im Octamed Görlitz. Nun hat sie die Praxis aufgegeben.
Damals war sie frisch eingezogen: Diplom-Medizinerin Anke Mitschke in ihrer Praxis im Octamed Görlitz. Nun hat sie die Praxis aufgegeben. © Pawel Sosnowski

Wer zur Schilddrüsenuntersuchung muss, hat in Görlitz und im gesamten Landkreis jetzt ein Problem. Die einzige niedergelassene Praxis für Nuklearmedizin hat zum Jahresende dichtgemacht. Über die Gründe ist nicht viel zu erfahren. Sie sei jetzt an einem neuen Standort beschäftigt. Vor acht Jahren war sie eine von acht Ärzten gewesen, die ins neuerrichtete Octamed auf dem Gelände des St.-Carolus-Krankenhauses zogen – ein vom Krankenhaus unabhängiges Ärztehaus unter dem Dach einer der Medizinischen Kooperation Görlitz eG. Deren Köpfe sind Vorstand André Maywald und Dr. Christian Haferland, der selbst im Octamed praktiziert.

Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) bestätigt auf SZ-Nachfrage, dass Anke Mitschke ab 1. Januar „auf ihre Zulassung zur Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung verzichtet“. Die Praxis wurde geschlossen, da kein Nachfolger gefunden wurde. Für die Patienten ist das ein schwerer Schlag, denn im gesamten Landkreis gibt es nun keinen niedergelassenen Nuklearmediziner mehr. Das bedeutet: Patienten werden weit fahren müssen, einen Nuklearmediziner gibt es in Bautzen, einen in Panschwitz-Kuckau, elf in Dresden.

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André Maywald (hier in der vom DRK betreuten, ehemaligen Flüchtlingsunterkunft am Flugplatz) freut sich, dass es im Rauschwalder Ärztehaus Octamed trotz des Weggangs von Anke Mitschke neue Entwicklungen gibt.
André Maywald (hier in der vom DRK betreuten, ehemaligen Flüchtlingsunterkunft am Flugplatz) freut sich, dass es im Rauschwalder Ärztehaus Octamed trotz des Weggangs von Anke Mitschke neue Entwicklungen gibt. © nikolaischmidt.de

Hunderte, wenn nicht sogar Tausende Patienten wird das vor Herausforderungen stellen, vor allem Ältere. Die KVS sagt zu, zumindest in dringenden Fällen, zu helfen und einen zeitnahen Facharzttermin zu vermitteln. Voraussetzungen sind, dass der Patient gesetzlich versichert ist und eine Überweisung zu einem Facharzt mit einer Dringlichkeitskennzeichnung erhalten hat.

Die Hoffnung, dass sich bald ein neuer Nuklearmediziner für die Stadt oder den Landkreis Görlitz findet, ist gering. Zwar sehe die KVS Bewerbungen gern, doch sind für den Planungsbereich Sachsen für Nuklearmediziner 17,5 freie Stellen ausgewiesen.

OP-Patienten brauchen nuklearmedizinische Untersuchung

Auswirkungen hat der Wegfall eines nuklearmedizinischen Angebotes in Görlitz auch für Patienten mit Tumorerkrankungen, die zur OP sollen. Sie müssen am Tag vor der OP zu einem Nuklearmediziner. Manuela Böttcher, Koordinatorin des Mammazentrums am Städtischen Klinikum Görlitz sagt, dass es eine Kooperation mit Frau Mitschke gab, aber auch ein Ausfallkonzept. Heißt: Patienten werden nun dorthin geschickt, wo auch vorher die Vertretung für Frau Mitschke war: zu Dr. Stefan Weiß in Bautzen oder in die Nuklearmedizinische Praxis Tannert/Fuchs in Dresden-Friedrichstadt. Falls nötig auch ins Uniklinikum Dresden. "Für die Patienten bedeutet also die Praxisschließung von Frau Mitschke, so bedauerlich wir dies nach unserer sehr guten Zusammenarbeit finden, keine eingeschränkte Versorgung oder erhöhten Aufwand - denn die gesamte erforderliche Organisation erfolgt durch das Brustzentrum", sagt Manuela Böttcher, "bis auf eben die längere Fahrtzeit zu der Untersuchung am Tag vor der Operation." Und diese finden auch weiterhin statt. "Viele Krebspatienten machen sich wegen der Corona-Situation nämlich Sorgen", sagt Sprecherin Katja Pietsch.

Anke Mitschkes Räume in der zweiten Etage des Octamed sind inzwischen wieder besetzt, die Niederlassung der Physiotherapie Jana Walter und Hagen Richter ist dort eingezogen - vielmehr innerhalb des Octamed umgezogen, denn vorher war der „Handlungsfreiraum Richter-Walter “, wie sie sich nennen, im ersten Geschoss und das auch bereits von Anfang an. Ihren Hauptsitz haben die beiden Physiotherapeuten auf der Christian-Heuck-Straße. Im Octamed bieten sich Privatleistungen an. Mit ihrem Umzug in den zweiten Stock gibt es jetzt auch ein besonders spannendes Angebot: eine Kältekammer. „Es ist die erste in Ostsachsen“, sagt Jana Walter.

Die neue Kältekammer im Octamed Görlitz.
Die neue Kältekammer im Octamed Görlitz. © Handlungsfreiraum Richter und Walter GbR

Geeignet sei die Kältetherapie für Patienten mit Rheuma, Schmerzen, orthopädischen Krankheitsbildern, Hauterkrankungen, Schlafstörungen, Depressionen oder auch für Sportler zur Regeneration. Für maximal drei Minuten geht es in die minus 85 Grad kalte Kammer. Auch das ist eine Privatleistung, die bei sechsmaliger Anwendung 30 Euro pro Sitzung kostet. Möglich ist auch eine gemeinsame Sitzung von zwei Personen, dann zahlt jeder 20 Euro.

André Maywald ist froh, dass die Räume von Frau Mitschke so schnell wieder besetzt sind. Auch ansonsten gebe es Pläne für das Octamed, inklusive baulicher Dinge. „Wir arbeiten trotz Corona intensiv an der Weiterentwicklung des Hauses“, sagt Maywald. Bevor aber Verträge nicht unterzeichnet sind, möchte er dazu nicht ins Detail gehen.

Die Terminservicestelle der KV Sachsen ist für Patienten unter der Rufnummer 116 117 erreichbar.

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